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US-Wahlen: Donald Trump - Sechs Gründe, warum er nächster Präsident werden könnte

Die Präsidentschaftskandidatur kann Donald Trump keiner mehr nehmen, es läuft auf das Duell mit Hillary Clinton heraus. Sechs Gründe, warum der Unternehmer gute Chancen hat, ins Weiße Haus einzuziehen.

Von Niels Kruse

Donald Trump lächelnd in Indiana

Vor einem Jahr wurde Donald Trump noch verlacht, jetzt ist er, der sich amüsiert

Wer im Sommer vergangenen Jahres auf Leicester City als kommenden englischen Fußball-Meister gewettet hatte (und solche Menschen gab es tatsächlich), wurde im besten Fall milde belächtet. Wer im Sommer vergangenen Jahres darauf gewettet hätte, dass Donald Trump Präsidentschaftskandidat der US-Republikaner werden könnte, wäre lauthals ausgelacht worden. Nun ist Leicester Meister und Trump wird die Kandidatur nach dem Rückzug seines letzten Konkurrenten, John Kasich, nicht zu nehmen sein. Beides ist also eingetreten und alte Gewissheiten (Geld schießt Tore, Amerikaner sind vernünftig) scheinen völlig zu zerbröseln. Und deshalb werden die Quoten für einen Sieg Donald Trumps bei den Präsidentschaftswahlen nach seinem jüngstem Vorwahltriumph in Indiana ab sofort wohl kräftig sinken.

Was vor Kurzem und je nach Sichtweise noch als unheimliche oder hoffnungsvolle Utopie wirkte - es könnte am 8. November 2016 tatsächlich wahr werden: Donald Trump, 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Sicher, in den Umfragen liegt der großmäulige Immobilienunternehmer hinter Hillary Clinton, die wohl für die Demokraten in den Wahlkampf ziehen wird. Aber ihr Vorsprung schmilzt. Zudem verliert die Ex-Außenministerin in letzter Zeit Vorwahl um Vorwahl, während Trump von Sieg zu Sieg eilt. Und Amerikaner mögen nun einmal Sieger lieber als Verlierer.


Und es gibt weitere Gründe, die für einen Sieg von Donald Trump sprechen:

  •  Zu Beginn des Nominierungswahlkampfs hieß es stets: Donald Trump würde sich selbst unmöglich und damit unwählbar machen. Jetzt, vor Beginn des Präsidentschaftswahlkampfes, heißt es erneut: Donald Trump wird sich unmöglich und damit unwählbar machen. Bereits die erste Annahme war ein Irrtum, wie der Politikberater Van Jones bemerkt. Und nun würden die Leute, vor allem die Demokraten, den gleichen Fehler wiederholen.
  • Seine umstrittenen und oft politisch unkorrekten Äußerungen (etwa: Frauen sollten für eine Abtreibung bestraft werden, Muslime müssen ausgewiesen werden) würden ihn als Staatsmann diskreditieren. Dachte man. Doch das Gegenteil ist der Fall. Weil die Menschen, längst nicht mehr nur mittelalte Männer mit prekären Jobs, ihn genau wegen solcher Äußerungen schätzen. Und wegen seiner Ferne zum Politbetrieb der Hauptstadt. In anderen Worten: seiner Unabhängigkeit.
  • Jede neue Medientechnik kürt denjenigen Kandidaten zum Sieger, der sie am besten beherrscht: Franklin D. Roosevelt war der "Radio-Präsident", John F. Kennedy "Fernseh-Präsident", Barack Obama "Internet-Präsident" und der Meister der Sozialen Medien heißt: Donald Trump, so Van Jones.
  • Lange sah es so aus, als wäre Hillary Clinton bei den Demokraten als natürliche Kandidatin gesetzt. Zwar führt sie deutlich vor ihrem parteiinternen Widersacher Bernie Sanders, doch der "demokratische Sozialist" hat es geschafft, seiner Partei merkliche Risse zu verpassen und die enttäuschten Linken hinter sich zu versammeln. Und die sind in ihrer Entrüstung über das Establishment in Washington manchmal einem Donald Trump näher als einer Hillary Clinton, warnt etwa Bob Casey, ein Senator der Demokraten aus Pennsylvania.
  • Sollte Donald Trump auf dem Nominierungsparteitag der Republikaner trotz seines großen Vorsprungs mithilfe einer offenen Kampfabstimmung als Präsidentschaftskandidat abgesägt werden, könnte dies die Unentschlossenen erst Recht auf seine Seite treiben. Motto: Jetzt zeigen wir es der elitären Führung.
  • Und dann ist da noch der US-Wissenschaftler Helmut Norpoth, dessen Berechnungen bei sämtlichen Präsidentschaftswahlen seit 1912 zum richtigen Wahlergebnis führen, mit Ausnahme von 1960, als John F. Kennedy gewann. Norpoths Prognose für den November 2016: Donald Trump zieht ins Weiße Haus ein - zu 97 Prozent.