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Fernseh-Spektakel: Glücklich gefangen im Gestrüpp aus Lügen und Unwahrheiten

Donald Trump nimmt es mit der Wahrheit nicht so genau. Und seine Fans nehmen es ihm nicht übel. Vor der ersten TV-Debatte gegen Hillary Clinton hat er seine Anhänger sogar befragt, in welchem Ausmaß er im Fernsehen lügen solle.

Von Catalina Langer, New York

Donald Trump kann sagen was er will, seine Fans sind nicht so sehr an Details oder nachprüfbaren Fakten interessiert

Donald Trump kann sagen was er will, seine Fans sind nicht so sehr an Details oder nachprüfbaren Fakten interessiert

lügt viel und hemmungslos. Bisher war er damit überraschend erfolgreich. Und das soll am besten auch so bleiben, wenn der Milliardär am Montag (3 Uhr deutscher Zeit) gegen Hillary Clinton in der ersten TV-Debatte antritt. Genau wegen diesem Hang zu hanebüchenen Behauptungen hat der übertragende Fernsehsender vorgeschlagen, die Aussagen beider Kandidaten live auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen, Trump wies die Idee lautstark wie immer zurück.

"New York Times" sagt jetzt, wenn Donald Trump lügt

Die "New York Times" hat den  in ihrer traditionellen Wahlempfehlung als "schlechtesten Kandidaten der neueren Geschichte" bezeichnet. Doch bislang ist Trump noch mit allem davon gekommen. Zu Beginn hielten ihn fast alle Journalisten für eine Witzfigur, über die sie ihre Späße machten. Es dauerte Monate, bis den Medien dämmerte, dass der Mann, der Amerika wieder groß machen will, wirklich eine Chance hat. Und erst jetzt, sechs Wochen vor der Wahl und mit guten Umfragewerten im Rücken, beginnen die Reporter damit, Trumps Aussagen zu hinterfragen.

So zum Beispiel bei der "New York Times". Das liberale Ostküstenblatt wertete Trumps Aussagen in Nachrichtenbeiträgen bislang so gut wie nie. Doch nun die Kehrtwende: Seit einigen Tagen betitelt sie auch Newsstücke mit den klaren Aussagen: "Lüge", "unwahr" oder "falsch". Die "Washington Post" forderte zudem die TV-Sender auf, ihre Arbeit als "Handlanger der Trump-Kampagne zu stoppen." Damit hat sie vor allem den Trump-freundlichen, erzkonservativen Nachrichtenkanal Fox News im Blick.

Ein Faktencheck würde Trump nur stören

Dem Wahlkämpfer gefällt diese Diskussion natürlich überhaupt nicht. Er will seine Trump-Show aus Lügen und Verdrehungen der Wahrheit möglichst ungehindert weiter durchziehen. Da würde ein Faktencheck während der Live-Diskussion seiner Meinung nach nur stören. Er und Clinton sollen das Duell doch unter sich ausmachen dürfen und der Moderator möge sich einfach raushalten, so Trump. "Wozu brauchen wir überhaupt einen Moderator", tönte er gar vor ein paar Tagen.

Donald Trump hat allen Grund, sich vor einer genauen Analyse seiner Aussagen zu fürchten. So behauptete er dreist, wenn er die Wahl verliere, könne dies nur Betrug sein. Oder: In den USA würden 30 Millionen illegale Einwanderer leben. Es sind aber nur elf Millionen. Und schließlich: Hillary Clinton plane, allen Amerikanern ihre Waffen wegzunehmen. Falsch. Falsch und wieder falsch.

Die unabhängige Organisation Politicfact, die für ihre Arbeit schon mit dem renommierten Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde, nahm sich seit Juni 2015 mehr als 160 seiner Aussagen vor. Nur elf stellten sich als wahr heraus, 43 waren schlichtweg gelogen. Die Faktenprüfer haben Trump längst als König der Lügner überführt.

: Siegerin im Wahrheitswetbewerb

US-Wahlkampf   : Homo-Ehe, Todesstrafe, Waffenrecht - was Clinton und Trump dazu sagen

Und wie sieht es mit Hillary Clinton aus? Die Trump wegen ihrer E-Mail Affäre nur noch "crooked Hillary", betrügerische Hillary, nennt? Sie schlägt sich deutlich besser als ihr Mitbewerber. Von ihren 120 untersuchten Aussagen während des Wahlkampfes waren nur vier faktisch falsch. Derart gestärkt, konnte sie sich einen Seitenhieb in Richtung Trump nicht verkneifen und ließ mitteilen, dass sie einen Faktencheck für eine gute Idee halte. Schließlich sei es wichtig, dass der Moderator der Debatte das Publikum darüber informiere, was wahr ist und was nicht.

Trump setzt alle Gesetze außer Kraft

Ob ihr das im Kampf gegen Donald Trump allerdings helfen wird, kann und will derzeit niemand zuverlässig sagen. Mit seinem Gepolter, seinen Attacken  und Beleidigungen, hat Trump alle bislang geltenden Regeln im US-Wahlkampf außer Kraft gesetzt. Und war dennoch erfolgreich. Selbst vor offensichtlichsten scheut er nicht zurück. Über den Debatten-Moderator Lester Holt sagte er, der sei ja ein Demokrat und daher komplett ungeeignet für den Duell-Job. Doch Lester Holt ist seit vielen Jahren registrierter Republikaner.

Kurz vor der ersten Debatte ging der Nonkonformist Trump erneut ungewöhnlich Wege. Anders als seine Kontrahentin, so sagt er, übe er nicht für seinen Auftritt. Stattdessen ließ er an seine Anhänger eine Umfrage mit 30 Fragen verschicken, mit welchen Themen er sich im Vorfeld beschäftigen solle. In diesem Schreiben befindet sich auch eine Frage, die erstaunlich ist und tief blicken lässt: Sie lautet: In welchen Ausmaß solle er am Duell-Montag lügen? (Anm. d. Red: Mittlerweile ist besagte Frage dort nicht mehr zu lesen. Sie wurde ersetzt.)