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Atomkoffer der USA Trumps "Nuklear-Football": Unscheinbares Aussehen, apokalyptischer Inhalt

Atomkoffer
Umgangssprachlich wird der Atomkoffer der Vereinigten Staaten als "Nuklearer Football" bezeichnet. Er beinhaltet die Atomwaffen-Abschusscodes des US-Präsidenten.
© Picture Alliance
Der Atomkoffer der Vereinigten Staaten ist der Inbegriff der US-Nuklearmacht. Mit ihm kann der amerikanische Präsident von überall und jederzeit einen Atomschlag anordnen. Doch ein roter Abschuss-Knopf dürfte darin nicht zu finden sein.

Sein Aussehen ist unscheinbar, doch sein Inhalt könnte die Apokalypse auslösen: Ein Lederkoffer, auch bekannt als der "Nukleare Football", wird Donald Trump nach seiner Amtseinführung am 20. Januar 2017 auf Schritt und Tritt begleiten, egal wohin der US-Präsident reist. Die Macht, die dieses unscheinbare Gepäckstück birgt, ist immens. Und nicht wenige sind in großer Sorge darüber, dass dem umstrittenen designierten Präsidenten Trump diese Macht in die Hände fallen wird. Allen voran sein Vorgänger Barack Obama. Dieser fragte bei einer Wahlkampfveranstaltung im US-Bundesstaat North Carolina: "Wie könnt ihr ihm (Donald Trump) die nuklearen Codes anvertrauen? Das könnt ihr nicht." Und ob sie es konnten.

Zwar schlug Obama im Zuge von Trumps Wahlerfolg versönlichere Töne an und betonte mehrfach, dass das System der "Checks und Balances", also die gegenseitige Kontrolle der US-Verfassungsorgane, dem Präsidenten nicht erlaube, zu machen, was er wolle. Doch sollte Trump tatsächlich einen atomaren Angriff befehlen, stünde ihm wohl nur eine offene Befehlsverweigerung im Wege.

Um den Atomkoffer der USA rankt sich so mancher Mythos, schließlich wird der genaue Inhalt geheimgehalten. Die Ursprünge des "Nuklearen Footballs" lassen sich wohl auf die Kubakrise im Oktober 1962 zurückführen. Das erste bekannte Foto entstand am 10. Mai 1963 auf dem Anwesen von US-Präsident John F. Kennedy.

Kein roter Knopf, aber die nuklearen Abschusscodes

Der wohl bekannteste Mythos des Koffers ist, dass er einen roten Knopf beinhalte, mit dem die US-Atomwaffen direkt abgefeuert werden könnten. Ganz so einfach ist es nicht. Der gut 20 Kilogramm schwere Koffer dient offiziell dazu, unmittelbar auf einen drohenden nuklearen Angriff zu reagieren. Auch Atommächte wie Frankreich oder Russland verfügen über vergleichbare Systeme. Über den Koffer lässt sich im Ernstfall die Kommunikation mit der Militärführung im Verteidigungsministerium herstellen, um die Identität des mächtigsten Mannes der Welt zu bestätigen. Damit das Ganze funktioniert, trägt der Präsident die Codes zur Identifizierung auf einer Plastikkarte bei sich - im Volksmund "Biscuit" genannt, Keks. Die Plastikkarte soll einer Kreditkarte ähneln, auf der eine lange Zahlenreihe steht - der Code zum Abschuss der US-Nuklearwaffen.

Zudem soll sich in dem Koffer eine Liste feindlicher Ziele und ein Brief des Präsidenten befinden, in dem er die Amtsgeschäfte im Todesfall an seinen Vize überträgt. Das berichtet CNN. Auch soll sich in dem Koffer eine Liste sicherer Bunker befinden, die dem US-Präsidenten im Falle eines Atomkriegs Schutz bieten würden.

"Woher weiß ich, dass der Präsident kein Irrer ist?"

Über ein Satellitentelefon, das sich ebenfalls in dem in dem Gepäckstück befinden soll, würde der Präsident also im Ernstfall einen Atomschlag befehlen. Auch der Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten müsste in einem solchen Fall seinen Code zum Abschuss der Raketen eingeben. Er wäre an den Befehl des US-Präsidenten gebunden. Prinzipiell steht dem Präsidenten also niemand im Wege, sollte er einen Atomschlag anordnen - bis auf die Möglichkeit der Befehlsverweigerung, was einer Meuterei gleichkäme. Ein Major der Air Force hatte einmal öffentlich die Frage gestellt: "Woher weiß ich, dass der Präsident, der mir den Befehl zum Abschuss der Raketen gibt, nicht irre ist?" Der Mann wurde unehrenhaft entlassen, weil er die Zuverlässigkeit des Systems angezweifelt hatte.

Pete Metzger trug den Atomkoffer häufig zu Präsidentschaftszeiten von Ronald Reagan. Gegenüber CNN bestätigte er, "die Zeit zwischen der Alarmierung und dem Einsatz (von Atomwaffen) ist extrem kurz". In einem Gastbeitrag auf der US-Politikseite "Politico" äußerte Bruce Blair, ein ehemaliger Träger des US-Atomkoffers und Clinton-Unterstützer, große Bedenken über Trumps machtvolle neue Rolle: "Trumps unberechenbares und wechselhaftes Verhalten lässt nur wenig Vertrauen darin zu, dass er die richtige Entscheidung treffen würde." Joseph Cirincione von der Organisation "Ploughshares Fund", die sich gegen die Proliferation von Massenvernichtungswaffen einsetzt, sagte CNN: "Er kann eine (Nuklear-)Waffe oder tausende abfeuern und niemand kann ihn aufhalten, abgesehen von einer Meuterei bei den Streitkräften."

"Ich werde der Letzte sein, der Atomwaffen einsetzt"

Auf Anfrage von CNN wollte sich Trumps Übergangsteam nicht zu seiner zukünftigen Nuklearpolitik äußern. Doch Trump hatte während seines überaus umstrittenen Wahlkampfes durchaus Anlass zur Sorge gegeben. In einem Interview mit dem Sender MSNBC im März fragte Trump: "Wenn uns der Islamische Staat angreift, würden Sie nicht mit einer Atomwaffe zurückschlagen?" Kurz darauf ruderte Trump, ganz seine Art, zurück und sagte dem Sender NBC: "Ich werde der Letzte sein, der sie (Atomwaffen) einsetzt. Ich werde nicht schießwütig sein, wie so manch anderer." Dass der designierte 45. US-Präsident das Atomabkommen mit dem Iran und den Sinn der Nato öffentlich infrage stellt, dürfte dabei kaum einen beruhigenden Effekt haben.

mit DPA

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