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Hillary Clinton vs. Donald Trump 14 Dinge, die Sie über das erste TV-Duell wissen müssen

Donald Trump Hillary Clinton TV-Duell
Wenn American Football auf Donald Trump und Hillary Clinton trifft: Fans der Kansas City Chiefs zeigen ihre Favoriten für die Präsidentschaftswahl
© Jamie Squire/Getty Images/AFP
Seit Wochen laufen die Vorbereitungen für das erste TV-Duell von Hillary Clinton und Donald Trump auf Hochtouren. Gespannt wartet die USA auf die Debatte - bei der für beide Kandidaten gilt: Es gibt wenig zu gewinnen, aber alles zu verlieren.

In acht Wochen wird ein neuer US-Präsident gewählt, beide Kandidaten sind in den Umfragen so gut wie gleichauf, deshalb fiebern die USA dem ersten von drei TV-Duellen entgegen. Der frühere Fernsehmoderator Dick Cavett verglich die langersehnte Debatte mit einem Spitzen-Boxkampf: "Es ist, als würde Muhammad Ali gegen Joe Frazier antreten. Es gibt möglicherweise Drama und Feuerwerk und Beleidigungen und Entsetzen und Katastrophen und vielleicht Erhellung. Das zieht doch einfach jeden an."

Was Sie über das TV-Duell Hillary Clinton vs. Donald Trump wissen sollten:

  • Die Ausgangslage: Hillary Clinton ist unter Druck. Führte sie in den Umfragen vor ein paar Wochen noch deutlich, liegt sie nun mit Donald Trump gleichauf. Der Kandidat der Republikaner kann tun und lassen was er will (offenkundig lügen, seine Meinungen ständig ändern, Gegner beleidigen), doch seiner Beliebtheit tut dies kaum einen Abbruch. Als erstes großes Leitmedium sprang nun die "New York Times" der Demokratin Clinton bei und schrieb über ihren Kontrahenten, er sei der schlechteste Kandidat der jüngeren Geschichte. Das Problem dabei: Trumps Anhänger lesen die "New York Times" ohnehin nicht und die Leser der "New York Times" würden nie Trump wählen. Im Visier der Kontrahenten sind deshalb die noch unentschlossenen Wähler, die das Zünglein an der Waage sein werden.
  • Wann und wo? Um 21 Uhr Ostküstenzeit (3 Uhr deutscher Zeit) treten Hillary Clinton (Demokraten) und Donald Trump (Republikaner) für 90 Minuten gegeneinander an. Austragungsort ist die Hofstra-Universität in Hempstead (New York). Alle großen Sender des Landes von CBS, ABC bis Fox übertragen das Duell. In Deutschland ist es unter anderem auf Phoenix, n-tv und CNN zu sehen.
  • Sie nennen ihn "Eiserner Hosenboden" – Duell-Moderator Lester Holt, 57, ist ein alter Hase, sowohl als Moderator als auch als Kriegsreporter. Er gilt als unbeirrbar, charmant und detailfreudig. Die Ironie an seiner Besetzung: Von Donald Trump wurde er als Demokrat geschmäht, also als gegen ihn voreingenommen. Doch Holt ist Republikaner.
  • Als "Spezialgäste" haben beide Kandidaten jeweils einen Gegner des Gegners eingeladen. Für Hillary Clinton wird Mark Cuban (unter anderem Besitzer von Dirk Nowitzkis Basketball-Klub Dallas Mavericks) im Publikum sitzen. Der Milliardär ist großer Kritiker des wahlkämpfenden Milliardärs. Trump reagierte auf die Personalie mit den Worten: "Wenn der dämliche Mark Cuban in der ersten Reihe sitzen will, werde ich vielleicht Gennifer Flowers direkt neben ihn setzen!" Die 66-Jährige hatte in den 80er-Jahren ein Verhältnis mit Clintons Ehemann Bill und sagte spontan zu. "Hi Donald, Du weißt, ich stehe auf deiner Seite und werde definitiv bei der Debatte dabei sein", schrieb sie auf Twitter.
  • Bill Clintons Seitensprünge, die den früheren Ex-Präsidenten fast das Amt gekostet hätten, sollen im Duell mit seiner Ehefrau aber kein Thema werden, kündigte Trump an. Wichtigste Themen sollen stattdessen die wirtschaftliche Lage und der Kampf gegen den Terrorismus sowie Amerikas Zukunft werden. Moderator Holt wird die Themenblöcke mit einer Frage beginnen, über die Clinton und Trump dann zehn Minuten diskutieren werden.
  • Die Vorbereitung: Hillary Clinton hat zwar bereits Dutzende von Rededuellen hinter sich, doch dieses wird das wichtigste werden. Deshalb übt sie bereits seit Wochen mit ihrem Team, trainiert Probedebatten. Donald Trump dagegen verzichtet weitgehend darauf und verlässt sich auf seine zweifellos vorhandenen Entertainment-Fähigkeiten und seine Spontaneität. Noch am Tag vor der Debatte witzelte er über seine Kontrahentin. Auf einer Wahlkampfrede in Virginia sagte er: "Wo ist eigentlich Hillary? Vermutlich übt sie die ganze Zeit. Oder schläft."160713_Trump_stern_V02 8.46
  • Die große Unbekannte: Das Clinton-Lager überlässt zwar nichts dem Zufall, doch völlig unklar ist, welcher Donald Trump am Abend auf der Bühne stehen wird. Zuletzt gab sich der Polterer etwas moderater, manchmal sogar präsidial. Doch Trump ist leicht aus der Fassung zu bringen, offen ist, ob er dann mit seinen bauchgesteuerten Äußerungen brilliert oder sich blamiert.
  • Was Hillary Clinton nicht gut kann. Die Ex-First-Lady und Ex-Außenministerin steht seit vielen, vielen Jahren im politischen Rampenlicht, konnte aber nie das Image einer kühlen Technokratin abschütteln, die zudem sehr flexibel mit der Wahrheit umgeht. Sie muss versuchen, Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen und Wärme auszustrahlen.
  • Was Donald Trump nicht so gut kann. Der Immobilienhai ist aufbrausend, nimmt es mit Fakten nicht so genau und wirkt durch und durch unpräsidial. Zudem hat er noch nie bewiesen, dass er in der direkten Auseinandersetzung punkten und überzeugen kann.
  • Clinton gewinnt, wenn sie das Kunststück fertig bringt, sowohl mit Kenntnissen und Erfahrung zu überzeugen, gleichzeitig aber auch sympathisch und locker rüberzukommen.
  • Für Donald Trump dagegen ist es das erste Eins-zu-Eins-Duell und die Amerikaner erwarten eigentlich nicht viel von ihm, außer vielleicht, sich nicht völlig in Rage zu verlieren. Die meisten Experten sind deshalb überzeugt, dass Clinton am meisten zu verlieren habe.
  • Wie geht es nach dem Duell weiter? Die 90 Minuten Schlagabtausch sind nur ein Teil des Gesamtwerks "TV-Debatte". Genauso wichtig wie die Diskussion selbst, ist die Art und Weise, wie die jeweiligen Auftritte von Medien und Zuschauern wahrgenommen wurden. Heerscharen von "Spin-Doktoren" sind vor, während und nach der Sendung damit beschäftigt, alle Aspekte - die guten wie die schlechten – einzuordnen und entsprechend zu verkaufen. Es ist keine Seltenheit, dass ein Kandidat als Sieger aus der Debatte hervorgeht, obwohl er die schlechtere Performance hingelegt hat.
  • Als Gewinner stehen jetzt schon fest: die TV-Sender. Sie rechnen mit mehr als 100 Millionen Zuschauern. Damit würde das Duell in einer Liga mit Großereignissen wie dem Superbowl, dem Endspiel im American Football, spielen. Etwas unspektakulärer dagegen dürfte die ebenfalls live übertragene Debatte zwischen den Vizekandidaten Tim Kaine (Demokrat) und Mike Pence (Republikaner) in der Nacht zum 5. Oktober ablaufen. Clinton und Trump treffen nach diesem Dienstag noch zwei Mal aufeinander. Am 9. und am 19. Oktober.
nik

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