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Russland-Ermittlungen: Hat Trump plötzlich Angst vor dem Mann, der ihn angeblich "vollständig entlastet" hat?

Das ging schnell: Noch am Freitag hatte Donald Trump scheinbar kein Problem mit einer Aussage von Russland-Ermittler Robert Mueller vor dem US-Kongress. Zwei Tage später hat sich seine Meinung komplett gedreht.

"Bob Mueller sollte nicht aussagen": US-Präsident Donald Trump (l.) über Sonderermittler Robert Mueller

"Bob Mueller sollte nicht aussagen": US-Präsident Donald Trump (l.) über Sonderermittler Robert Mueller

AFP / DPA

US-Präsident Donald Trump ist plötzlich dagegen, dass der Sonderermittler in der Russland-Affäre, Robert Mueller, vor dem Kongress zu seinen Untersuchungen aussagt. Es seien 35 Millionen Dollar über einen Zeitraum von zwei Jahren ausgegeben und 500 Menschen verhört worden - all das sei in einen mehr als 400-seitigen Bericht gegipfelt, der zeige, dass es keine geheimen Absprachen mit Russland gegeben habe, schrieb Trump am Sonntag auf Twitter. "Warum brauchen die Demokraten im Kongress jetzt noch einmal Robert Mueller für eine Aussage? Sind sie auf der Suche nach einem Neubericht, weil sie es hassten, die starke Schlussfolgerung KEINE GEHEIMEN ABSPRACHEN zu sehen?", fragte Trump. "Bob Mueller sollte nicht aussagen. Kein Neubericht für die Demokraten!", verlangte der Präsident.

Trumps Forderung ist eine deutliche Kehrtwende innerhalb von nur zwei Tagen. Noch am Freitag schien der Präsident kein Problem mit einem Auftritt von Mueller vor den Volksvertretern zu haben. Als Reporter im Oval Office ihn fragten, ob der Sonderermittler aussagen sollte, antwortete Trump: "Ich weiß nicht. Das liegt ganz bei unserem Justizminister, der meiner Meinung nach einen fantastischen Job gemacht hat." Justizminister William Barr hatte bei seiner eigenen Anhörung in der vergangenen Woche öffentlich und unter Eid erklärt, er würde keinen Einspruch gegen eine Aussage Muellers über dessen Untersuchungen erheben.

Donald Trump reagiert auf Terminankündigung

Zu Trumps abruptem Meinungsumschwung könnte beigetragen haben, dass Muellers Anhörungstermin am Sonntag plötzlich Realität zu werden schien. In einem Interview mit dem Lieblingssender des Präsidenten, "Fox News", verkündete der demokratische Abgeordnete David Cicilline, Mitglied des Justizausschusses des Repräsentantenhauses, Muellers Vertreter hätten einer Anhörung am 15. Mai bereits "vorläufig" zugestimmt. "Bis der Tag kommt, haben wir natürlich nie eine absolute Garantie", erklärte Cicilline. Kurz darauf twitterte Trump, dass Mueller nicht aussagen solle.

Wie sich einige Stunden später herausstellte, hatte sich Cicilline allerdings etwas zu weit aus dem Fenster gewagt. Auf Twitter stellte der Demokrat klar, es handele sich nur um einen Vorschlag und noch sei "nichts vereinbart". "Sorry für die Verwirrung", fügte er hinzu.

Warum will Trump nicht, dass Mueller redet?

Die oppositionellen Demokraten wollen Mueller selbst zu seinen Erkenntnissen befragen, weil Barr die Ergebnisse des Russland-Berichts ihrer Ansicht nach falsch darstellt. Mueller hatte in seiner fast zweijährigen Untersuchung zwar keine hinreichenden Beweise für eine Verschwörung des Trump-Teams mit Russland während des Präsidentschaftswahlkampfs 2016 gefunden. Vom Verdacht der Justizbehinderung aber befreite er den republikanischen Präsidenten ausdrücklich nicht. Barr schlussfolgerte dennoch, dass es keine ausreichenden Belege für eine strafbare Justizbehinderung gebe und Trump propagiert seither, der Bericht habe ihn "völlig entlastet".

Bleibt die Frage, warum der US-Präsident eigentlich nicht will, dass der Mann, der ihn mit seinen Ermittlungen angeblich "völlig entlastet" hat, über diese Ermittlungen öffentlich spricht. Eine möglich Antwort darauf hat der Direktor des Zentrums für Politik der Universität Virginia, Larry Sabato, im US-Nachrichtensender CNN gegeben: Justizminister Barr habe dem Land und dem Kongress Muellers Erkenntnisse zum Vorwurf der Justizbehinderung nicht vollständig dargelegt, sagte Sabato . "Es gibt einige echte Fragen darüber, ob der Präsident diese Untersuchung behindert hat. Und ich bin mir sicher, dass Mueller, so wie es seine Art ist, sehr offen darüber reden würde."

Mueller Report: "Justizminister hat gelogen" Demokraten-Chefin Nancy Pelosi erhebt Vorwürfe gegen William Barr

Quellen: CNN, Axios, "New York Magazine"Twitter