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US-Wahl 2020 Trump gegen Biden im TV-Duell: Das eskalierte schnell

TV-Duell verpasst? Im Video sehen Sie die wichtigsten Szenen aus dem ersten TV-Duell zwischen Trump und Biden.


Fünf Wochen vor der Präsidentenwahl in den USA haben sich Amtsinhaber Donald Trump und sein Herausforderer Joe Biden erstmals einen direkten Schlagabtausch als Kandidaten geliefert. Wie vorgesehen, wurde angesichts der Corona-Pandemie auf einen Handschlag zum Auftakt des Duells in der Nacht zum Mittwoch verzichtet. Die in ihrem Verlauf häufig hitzig geführte Debatte war auf 90 Minuten angesetzt. Sie wurde von einem Millionenpublikum an den Fernsehschirmen und in den Online-Medien verfolgt. Die ersten Fragen drehten sich um die Besetzung des vakanten Richterpostens am Obersten Gerichtshof. Trump warb für die von ihm nominierte konservative Richterin Amy Coney Barrett. Die Republikaner säßen im Weißen Haus und "hätten den Senat". Daher hätten sie "das Recht, sie auszuwählen". Biden fordert, mit der Besetzung bis nach der Wahl zu warten. BIDEN: "Das amerikanische Volk hat ein Wörtchen mitzureden, wer Kandidat für den Gerichtshof wird, oder Senator oder Präsidenten der Vereinigten Staaten. Diese Chance wird es jetzt nicht bekommen, weil wir uns bereits mitten in einer Wahl befinden. Die Wahl hat bereits begonnen. Zehntausende von Menschen haben bereits gewählt." Dann wechselte das Thema auf die Corona-Pandemie. Biden warf Trump vor, "keinen Plan" zu haben. Der Demokrat rief den Präsidenten dazu auf, aus seinem "Bunker" und von seinem Golfkurs zu kommen und Leben zu retten. Trump entgegnete, China sei Schuld an dem Virus. Wenn man auf Biden gehört hätte, wären die USA "weit offen gewesen". Er aber habe das Land "geschlossen" und einen "großartigen Job" beim Umgang mit der Pandemie gemacht. Biden warf Trump vor, vollkommen unverantwortlich gewesen zu sein, zu lügen und im Angesicht der Pandemie in "Panik geraten" zu sein. Wiederholt fiel Trump Biden ins Wort und nannte ihn unter anderem "eine Katastrophe". Fox-News Moderator Chris Wallace hatte bisweilen große Mühe, die Kontrahenten aufzufordern, einander ausreden zu lassen. CHRIS WALLACE: "Ich denke, dem Land wäre besser gedient, wenn Sie beide mit weniger Unterbrechungen sprechen könnten. Ich appelliere an Sie." TRUMP: "Er dann aber auch." CHRIS WALLACE: "Ehrlich gesagt, nein Sir, weniger als Sie." Beim Thema Wirtschaft halten sich beide Kandidaten gegenseitig vor, der Konjunktur mehr geschadet als genutzt zu haben. BIDEN: "Die Menschen da draußen brauchen Hilfe. TRUMP: "Aber warum habt ihr Demokraten in den letzten 25 Jahren nichts gemacht?" BIDEN: "Weil Sie nicht Präsident waren, und alles vermasselt haben. Sie sind der schlechteste Präsident, den Amerika je hatte." TRUMP: "Joe, ich habe in 47 Monaten mehr getan, als Sie in 47 Jahren. Wir haben Dinge umgesetzt, an die ihr nie auch nur gedacht hättet, einschließlich der Reparatur des kaputten Militärs. CHRIS WALLACE: "Mr. President, wir reden hier über die Wirtschaft." Beim Thema Rassismus beschuldigt Biden Trump, nichts für die afroamerikanische Bevölkerung getan zu haben. Trump entgegnet, Biden habe Afroamerikaner schlecht behandelt. Außerdem wirft er ihm vor, nichts gegen die Unruhen während der Proteste gegen Rassismus und Polizeibrutalität getan zu haben. Für beide Kandidaten stand viel auf dem Spiel. Trump lag bis zuletzt in landesweiten Umfragen hinter Biden. Der ehemalige Vizepräsident wiederum musste die Gelegenheit nutzen, um einem breiten Publikum zu zeigen, dass er anders als von Trump behauptet trotz seines Alters geistig und körperlich in der Lage ist, die Geschicke des Landes in den kommenden Jahren zu lenken.
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Wer Donald Trump bucht, kriegt Action. So war es auch beim ersten TV-Duell mit dem Herausforderer Joe Biden. Aber der US-Präsident war nicht der einzige Unruheherd in der Debattenrunde. 

Der erste Verlierer der ersten Präsidentschaftsdebatte war weder Donald Trump noch sein Herausforderer Joe Biden. Es war ausgerechnet Moderator Chris Wallace, der eigentlich angekündigt hatte, sich zurückhalten zu wollen. Doch nach gerade einmal zwei Fragen musste der Fox-News-Mann laut werden und reingrätschen, der US-Präsident war bereits zu rauflustig. Es war nicht das letzte Mal an diesem Abend, über den wohl noch länger gesprochen werden wird.

Mit leichter Verspätung betraten die beiden Kontrahenten um 21 Uhr Ortszeit die Bühne in der Case Western Reserve Universität in Cleveland, Ohio. In dem Bundesstaat führt der Demokrat Biden knapp vor dem Amtsinhaber, Live-Publikum aber gab es wegen des Coronavirus nur wenig. Die Kameras zeigten die in der ersten Reihe mit Sicherheitsabstand sitzende Familie Trumps: seine Töchter Ivanka und Tiffany, Sohn Eric. Wie angekündigt, verzichteten die Kandidaten auf einen Handschlag und Wallace ging sofort zur Sache. Erstes Thema: die in den USA äußerst wichtige Besetzung des Supreme Courts – doch bei dieser Personalie blieb es nicht lange.

Präsident Aggro vs. Herausforderer Fragil

Schon nach wenigen Minuten war das Drehbuch für die folgenden anderthalb Stunden gesetzt: Auf der linken Seite polterte ein aggressiver US-Präsident vor sich hin, sichtlich und hörbar bemüht, seine Amtszeit zu verteidigen, auf der rechten Seite ein fragil wirkender Herausforderer, sichtlich und hörbar bemüht, die Angriffe des Amtsinhabers an sich abperlen zu lassen. Und in der Mitte vor den beiden platziert: Chris Wallace, dem sein Job als Löwenbändiger mehr als nur einmal entglitt. "Chaotisch" nannte CNN das TV-Duell. "Beschämend" sagte ZDF-Mann Elmar Theveßen dazu.

Dabei waren die Rollen eigentlich schon vorher klar: Donald Trump würde das machen, was Donald Trump eben macht: laut sein und großspurig, unzusammenhängende Dinge sagen, dem anderen ins Wort fallen und Behauptungen aufstellen, die vielleicht nicht immer gelogen sind, aber mindestens übertrieben. So pries er mehrfach seine Arbeit als Präsident, die seiner Ansicht nach in jeder Hinsicht "großartig" war – wie beim Kampf gegen das Corona-Virus, das er "China-Pest" nannte. Um im selben Atemzug, auch das ist typisch Trump, in Selbstmitleid zu verfallen: "Sie kriegen die gute Presse, und ich kriege die schlechte Presse", sagte er in Richtung Biden.

Donald Trump nimmt Joe Biden in den Schwitzkasten

Der Angesprochene hatte vor dem Duell gesagt, dass er fürchte, vom Präsidenten in den Schwitzkasten genommen zu werden – und das wurde er auch. Im Grunde war der ganze Abend ein einziger Nahkampf und der Ex-Vizepräsident war nicht nur genervt von den ständigen Unterbrechungen, er hatte auch Mühe, bei der Sache zu bleiben. Immer wieder schloss er die Augen, wenn Trump dazwischen redete. Was vermutlich seiner Konzentration dienen sollte, könnte auch als wehrlose Augen-zu-und-über-sich-ergehen-lassen-Geste verstanden werden. Stark aber war der 77-Jährige immer dann, wenn er seinen Blick in die Kamera richtete, und seine Botschaften direkt an die Zuschauer richtete.

Denn auch wenn er oft in die Defensive gedrängt wurde und ab und an ins Stottern geriet, war er es, der so etwas wie Pläne und politische Ideen präsentierte. Für die Umwelt- und Klimapolitik stellt er sich etwa einen großflächigen Umbau zur einer nachhaltigen Energieerzeugung vor. Um Rassismus bei der Polizei zu bekämpfen, ein Thema bei dem Donald Trump um den heißen Brei herumredete, will er eine Art runden Tisch bilden. Ob der Ansatz das Zeug zur Lösung des Problems hat, hat wurde nicht weiter diskutiert. Aber allein die Idee zeigte den Unterschied zwischen dem Amtsinhaber und seinem Herausforderer: Während der Demokrat – ganz alte Schule – Vermittlung anbietet, gibt der Präsident den Systemsprenger. Ganz so als sei er nicht seit vier Jahren das personifizierte Establishment.

Wallace muss ein Machtwort sprechen

Anstelle seiner "knallroten Powerkrawatte" (Hillary Clinton) trug Donald Trump ein dezent rot-blaues Exemplar, doch das war es auch an Zurückhaltung. "Ich bin nicht überrascht, wie das hier abläuft", grummelte er zu Beginn, als er vom Moderator Wallace erstmals zurechtgewiesen wurde. Eigentlich hatten die Wahlkampfteams der beiden eingewilligt, zu sechs Themen à 15 Minuten je zwei Minuten zu sprechen, plus kurzer Diskussion. Doch vor allem der Präsident hielt sich nicht an die Abmachung, und irgendwann hatte auch sein Kontrahent keine Lust mehr, sich zurückzuhalten. Dauerprovoziert verlor auch er öfter die Kontrolle, nannte Trump einen Clown, der endlich mal die Klappe halten sollte. Zur Beruhigung trug das nicht bei.

Inhaltlich bot das TV-Duell die erwartete Magerkost. Doch diese Debatten dienen eher dazu, sich einen Gesamteindruck von den Kandidaten zu verschaffen. Wie treten sie auf, wie sprechen sie, wie reagieren sie unter Druck. Kurzum: Sind sie geeignet für den Job im Weißen Haus? Glaubt man den nationalen Umfragen, hat der Chef des Weißen Hauses hier Nachholbedarf.

Trump erfüllt die Erwartungen

Was Trumps Anhänger sahen, war ein Mann, der genau das tat, was sie von ihm erwarteten: Dominanz im Auftreten, Regeln ignorieren, dem Gegner keine Zeit zum Luftholen lassen, sich nicht von Nazis distanzieren und damit brüsten, als Geschäftsmann Steuern zu vermeiden. Glaubt man den Schnellumfragen unter den TV-Zuschauern, dann ist diese Art genau das, was sie allerdings nicht wollen. Bei CNN etwa sahen nicht einmal 30 Prozent den Präsidenten als Sieger. Der Sender allerdings gilt nicht gerade als besonders Trump-freundlich.

Blieb also am Ende die große Frage, ob der US-Präsident das Wahlergebnis anerkennen würde. In Demokratien eigentlich selbstverständlich, hatte Trump dies zuletzt immer wieder offengelassen. So auch an diesem Abend: "Wenn es eine faire Wahl gibt, werde ich das Resultat anerkennen", sagte er, deutete aber erneut massenhaften Wahlbetrug an: "In West Virginia werden Wahlzettel verkauft." "30 bis 40 Prozent der Briefwahl wird Betrug sein." "Wenn 10.000 Stimmzettel manipuliert sind, kann ich das Ergebnis nicht annehmen." Wäre es nach Donald Trump gegangen, hätte er wohl noch weitere von solchen unbelegten Behauptungen verbreitet. Doch dann würgte ihn Chris Wallace einfach ab. Zeit wurde es diesen denkwürdigen Abend zu beenden


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