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Wahlkampf in North Carolina: Trump attackiert Ilhan Omar - Anhänger hetzen: "Schickt sie zurück!"

US-Präsident Donald Trump hat auf einer Wahlkampfveranstaltung seine Schelte gegen vier Demokratinnen mit Migrationshintergrund erneuert. Davon angestachelt, skandierten seine Fans in North Carolina: "Schickt sie zurück!" Die Adressaten reagierten gelassen.

"Zurückschicken!": Trump setzt Angriffe auf Demokratinnen mit Migrationshintergrund fort

Donald Trump kann es einfach nicht lassen. Auf einer Wahlkampfveranstaltung in North Carolina hetzte der US-Präsident am Mittwochabend (Ortszeit) erneut gegen die vier demokratischen Politikerinnen, die er bereits Anfang der Woche beschimpft und dazu ermuntert hatte, das Land zu verlassen. Trump erklärte in Greenville, die Frauen würden beim Aufstieg einer militanten Linken helfen und die USA nicht lieben. Sie hätten nie etwas Gutes zu sagen, deswegen könnten sie gehen. Der Präsident nahm sich in der Rede jede der Frauen einzeln vor.

Ganz besonders hatte er es dieses Mal auf Ilhan Omar, eine gebürtige Somalierin, abgesehen. Von den Provokationen und Vorwürfen gegen die Muslima angestachelt, skandierten seine Anhänger immer wieder lautstark: "Schickt sie zurück!". Zuvor warf der US-Präsident Omar vor, sich zuletzt mehrfach antisemitisch geäußert zu haben.

Omar reagiert: "Ich bin da, wo ich hingehöre"

Die angegriffene Ilhan Omar reagierte via Twitter auf die Szenen in Greenville. "Ich bin da, wo ich hingehöre, im Haus des Volkes, und ihr werdet damit einfach klar kommen müssen." Eine klare Botschaft, die sich sowohl an Trump als auch an seine fanatischen Anhänger – möglicherweise sogar an alle Amerikaner – gerichtet haben dürfte. Empört äußerte sich auch Kamala Harris, demokratische Senatorin und Präsidentschaftsbewerberin. Der Vorfall sei bösartig, feige, fremdenfeindlich, rassistisch und ziehe das Präsidentenamt in den Dreck, erklärte die Politikerin.

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Ähnlich deutliche Worte fand das American Jewish Committe (AJC). "Dieser entsetzliche Sprechchor macht Amerika nicht großartig. Er erinnert uns vielmehr auf unheimliche Weise an eine dunkle Zeit in der Geschichte unserer Nation", twitterte ein Vertreter. 

Trump hatte die vier Frauen in den vergangenen Tagen mehrfach aufgefordert, in ihre vermeintlichen Heimatländer zurückzugehen. Die Demokraten warfen ihm daraufhin Rassismus vor. Die vier Politikerinnen sind allesamt US-Staatsbürgerinnen mit Migrationshintergrund: Alexandria Ocasio-Cortez ist puerto-ricanischer Abstammung, geboren in New York; Rashida Tlaib eine Tochter palästinensischer Einwanderer, geboren in Detroit; Ayanna Pressley ist Afroamerikanerin, geboren in Chicago. Omar kam in Somalia auf die Welt, flüchtete dann mit ihrer Familie in die USA, wo sie schon als Teenager eingebürgert wurde.

Trump-Impeachment: Repräsentantenhaus sagt "No" 

Erst kurz vor Trumps erneutem verbalen Angriff gegen Ilhan und die drei anderen Politikerinnen hatte das US-Repräsentantenhaus mit breiter Mehrheit den Antrag von Al-Green abgelehnt, ein Amtsenthebungsverfahren gegen den mächtigsten Mann der Welt einzuleiten. Das feierte Trump nicht nur via Twitter – es ermunterte ihn offenbar dazu, gegenüber seinen demokratischen Feindbildern weiter auszuteilen. Auf die Unterstützung seiner Anhänger kann er sich dabei zu 100 Prozent verlassen. Das ist spätestens seit den "Schickt-sie-zurück!"-Sprechchören von Greenville klar.

js / DPA