HOME

Rassistische Sprechchöre: Vom Zurückrudern zurückgerudert: Trump verteidigt seine Anhänger nun doch wieder

Erst war es ihm egal, dann distanzierte er sich und nun verteidigt er seine Anhänger doch wieder: Im Streit um einen Wahlkampfauftritt nimmt Donald Trump seine Unterstützer in Schutz - und beschuldigt auf Twitter indirekt die Medien.

"Schickt sie zurück!": Trump hetzt gegen Omar und will Sprechchöre gestoppt haben – das Video der Rede zeigt etwas anderes

Donald Trump ist bekannt dafür, seine Meinungen auch innerhalb kurzer Zeit zu ändern. Sein aktuelles Hin- und her aber ist selbst für seine Verhältnisse sprunghaft. Seit Tagen zofft sich der US-Präsident mit vier Politikerinnen der Demokraten. Er wirft ihnen vor, sich unpatriotisch zu äußern und hatte ihnen mehrfach an den Kopf geworfen, wieder dorthin zurückzukehren, wo sie vermeintlich herkommen. Auf einer Wahlkampfveranstaltung im US-Bundesstaat North Carolina wiederholte er seine "Forderung" und provozierte so hasserfüllte Sprechchöre seiner Anhänger. 

Donald Trump "fühlt sich schlecht deswegen"

Nach diesem Auftritt wurde die ohnehin schon laute Kritik an Trumps Äußerungen so groß, dass der US-Präsident beim Empfang der frischgebackenen Fußballweltmeisterinnen am Donnerstag versuchte, sich von seinem Publikum zu distanzieren. "Ich war nicht glücklich darüber", sagte er. "Ich fühlte mich ein bisschen schlecht deswegen", erklärte er und behauptete: "Ich stimme da übrigens nicht mit überein." Er ging sogar so weit zu behaupten, dass er die Menge durch schnelles Weitersprechen versucht habe zu beruhigen – was, wie die Videomitschnitte belegen, nicht stimmt.

Im Video: Trump setzt Angriffe auf Demokratinnen mit Migrationshintergrund fort 

"Zurückschicken!": Trump setzt Angriffe auf Demokratinnen mit Migrationshintergrund fort

Und nun die erneute Wende: Am Freitag im Weißen Haus darauf angesprochen verteidigte der US-Präsident seine Unterstützer nun ausdrücklich. "Das sind unglaubliche Leute, das sind unglaubliche Patrioten", sagte er mit Blick auf das Publikum in North Carolina. Auf Twitter verwies er in dem Zusammenhang auf die "Fake Medien", die versuchten, mit der Berichterstattung über die Sprechchöre von den Äußerungen der vier Demokratinnen abzulenken. Es ist ein typischer Trump-Trick: den Spies umdrehen und so tun, als sei man das Opfer, das sich nur wehren würde.

Alle vier Demokratinnen sind US-Bürger

Die vier Politikerinnen, die Trump seit Tagen verbal attackiert, sind alle US-Bürgerinnen: Alexandria Ocasio-Cortez ist puerto-ricanischer Abstammung, geboren in New York; Rashida Tlaib ist Tochter palästinensischer Einwanderer, geboren in Detroit; Ayanna Pressley ist Afroamerikanerin, geboren in Chicago. Ilhan Omar, Trumps "Lieblingsfeindin" und erste muslimische Abgeordnete, kam zwar in Somalia auf die Welt, wurde aber schon als Teenager in den USA eingebürgert.

Trump hatte bei der Veranstaltung vor zwei Tagen zu neuen Beleidigungen und Attacken gegen Omar und drei ihrer Parteikolleginnen genutzt – und seine Anhänger damit zu Hasstiraden ermutigt. Die Menge quittierte Trumps Worte bei der Rede mit der Parole "Schickt sie zurück!" und schloss sich damit der Position des Präsidenten an. Trump hatte Omar und drei weitere Demokratinnen aus dem US-Kongress in den vergangenen Tagen mehrfach aufgefordert, in ihre vermeintlichen Heimatländer zurückzugehen, wenn es ihnen in den USA nicht gefalle. 

nik / mit DPA