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Nachwahl in Pennsylvania: Trump erklärt Sieg der Demokraten zu seinem Erfolg

Es ist halt eine Sache der Perspektive: In Pennsylvania siegt knapp aber überraschend ein oppositioneller Demokrat. Und das nach Ansicht von Donald Trump nur, weil er ihn kopiert und "nette Dinge" über ihn gesagt habe.

Im Präsidentschaftswahlkampf sagte Donald Trump einmal den fast legendären Satz, er, seine Regierung und ihre Anhänger würden "so viel gewinnen, dass sie des Siegens irgendwann müde werden würden". Diese These hat sich bislang nicht ganz bestätigt, jedenfalls nicht bei einigen Nachwahlen, die notwendig geworden waren. Trumps Leute haben so gut wie alle verloren. Nun etwa auch in Pennsylvania, wo ein republikanischer Kandidat in einer konservativen Hochburg sein Mandat an seinen demokratischen Konkurrenten verloren hat.

"Er hat nette Dinge über mich gesagt"

Was man als Ohrfeige für die Politik des US-Präsidenten halten könnte, war nach Ansicht Trumps keine. Im Gegenteil, eigentlich war es sein Erfolg. Die erstaunliche Erklärung lieferte der Präsident bei einer Wahlspendenveranstaltung in Missouri: "Dieser junge Mann, der da angetreten ist, der sagte 'Oh, ich bin wie Trump. Zweiter Verfassungszusatz (Recht auf Waffen, d.Red), alles. Ich liebe die Steuersenkungen, alles.' Darauf basierte doch sein Wahlkampf, er basierte darauf, dass er sehr nette Dinge über mich gesagt hat", so Trump vor dem anwesenden Publikum. Seine Äußerungen liegen diversen US-Medien als Tonbandaufnahme vor.

Tatsächlich gilt der gewählte Kandidat Conor Lamb als konservativer Demokrat. Zudem war seine Wahl äußerst knapp. Nach Auszählung der 228.000 abgegebenen Stimmen lag er gerade einmal 627 Stimmen vor dem Republikaner Rick Saccone. Lambs Sieg ist aber auch deshalb so überraschend, weil die Republikaner den Bezirk bei der Präsidentschaftswahl 2016 noch mit einem Vorsprung von 20 Prozentpunkten vor den Demokraten gewonnen hatten. Die Nachwahl für einen Sitz im US-Repräsentantenhaus war nötig geworden, weil der bisherige Mandatsträger wegen unappetitlicher Affären-Details zurückgetreten war.

Strafzölle als Wahlkampfhilfe?

Um den schmerzhaften Niedergang der US-Stahlindustrie im "Rust Belt" zumindest abzubremsen, hatte Donald Trump jüngst Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte erhoben. Einige Beobachter in Washington mutmaßten sogar, dass der Präsident den Zeitpunkt absichtlich auf die Nachwahl gelegt hat. Genützt hat es aber nichts. Die Demokraten jedenfalls erhoffen sich durch das Ergebnis eine Fortsetzung der "Anti-Trump-Welle" für die im November anstehende Mid-Term-Wahl. Dabei werden große Teile des Kongresses neu gewählt.

Auch bei vorherigen Nachwahlen etwa in South Carolina, Georgia, Kansas, Virginia und Alabama konnten Demokraten den regierenden Konservativen Sitze abjagen. Trump hatte seine Kandidaten stets lautstark unterstützt, nach ihren Niederlagen aber jede Mitverantwortung abgestritten. Die Schlappe für Saccone kommentierte er bislang nicht offiziell. Zuletzt hatte sich der Präsident noch gebrüstet, den Vorsprung des Kandidaten ausgebaut zu haben. Gleichzeitig aber spielte er auch immer die Bedeutung der Abstimmung herunter. Der Gewinner Conor Lamb wird nur fünf Monate bis zur Mid-Term-Wahl im US-Abgeordnetenhaus sitzen. "Das war hier ganz schön viel Arbeit für nur fünf Monate", so Trump in Missouri.


nik