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Schwund des Juristenteams: Donald Trump ist nicht mehr Anwalts Liebling

In den USA herrscht kein Mangel an Anwälten, und doch dünnt Donald Trumps Rechtsteam bedrohlich aus. Von einem Dutzend Rechtsbeiständen sind gerade einmal drei übrig geblieben - ausgerechnet jetzt, wo dem Präsidenten neuer Ärger droht.

Donald Trump

Donald Trumps Ex-Anwalt Marc Kasowitz  (l.o.) und sein verbliebener Verteidiger Jay Sekulow

Getty Images

Marc Kasowitz, der Rowdy und Ausputzer, musste wegen seiner Verbindungen nach Russland gehen. Mark Corallo war genervt von den Vorgängen im Weißen Haus und verließ es im Sommer vergangenen Jahres. Das Juristenehepaar Joseph diGenova und Victoria Toensing trat schon wieder zurück, bevor es überhaupt angefangen hatte und John Dowd schmiss hin, weil der Präsident nicht auf ihn hören wollte. Von einst fast einem Dutzend Anwälten, die Donald Trump um sich geschart hatte, sind gerade einmal drei übrig geblieben und mögliche Nachfolger sind nicht in Sicht.

Donald Trump gehen die Anwälte aus

Letzteres dürfte den Präsidenten besonders nerven. Denn für US-Juristen gibt es wohl kaum eine prestigeträchtigere Aufgabe, als dem Chef des Weißen Hauses in rechtlichen Dingen beizustehen - doch Trump findet niemanden. Zuletzt sollen mindestens sechs Topjuristen dankend abgelehnt haben. Einige aus Gründen der Befangenheit, andere, weil sie nicht an die Beratbarkeit des Präsidenten glauben. Für Donald Trump ist die Absageflut ungewohnt, weswegen er sie gleich in zwei langen Tweets thematisierte - auf die ihm eigene Art: "Glaubt nicht der Lügenpresse. Viele Anwälte wollen mich im Russland-Fall vertreten. Es ist nicht schwer einen Anwalt zu finden, das Problem ist eher, dass eine neue Kanzlei Monate zur Einarbeitung braucht. Ich bin sehr zufrieden mit dem bestehenden Team."


Schon als Immobilienunternehmer beschäftigte Trump zahllose Anwälte und Rechtsbeistände. Angesichts der New Yorker Baubranchenkultur, seines Geschäftsgebarens und persönlichen Lebensstils waren das wohl auch sinnvoll investierte Dollar. Von Vater Fred hatte der Sohn gelernt, dass man sich mit guten Juristen so gut wie jedes Problem vom Hals schaffen konnte. Diese Erkenntnis mündete in Trumps Businessmotto, das Autor Michael Wolff so zusammenfasst: "Entweder Du kaufst mir was ab oder ich verklag' dich." Auch privat war der Schwerenöter ein lukratives Objekt für Juristen: Außer zwei Scheidungen durchzuboxen galt es, unliebsame Affären unter den Teppich zu kehren. Wie das zuletzt bekannt gewordene Stelldichein mit dem Pornostar "Stormy Daniels".

Michel Cohen, der treu ergebene

Diese Angelegenheit wird Trump und seine Juristen vermutlich noch eine Weile beschäftigen. Während die Leute des Präsidenten versuchen werden, die 39-jährige Sexarbeiterin in Grund und Boden zu klagen (das Team verlangt 20 Millionen Dollar), hat ihr Anwalt wiederum Klage gegen Michael Cohen eingereicht. Der 51-Jährige ist ein langjähriger Vertrauter des jetzigen Präsidenten und einer der letzten seiner Art. Als vor gut einem Jahr die Russland-Affäre Fahrt aufnahm, geriet auch er in Verruf, weil sein Name in Zusammenhang mit einem dubiosen Ukraine-Friedensplan fiel. Bis dahin war der treue Michael nur dem engsten Trump-Umfeld bekannt.

Nach einer Phase der Ruhe, tauchte Cohen plötzlich als spendabler Scheckaussteller auf. Anfang des Jahres berichtete das "Wall Street Journal" über eine Schweigegeldzahlung an die frühere Pornodarstellerin Stephanie Clifford aka "Stormy Daniels". Die hatte nach eigenen Angaben eine Nacht mit Donald Trump verbracht, sollte diese Geschichte aber nicht an die große Glocke hängen. Ihr Schweigen war Cohen 130.000 Dollar wert. Die Zahlung selbst streitet er auch gar nicht ab, wohl aber den Zweck. Auch wenn es keiner der Beteiligten zugeben wird, ist allen klar, dass er das Geld nicht aus Jux und Tollerei an Clifford übergeben hat, sondern um seinen Chef den Rücken freizuhalten. Seine Rolle im Trump-Universum beschrieb Cohen bei CNN einmal so: "Wenn es irgendein Problem gibt, das ihn betrifft, setze ich meine gesamten juristischen Fähigkeiten ein, um Mr. Trump zu schützen."

Nur noch zwei Juristen sind über

Die Russland-Affäre aber scheint für Trumps Allzweckwaffe Cohen eine Nummer zu groß zu sein. Ohnehin ist deren juristische Bandbreite so groß, dass sie kaum von nur einem Rechtsbeistand allein bewältigt werden kann. Der Präsident hatte in den vergangenen Monaten ein Rechtsteam zusammengestellt, von dem aber nur Jay Sekulow und Ty Cobb übrig sind. Sekulow ist eigentlich ein Steuerrechtler und nebenbei Lautsprecher der christlichen Rechten. Für die Verteidigung eines US-Präsidenten erscheint er eher wenig geeignet zu sein. Ty Cobb dagegen gilt als letzte Schlüsselfigur für die Affäre – doch Gerüchten zufolge soll auch er zunehmend unzufrieden mit seiner Rolle als Trumps Sonderberater sein. Ob das daran liegt, dass in der Russland-Affäre kein Blumentopf zu gewinnen ist, am Präsidenten selbst oder an beidem, ist unklar.

Offensichtlich ist jedoch, dass Donald Trump einen ordentlichen Mitarbeiterverschleiß hat. Rund 15 Vertraute haben im ersten Amtsjahr das Weiße Haus verlassen, plus Anwälte. Die Anekdote über den Abgang von Trumps persönlichem Russland-Juristen John Dowd verrät vielleicht, warum sich derzeit so wenige Kanzleien um den Trump-Job reißen. Dowd hatte seinem Schützling stets davon abgeraten, in der Russland-Affäre gegenüber Sonderermittler Robert Mueller auszusagen. Trump würde wohl gerne, aber seine Verteidiger befürchten, dass der Präsident sich dabei um Kopf und Kragen reden könnte. In anderen Worten: Donald Trump ist derartig beratungsresistent, dass selbst Geld, Ruhm und Ehre die besten Anwälte des Landes nicht überzeugen können.


pg