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Präsidentschaftskandidat McMullin Der Mormone, der Donald Trump den Sieg kosten könnte

Evan McMullin hat Chancen, Donald Trump dringend benötigte Wahlmänner abzuluchsen
Präsidentschaftskandidat Evan McMullin: CIA-Agent, Banker, Missionar. Er könnte Donald Trump dringend benötigte Wahlmänner abluchsen
© George Frey/Getty Images/AFP
Jetzt wird es spekulativ: Im konservativen Utah hat der Präsidentschaftskandidat Evan McMullin Chancen, Donald Trump dringend benötigte Wahlmänner abzuluchsen. Im extremsten Fall könnte der Mormone sogar US-Präsident werden.

Es ist durchaus möglich, dass diese schon jetzt irrwitzige US-Wahl noch einen weiteren, irrwitzigeren Höhepunkt bereithält. Nämlich den Fall, dass am Ende weder Hillary Clinton noch Donald Trump die zur Präsidentschaft nötigte Zahl von Wahlmännern erreicht haben werden. Das ist zwar nicht sehr wahrscheinlich, aber auch nicht unmöglich. Und sollte das passieren, könnte ein bislang unbekannter Mormone plötzlich der lachende Dritte im Rennen ums Weiße Haus sein. Evan McMullin heißt der Mann und er könnte US-Präsident werden.

Evan McMullin will Donald Trump verhindern

Ermöglicht wird dieses Szenario durch das amerikanische Wahlsystem, in dem das Staatsoberhaupt nicht direkt von den Bürgern gewählt wird, sondern über den Umweg von Wahlmännern. Die werden von den Bundesstaaten entsendet, und ihre Anzahl richtet sich im Wesentlichen nach der Einwohnerzahl der einzelnen Staaten. Ziel der US-Präsidentschaftskandidaten ist es deshalb, in jedem Bundesstaat die Mehrheit zu erringen und dadurch sämtliche Wahlmännerstimmen zu bekommen. Staatsoberhaupt wird am Ende, wer mehr als die Hälfte der insgesamt 538 Wahlmänner auf seiner Seite hat, also 270. Und hier kommt wieder Evan McMullin aus Utah ins Spiel.

In dem Mormomenstaat war der gerade einmal 40 Jahre alte Kandidat im August ins Rennen ums Weiße Haus eingestiegen - mit dem ausdrücklichen Ziel, Donald Trump als US-Präsidenten zu verhindern. "Die Amerikaner haben das Vertrauen in die Kandidaten verloren und sie verdienen etwas Besseres als die beiden", sagte McMullin damals. Vor allem der Immobilienmilliardär ist ihm ein Dorn im Auge. Dieser sei kein "aufrechter Konservativer" und mithin eine Schande für die Republikanische Partei, so McMullin, dessen Tweets häufig mit dem Hashtag "NeverTrump" enden.

Auslandsagent und Missionar

Für einen Präsidentschaftskandidaten hat McMullin eine eher ungewöhnliche Biografie: Nach der Schule war er als Missionar in Brasilien aktiv und heuerte anschließend beim CIA an, für den er elf Jahre lang unter anderem in Syrien und im Irak arbeitete. Den US-amerikanischen Anti-Terror-Kampf kennt er also aus erster Hand. Nach Ende seiner Auslandseinsätze schloss er sein Betriebswirtschaftsstudium ab und ging als Investmentbanker zu Goldman Sachs. Danach wechselte er als außenpolitischer Berater zur Republikanischen Partei, für die er im Repräsentantenhaus zuletzt für Strategie und Organisation zuständig war. Und nun also Präsidentschaftskandidat.

Utah, die Heimat McMullins, ist traditionell konservativ, was auch daran liegt, dass zwei Drittel der Bewohner Mormonen sind. Eigentlich haben hier die Republikaner leichtes Spiel, auch jetzt, wenige Tage vor der Wahl, liegt die konservative Partei in den Umfragen vorne. Allerdings nur knapp, denn nicht nur die Kandidatur des Spitzenkandidaten Trump hat viele Wähler verschreckt, seine Eskapaden im Laufe des Wahlkampfs machen ihn für viele Menschen unwählbar. In diese Lücke verärgerter Republikaner stößt Evan McMullin. Nicht nur in Utah, aber hier hat er die besten Chancen zu gewinnen. Rund ein Drittel der Bewohner tendiert zurzeit in Richtung Trump, rund 25 Prozent Richtung McMullin. Und je besser der Geschäftsmann in den nationalen Umfragen liegt, desto mehr Utahaner könnten am Wahltag der Verlockung erlegen, ihm mit einem Votum für McMullin eins auszuwischen.

Kostet der Mormone Trump den Sieg?

Und sollte es passieren, dass der unabhängige Kandidat McMullin gewinnt, dann würden Donald Trump am Ende die acht Wahlmänner des Bundesstaats fehlen. Ein Sieg des widerborstigen Mormonen könnte Donald Trump sogar die Präsidentschaftswahl kosten. Und auch ein weiterer Extremfall ist denkbar: Verfügt nach dem 8. November weder Clinton noch Trump über die nötige Mehrheit von 270 Wahlmännern, dann müsste das Repräsentantenhaus (vergleichbar mit dem deutschen Bundestag) über den Präsidenten abstimmen. Zur Wahl stünde dann auch McMullin und es ist nicht auszuschließen, dass die republikanische Mehrheit ihren ungeliebten Kandidaten Trump eine Abfuhr erteilt. Wie gesagt, das ist ein äußerst unwahrscheinliches Szenario, aber was wurde vor diesem Wahlkampf nicht schon alles als unwahrscheinlich bezeichnet.

  


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