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Fox-Interview: Live am Telefon - Donald Trump sagt Sachen, die er besser nicht sagen sollte

Donald Trump hat seinem Lieblingssender Fox ein Interview gegeben. Was er sagte, war manchmal wirr und manchmal ungeschickt. Ungeschickt vor allem, weil er mit seinen Äußerungen sich und seinem Anwalt Michael Cohen das Leben schwer machen könnte.

Donald Trump am Telefon

Donald Trump am Telefon

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Wer so viele Baustellen gleichzeitig hat wie Donald Trump, kann schon einmal den Faden verlieren. Das Geschenk für die Ehefrau vergessen. Sich um Kopf und Kragen reden. Oder auch alles zusammen. 14 mehr oder weniger wichtige Punkte hat der US-Präsident in einem bemerkenswert wirren Interview mit seinem Leib- und Magensender Fox News abgehandelt - und, mutmaßlich unabsichtlich, dabei Dinge ausgeplaudert, von denen ihm seine Berater wohl eher abgeraten hätten.

Heute hat Donald Trump kein Geschenk für Melania

Nach nicht einmal zwei Minuten, Trump wurde per Telefon in die Sendung "Fox and Friends" geschaltet, hatte er schon drei Themen durch: den Geburtstag von Gattin Melania, und dass er aus Zeitmangel leider kein Geschenk für sie habe besorgen können. Den Besuch von Emmanuel Macron und dass die beiden schon viel erreicht hätten, man werde schon sehen. Und dass man im Iran ja ständig "Tod den USA" rufe, aber jetzt nicht mehr. In diesem Stil ging es fast 30 Minuten lang weiter.

Manchmal belustigt, oft zusammenhanglos, gerne belehrend schwappte es aus dem Präsidenten heraus, auf das nicht einmal mehr seine Freunde im TV-Studio ihm folgen konnten oder mochten. Kostprobe: "Schaut, es war wirklich sehr, sehr garstig mit dem kleinen Raketenmann und den Schaltern, und ihr wisst ja, mein Knopf ist größer als - jeder sagte, dieser Typ wird uns den Atomkrieg bringen." Und kurz darauf: "Hätten wir schwächere Leute gehabt, hätten wir den Atomkrieg." Was genau der US-Präsident mit dieser Wortkaskade ausdrücken wollte, wurde nicht klar, aber mutmaßlich wollte er damit sich und seine Rolle im Nuklearstreit mit Nordkorea hervorheben.

Hängengeblieben von diesem halbstündigen Telefonat aber sind vor allem diese Äußerungen:

  • So hat Donald Trump erstmalig eingeräumt, dass sein Anwalt Michael Cohen ihn tatsächlich in der Auseinandersetzung mit dem Pornostar Stephanie Clifford vertritt - "diesen verrückten Stormy-Daniels-Deal", wie Trump das nennt. Auf Einzelheiten ist der Präsident nicht eingegangen, sein Verteidiger aber habe "soweit ich das sehe, absolut nichts Falsches getan". Diese Aussage könnte Trump als auch seinem langjährigen Juristen noch auf die Füße fallen. Denn die Zahlung von 130.000 Dollar, die Cohen nach eigenen Angaben an Stormy Daniels geleistet hatte, wird möglicherweise als illegale Wahlkampffinanzierung gewertet, was strafbar ist. Sowohl für den Zahlenden wie Cohen, als auch für mögliche Mitwisser wie den Präsidenten, der offenbar Kenntnis von dem Deal hatte.
  • Michael Cohen, Trumps langjähriger Anwalt und Ausputzer, hat laut dem Präsidenten nur einen "kleinen Teil" der juristischen Arbeit erledigt, die im Hause Trump anfällt. "Ich habe viele, viele Anwälte. Ich habe Anwälte, es ist traurig, ich habe so viele Anwälte, das glaubt ihr nicht", sagte Trump bei Fox. Dass er die Rolle von Cohen herunterspielt, ist interessant. Denn derzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft New York gegen ihn, bei einer Hausdurchsuchung wurden "Millionen" von Dokumenten beschlagnahmt, die das FBI nun einsehen möchte. Cohens Verteidiger aber argumentieren, dass unter den durch das Anwaltsgeheimnis geschützten Unterlagen auch solche seien, die den Klienten Donald Trump beträfen. Zudem verweigert Michael Cohen die Aussage, um sich nicht selbst belasten zu müssen. All das klingt nicht so, als wäre Cohen nur ein kleines Rädchen im Getriebe.
  • Im Zusammenhang mit den Ermittlungen in der "Russland-Affäre" droht Trump damit, beim zuständigen Justizministerium durchzugreifen. Gleich an drei Stellen des Interviews betont der Präsident, wie enttäuscht er von der Arbeit des Ministeriums sei, das es nicht schaffe, die Untersuchungen gegen ihn und sein Wahlkampfteam zu beenden. "Bislang habe ich mich da nicht eingemischt, aber vielleicht ändere ich meine Meinung. Denn was da passiert, ist eine Schande", so Trump. Diese Äußerung wiederholt er, in anderen Worten, noch zweimal in dem Gespräch. Dass ein US-Präsident öffentlich mit dem Gedanken spielt, sich das Rechtssystem vorzuknöpfen, ist ungeheuerlich. Zwar wird der zuständige Minister vom Präsidenten ernannt, aber die Justiz ist in den USA, wie in allen Demokratien, unabhängig von der Exekutive.