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US-Wahlkampf "Birther Theorie": Donald Trump will Kamala Harris' Recht auf die Vizepräsidentschaft aushöhlen

Kombo Kamala Harris und Donald Trump im Protrait
Verschwörungstheorie: US-Präsident Donald Trump stellt infrage, dass die als künftige Vizepräsidentin nominierte Kamala Harris eine US-Staatsbürgerin ist.
© Drew Angerer / Brendan Smialowsky / Getty Images / AFP
Kaum war Kamala Harris zur Kandidatin für das Vizepräsidentenamt ernannt worden, begann Donald Trump damit, sie zu diskreditieren: "falsch" sei sie, "radikal links". Und nun bemüht er eine alte Methode aus rechten Kreisen.

US-Präsident Donald Trump hat offen in Frage gestellt, ob die oppositionelle Vizepräsidentschaftskandidatin Kamala Harris als Tochter von Einwanderern die zweithöchste Position im Staat besetzen darf. Bei einer Pressekonferenz auf eine entsprechende Verschwörungstheorie angesprochen, sagte Trump am Donnerstag (Ortszeit) im Weißen Haus, er habe "gehört, dass sie nicht die Anforderungen erfüllt".

"Ich habe keine Ahnung, ob das stimmt", führte der Präsident aus. Er hätte erwartet, dass die oppositionellen Demokraten "das überprüfen, bevor sie (Harris) als Kandidatin für das Amt des Vizepräsidenten ausgewählt wird." Die Frage sei "sehr ernst", er werde sich das "anschauen". Den Anwalt John Eastman, der die Theorie zu Harris in einer von den Lesern vielfach kritisierten "Newsweek"-Kolumne verbreitet hatte, bezeichnete der Präsident als "hoch qualifizierten, sehr talentierten" Juristen.

Kamala Harris zweifelsfrei "natural born citizen"

Die so kolportierten Zweifel entbehren allerdings zunächst einmal jeder Grundlage. Voraussetzung dafür, das Präsidenten- und Vizepräsidentenamt zu bekleiden, ist laut Artikel 2 der US-Verfassung, dass der Kandidat bzw. die Kandidatin ein "natural born citizen" ist. Das trifft auf Kamala Harris zu: Sie wurde am 20. Oktober 1964 in Oakland, Kalifornien, als Tochter von Einwanderern aus Jamaika und Indien geboren. Die Senatorin ist damit US-Bürgerin und darf Vizepräsidentin werden. Ohnehin ist die vorherrschende Rechtsansicht in jüngerer Zeit, dass jeder Mensch, der die US-Staatsbürgerschaft durch seine Geburt erlangt hat, ein "natural born citizen" ist.

Dessen ungeachtet sät Trump mit seiner aktuellen Äußerung Zweifel und greift damit auf eine Methode zurück, die vornehmlich in rechten Kreisen verbreitet ist: die "Birther"-Verschwörungstheorie. Schon in der Vergangenheit galt Trump als einer ihrer Hauptverfechter. Die mit rassistischen Untertönen versehene Theorie zielte vor allem auf den früheren Präsidenten Barack Obama - bekanntlich der erste schwarze Präsident der US-Geschichte. Kolportiert wurde, Obama sei nicht in den USA geboren und hätte damit nicht Präsident werden dürfen. Angeblich sei er nicht auf der US-Insel Hawaii, sondern in Kenia geboren worden, woher sein Vater stammt. Trump und andere forderten vehement eine Veröffentlichung von Obamas Geburtsurkunde - einer Forderung, die der Präsident schließlich sogar nachkam.

Demokraten werfen Donald Trump Rassismus vor

Aus dem Lager der Demokraten kam erwartungsgemäß vehementer Widerspruch. Andrew Bates, Sprecher des Wahlkampfteams von Joe Biden, nannte es wenig überraschend, "aber deshalb nicht weniger abscheulich", dass Trump in Bezug auf Kamala Harris die "Birther"-Theorie hervorkrame. Denn: "Donald Trump war der nationale Führer der grotesken, rassistischen 'Birther-Bewegung' in Bezug auf Präsident Obama und er hat an jedem einzelnen Tag seiner Präsidentschaft versucht, den Rassismus zu schüren und unsere Nation zu spalten", so Bates.

Noch deutlicher wurde die streitbare Kongress-Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez aus New York, die sich ohnehin seit langem Wortgefechte mit dem Präsidenten liefert. "Weiße Vorherrschaft ist ein Glaubenssystem, das auf dem Gedanken basiert, dass Farbige, insbesondere Schwarze, keine gleichwertigen Bürger oder Menschen sind", twitterte "AOC". "Die Staatsbürgerschaft gewählter farbiger Offizieller in Frage zu stellen, ist eine Art, in der sich das offenbart." Außerdem, so Ocasio-Cortez in einem Folge-Tweet, würde die Frage, ob jemand ein "natural born citizen" sei oder nicht, niemals bei einem Weißen gestellt.

Tochter von John McCain: "Grober, dunkler Trend"

Megahn McCain, leidenschaftliche Trump-Kritikerin und Tochter des verstorbenen, weithin respektierten republikanischen Senators John McCain, bezeichnete die "Birther-Theorie" als Teil eines "groben, dunklen Trends in der US-Politik". Auch ihr Vater, obwohl Republikaner nicht mit Trump einverstanden, sei ähnlichen Angriffen ausgesetzt gewesen. Der Grund: McCain war auf einer Militärbasis in der Panamakanalzone, die von 1903 bis 1999 vertraglich unter US-Kontrolle stand, geboren worden.

Don Beyer aus Virginia, demokratischer Abgeordneter im Repräsentantenhaus, fasste die Stimmungslage unter den Demokraten aufgrund der Angriffe gegen Kamala Harris in knappen Worten zusammen: "Trumps 'Birtherism' war 2011 rassistisch, Trumps 'Birtherism' ist 2020 rassistisch. Es ist wirklich so einfach."

Quellen: Nachrichtenagentur AFP, "The Hill", Twitter/Alexandra Ocasio-Cortez, Twitter/Don Beyer, "Newsweek", Artikel 2 der US-Verfassung

dho

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