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Affäre um Verschlusssachen Ein "sammelwütiger Horter": Ex-Mitarbeiter schildern Trumps laxen Umgang mit Geheimdokumenten

Donald Trump interessierte sich in seiner Zeit im Oval Office Berichten zufolge nicht für Klassifizierungsvorschriften
Donald Trump interessierte sich in seiner Zeit im Oval Office Berichten zufolge nicht besonders für Klassifizierungsvorschriften
© Alex Brandon / DPA
Dass Donald Trump es mit der Wahrung von Staatsgeheimnissen nicht so genau nahm, zeigen die Funde des FBI in Mar-a-Lago. Mehrere Berater und Beamte aus Trumps Amtszeit haben seinen leichtfertigen Umgang mit Verschlusssachen nun bestätigt.

In der Affäre um den laxen Umgang von Donald Trump mit Staatsgeheimnissen haben ehemalige Mitarbeiter des Weißen Hauses dem früheren US-Präsidenten schwere Vorwürfe gemacht: Trump habe die Vorschriften und Gepflogenheiten für die Handhabung von sensiblen Regierungsdokumenten nie streng eingehalten, berichtet die "Washington Post" unter Berufung auf 14 frühere Regierungsbeamte, von denen die meisten nur unter der Bedingung der Anonymität mit der Zeitung gesprochen hätten.

Während seiner vierjährigen Amtszeit habe der damalige Präsident Abschriften seiner Gespräche mit ausländischen Staatsoberhäuptern sowie Fotos und Diagramme, die er bei seinen Geheimdienstbesprechungen verwendete, ohne Erklärung mit in seine Privatwohnung genommen, schilderten die Beamten Trumps Verhalten. Er habe verlangt, dass Briefe, die er mit dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un ausgetauscht hatte, in seiner Nähe aufbewahrt werden, damit er sie Besuchern zeigen konnte. Dokumente, die normalerweise hinter Schloss und Riegel aufbewahrt werden, hätten sich in Trumps Wohnräumen und in einem Esszimmer, das er als informelles Büro genutzt habe, mit Stapeln von Zeitungsartikeln gemischt.

Zudem seien Mitarbeiter, die versuchen könnten, ihm klassifiziertes Geheimdienstmaterial wegzunehmen, vom damaligen Präsidenten eingeschüchtert worden. Ein langjähriger Berater, der Trump immer noch regelmäßig sehe, beschrieb ihn der Zeitung als "sammelwütig" und als einen "Horter".

Donald Trump hortete Geheimpapiere in seinem Anwesen

Nach Angaben der "Washington Post" versuchten hochrangige Berater jahrelang, den Fluss geheimer Informationen im Weißen Haus zu ordnen – mit wenig Erfolg. "Die Genauigkeit, die ich am Ende der Sitzungen während der Obama-Administration gespürt hatte […] wo jemand sehr sorgfältig alle Zettel einsammelte oder im Raum zurückblieb und sicherstellte, dass nichts mehr übrig war – diese Genauigkeit gab es damals einfach nicht während der Trump-Zeit“, schilderte ein ehemaliger Beamter dem Blatt die Sitzungen im Lageraum des Weißen Hauses.

Die US-Bundespolizei FBI hatte im August bei einer Razzia auf Trumps Anwesen Mar-a-Lago in Florida zahlreiche Kisten mit Verschlusssachen sichergestellt, die als "vertraulich", "geheim" und "streng geheim" eingestuft waren. Einige trugen sogar die Kennzeichnung "Top Secret/SCI", wonach sie nur in sicheren Regierungseinrichtungen eingesehen werden dürfen. Die sensiblen Unterlagen lagen laut FBI zum Teil zwischen Zeitungsartikeln, Kleidungsstücken, Geschenken, Büchern und Fotos. Mit der Mitnahme und Lagerung der Geheimpapiere könnte Trump gegen mehrere Gesetze verstoßen haben, darunter das US-Spionagegesetz.

Ehemalige Beamte und Berater aus Trumps Umfeld erklärten der "Washington Post" zufolge, sie seien sich nicht sicher, wie die mehr als 300 beschlagnahmten Verschlusssachen nach Mar-a-Lago gelangt sind. Aber in den letzten Tagen seiner Präsidentschaft, als Trump widerwillig begonnen habe, das Weiße Haus zu räumen, habe er auch Dokumente zusammengepackt, die eigentlich an das Nationalarchiv der Vereinigten Staaten hätten gehen müssen, zusammen mit Zeitungsartikeln sowie mit Geschenken, die er während seiner Präsidentschaft erhalten hatte. Auch diese hätten gemäß den strengen US-Anti-Korruptionsvorschriften ins Nationalarchiv gehört. Ausnahmen sind nur bei Geschenken von rein symbolischem Wert erlaubt und wenn eine Weitergabe an das Archiv den Schenkenden brüskieren würde.

"Ich kann nicht sagen, was schief gelaufen ist, was dazu geführt hat, das einige Kisten in Mar-a-Lago gelandet sind", zitiert die "Washington Post" einen ehemaligen Beamten. "Aber man kann das als Verlängerung von vier Jahren Gefälligkeiten für den Präsidenten erweisen sehen."

Ein Sprecher von Trump lehnte es laut "Washington Post" ab, sich zu den Vorwürfen zu äußern. Er beschuldigte demnach lediglich das Justizministerium, Informationen an die Zeitung weitergegeben zu haben, um Trumps Image zu verletzen und erklärte: "Präsident Trump bleibt der Verteidigung der Verfassung und des Präsidialamts verpflichtet, um die Integrität Amerikas für kommende Generationen zu gewährleisten."

Quellen: "Washington Post"

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