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Noch mehr Kritik vom Lieblingssender: Fox-Moderator rebelliert: "Trump ist zu weit gegangen"

Für Donald Trump zählt der Sender Fox News zu den letzten Bastionen einer unabhängigen Presse. Bislang konnte er sich dort auf eine wohlwollende Berichterstattung verlassen. Doch selbst bei dem erzkonservativen Kanal häuft sich die Kritik.

Donald Trump posiert mit Chris Wallace vor einem Interview. Nun rückt der Fox-Moderator von ihm ab.

Donald Trump posiert mit Chris Wallace vor einem Interview. Nun rückt der Fox-Moderator von ihm ab.

Bei allen seinen Querelen mit den Medien konnte sich Donald Trump bislang auf einen Sender verlassen: Fox News. Der erzkonservative Nachrichtenkanal meinte es gut mit dem neuen US-Präsidenten. Im Gegenzug erhob Trump seinen Lieblingssender zu einer der letzten glaubwürdigen Presseinstanzen. Doch der Krieg, den der Skandalpolitiker mit der Medienwelt führt, stößt selbst bei Fox zunehmend auf Unverständnis. 

Nachdem bereits am Freitag der Nachrichtensprecher Shepard Smith von Donald Trump abrückte, attackierte Moderator Chris Wallace den Präsidenten: "Sehen Sie, wir sind große Jungs. Wir kritisieren die Präsidenten. Im Gegenzug wollen auch die Präsidenten uns kritisieren. Das ist auch gut so", erklärte er in der Talkshow "Fox and Friends". "Aber als Trump sagte, die Medien seien nicht seine Feinde, sondern die des amerikanischen Volkes, hat er eine wichtige Grenze überschritten."

"Du hast uns nicht zu sagen, was wir tun sollen, Reince"

Mit diesem Vorwurf konfrontierte Wallace auch den Stabschef des Weißen Hauses, Reince Priebus, direkt in einem Interview in seiner eigenen Sendung "Fox News Sunday". "Reince, ich habe kein Problem mit dir, wenn du dich über eine einzelne Geschichte beschwerst. Manchmal verstehen wir etwas falsch", wandte er sich direkt an Priebus. "Aber der Präsident ging viel weiter. Er sagte, dass nicht einzelne Geschichte, sondern die Fake-Medien die Feinde dieses Landes sind. Aber wir haben keine Staatsmedien. Die gibt es in Diktaturen", stellte Wallace klar.

Einmal in Rage geredet, griff Wallace den Stabschef immer weiter an: "Du hast uns nicht zu sagen, was wir tun sollen, Reince." Barack Obama habe zwar ständig über Fox News gejammert. "Aber er hat uns niemals zu Feinden des Volkes erklärt."

Trump hatte nach der heftigen Kritik an seiner Pressekonferenz vom vergangenen Donnerstag die Zeitung "New York Times" sowie die Sender NBC, ABC, CBS, CNN zu den Feinden Amerikas erklärt.

"Alle Präsidenten hatten Probleme mit der Presse"

In der Talkshow "Fox and Friends" stellte Wallace außerdem klar, dass Trumps Verhältnis zu den Medien in der US-Geschichte beispiellos sei.  Zuvor wurde in der Sendung gezeigt, wie die US-Präsidenten in der Vergangenheit mit der Presse gehadert haben, unter anderem auch Thomas Jefferson und Abraham Lincoln. Dass Trump nicht der erste Präsident ist, der ein schwieriges Verhältnis zu der Presse hat, stritt Wallace gar nicht ab. "Ja, Präsidenten und Politiker hatten immer Probleme mit den Medien. Sie wollen gute Schlagzeilen. Doch das ist nicht immer das, was sie bekommen", sagte der politische Kommentator.

Dennoch habe auch Jefferson nie daran gezweifelt, dass für das Funktionieren einer freien und gerechten Demokratie eine unabhängige Presse unverzichtbar ist, konterte Wallace. Als Beleg zog er ein berühmtes Zitat des dritten amerikanischen Präsidenten heran, der einst gesagt hatte: "Wenn ich entscheiden sollte, ob ich eine Regierung ohne Zeitungen oder Zeitungen ohne eine Regierung haben will, würde ich keinen Augenblick zögern, mich für das Letztere zu entscheiden."

Eine gewisse Verzerrung in der Berichterstattung zu Trump könne er allerdings auch beobachten, sagte Wallace. Dennoch sei Trump zu weit gegangen. "Gott weiß, wie Barack Obama Fox News kritisiert hat. Wenn Donald Trump die 'New York Times' kritisieren will, ist das in Ordnung. Aber es ist etwas anderes, wenn er sie zum Feind des amerikanischen Volkes erklärt", so der 69-Jährige. Insbesondere in seiner Rolle als Präsident. "Das ist sehr gefährlich."

Fox-Moderatoren auf Kriegsfuß mit Donald Trump 

Wallace ist nicht der erste Fox-Moderator, der sich gegen Trump wendet. Am Freitag rechnete bereits sein Kollege Shepard Smith mit ihm in einer regelrechten Wutrede ab.

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ivi