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US-Präsident bricht Gespräche ab: Wie es Oppositionschefin Pelosi immer wieder schafft, dass Donald Trump ausflippt

Donald Trump hat erneut ein Treffen mit den Demokraten platzen lassen. Sichtlich angefressen attackierte der US-Präsident danach die Opposition im Rosengarten des Weißen Hauses. Ein Grund für seine Wut: Nancy Pelosi.

Donald Trump, Präsident der USA und die Demokratin Nancy Pelosi, Vorsitzende des Abgeordnetenhauses

Donald Trump, Präsident der USA, wendet sich Anfang Februar während seiner Rede zur Lage der Nation vor dem Kongress im Kapitol an die Demokratin Nancy Pelosi, Vorsitzende des Abgeordnetenhauses

DPA

Donald Trump und Nancy Pelosi sind wie Schießpulver und Feuer: Wenn der US-Präsident der demokratischen Vorsitzenden des Repräsentantenhauses zu nahe kommt, explodiert er. Zum dritten Mal innerhalb von nicht einmal sechs Monaten endete am Mittwoch ein Termin von Trump mit Pelosi und dem Fraktionschef der Demokraten im Senat, Chuck Schumer, mit einem Eklat. Trump soll Pelosi vorgeworfen haben, sie sage "furchtbare, furchtbare Dinge" und verhalte sich "respektlos" und nach nur wenigen Minuten aus dem Kabinettraum gestürmt sein. Anschließend wetterte er in einem kurzfristig angesetzten Auftritt im Rosengarten des Weißen Hauses gegen die Opposition. Deren Nachforschungen zur Russland-Affäre seien der Grund, warum er das Gespräch, in dem es um die Modernisierung der Infrastruktur gehen sollte, habe platzen lassen.

Nancy Pelosi warf Donald Trump "Vertuschung" vor

Konkreter Auslöser von Trumps Ausraster war nach dessen Angaben eine Äußerung von Pelosi kurz vor ihrer Begegnung im Weißen Haus. Die Demokratin hatte dem Präsidenten eine "Vertuschung" der Hintergründe der Russland-Affäre vorgeworfen. "Ich mache keine Vertuschungen", wehrte sich Trump im Rosengarten und bezeichnete die Untersuchungen der russischen Einmischung in den Wahlkampf von 2016 zum wiederholten Mal als "Schwindel" und "Hexenjagd". "Das Ganze war ein Umsturzversuch gegen den Präsidenten der Vereinigten Staaten", behauptete er.

Trumps impulsives Verhalten ist für Pelosi eine Steilvorlage: "Es war genau die Art von Explosion, die es den Demokraten erlaubt, den Präsidenten als unzuverlässig und tobend darzustellen und als jemanden, mit dem es unmöglich sei zu verhandeln", kommentiert die US-Nachrichtenseite "Politico" den Vorfall. Selbst unter Trumps Parteigenossen herrscht Besorgnis: "Es ist eine Katastrophe", zitiert "Politico" einen hochrangigen Republikaner, der anonym bleiben wollte. "Es spielt ihr direkt in die Hände."

Nancy Pelosi scheint mit ihrem Applaus, Trump bei seiner Rede zur Lage der Nation zu verspotten

Im vergangenen Dezember war Trump im Streit um den Bau einer Mauer zu Mexiko vor laufenden Fernsehkameras mit Schumer und Pelosi aneinandergeraten. Im Januar, während der Gespräche über die Beendigung des Regierungsstillstands, hatte Trump mit der Hand auf den Tisch gehauen und war aus dem Raum gestürmt, weil Pelosi sich weigerte, bei der Finanzierung der Mauer nachzugeben.

"Jedes Mal, wenn sie einen Nerv trifft, scheint er auszuflippen", sagte die demokratische Abgeordnete Debbie Wasserman Schultz "Politico". Trump merke wohl, dass es für ihn immer enger werde. "Sie ist schlauer als er, und sie ist härter als er, und ich denke, das ärgert ihn", zitiert die US-Nachrichtenseite den demokratischen Abgeordneten und Pelosi-Verbündeten Dan Kildee. "Es ist schwer, in seinen Kopf zu gucken und herauszufinden, was ihn antreibt, außer einem übergroßen Ego und einem unterentwickelten Sinn für Ethik."

Trump scheint sogar eine Art widerwilligen Respekt vor Pelosi zu haben, der ersten Frau, die den Posten als Sprecherin des Repräsentantenhauses innehat. Während er seine Gegner für gewöhnlich gern mit herablassenden Spitznamen diffamiert, hat er für die 79-Jährige bislang keine solche Bezeichnung verwendet.

"Ich bete für den Präsidenten"

Pelosi und Schumer traten nach dem Eklat im Weißen Haus ebenfalls vor die Presse - und nahmen Trumps Steilvorlage dankbar an: "Aus irgendeinem Grund - vielleicht war es ein Mangel an Selbstvertrauen seinerseits, dass er der Größe der Herausforderung, die vor uns liegt, nicht gewachsen ist, hatte er keinen wirklichen Respekt vor einer Zusammenarbeit zwischen dem Kongress und dem Weißen Haus und hat einfach darauf verzichtet", kommentierte Pelosi den Gesprächsabbruch des Präsidenten und fügte mit besorgter Miene hinzu: "Ich bete für den Präsidenten der Vereinigten Staaten und ich bete für die Vereinigten Staaten."

Weniger subtil äußerte sich Schumer. Der Fraktionschef der Demokraten im Senat warf Trump vor, seinen Abgang nur inszeniert zu haben, weil er keinen Plan zur Finanzierung der Infrastrukturmaßnahmen habe vorlegen können. Die Russland-Untersuchungen, die der Präsident als Abbruchgrund nannte, habe es schließlich schon beim vorherigen Treffen Ende April gegeben.

"Es ist klar, dass das keine spontane Aktion des Präsidenten war", sagte Schumer den Journalisten. Sie sei geplant gewesen. Als die Demokraten den Besprechungsraum betreten hätten, seien die Vorhänge zugezogen gewesen. Es sei ein Platz für den Präsidenten vorbereitet gewesen, wo er stehen und seine Gesprächsabsage verkünden konnte. "Wenn Sie gesehen hätten, was sich im Weißen Haus abgespielt hat, wäre Ihnen die Kinnlade heruntergefallen."

Quellen: "Politico"Youtube, Reuters