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Kommentar

Peinliche Pressekonferenz: Manisch und machtgeil: Die bizarre Show des Donald Trump

In der ersten Pressekonferenz seit seiner Wahl präsentiert sich der designierte US-Präsident Donald Trump auf die denkbar desaströseste Weise. Das Lachen darüber sollte uns aber lieber im Halse stecken bleiben.

Donald Trump PK

Donald Trump bei seiner Pressekonferenz im Trump Tower in New York

Früher in der Schule hatten wir doch alle diesen einen Lehrer, der völlig überfordert war, sobald er hinter seinem Pult stand; der seine Unfähigkeit, die Klasse im Griff zu haben, mit übertriebener Strenge gegenüber den Schülern (am liebsten den aufmüpfigen) auszugleichen versuchte; der seinen Mangel an Souveränität und natürlicher Autorität mit Lautstärke überspielen wollte.

Diesen einen Lehrer, der seinen Job verfehlt hatte.

An diesen Lehrer fühlte man sich bei Donald Trumps bizarrem Auftritt in der ersten Pressekonferenz nach seinem Wahlsieg zwangsläufig erinnert. Wie Trump den nachhakenden CNN-Journalisten deckelte, war eine Demonstration falscher Vorstellung von Macht - einer Macht übrigens, an der sich der Protagonist schon vor seiner offiziellen Amtseinführung sichtbar aufgeilt. Wie er substanzlos und ohne jeglichen Zusammenhang, aber mit manischem Blick seine bisherige Amtsvorbereitung in einer Aneinanderreihung von Superlativen nacherzählte, war die Offensive eines Schaumschlägers, der insgeheim fürchtet, dass man seiner Inkompetenz auf die Schliche kommen könnte.

Donald Trump: Der Narziss wird nicht demütig

"Leben wir in Nazi-Deutschland?", hatte Trump noch kurz vorher in einem seiner berüchtigten Tweets in Richtung der Geheimdienste gefragt. Da entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass er sich in der Pressekonferenz mehr denn je nicht wie der nächste Führer der freien Welt, sondern wie der nächste Führer eines totalitären Regimes gebärdete.

Genau an dieser Stelle offenbart sich das Problem, das Trumps erste Pressekonferenz der Welt schonungslos vor Augen führte. Bisher konnte man noch leise hoffen, dass es schon alles nicht so schlimm wird, dass der Wahnsinn des Trump’schen Wahlkampf sich wohl kaum noch potenzieren lassen kann, dass der Respekt vor dem Amt diesem Narziss schon die nötige Demut abringen wird.

Spätestens jetzt ist aber klar: Trump ist wahr. Die ironischen Pointen dieser Tatsachen könnten bitterer nicht sein: Ein überforderter Dilettant bekleidet ab sofort eines der wichtigsten politischen Ämter der Welt. Die große Demokratie der Vereinigten Staaten wird repräsentiert von einem Mann, der die Pressefreiheit nicht respektiert. Einem Mann, dem jede Souveränität abgeht, der auf jegliche Kritik mit Beleidigung oder Herablassung reagiert. Einem Mann, der mit diesem Verhalten jegliche Bedeutung des Wortes "Politik" ad absurdum führt.

Erste Pressekonferenz Donald Trumps als US-Präsident


Das alles ist nicht neu. Aber es ist vor allem nicht mehr lustig und wird auch nicht besser, wenn man weiter nur lethargisch über Trump lächelt oder ihn hinnimmt nach dem Motto: Kann man nicht mehr ändern. Es darf nicht passieren, dass wir uns einfach an Verschwörungstheorien in Versalien gewöhnen, an Fake-News-Parolen in grenzdebilen Tweets, an besserwisserische Links zu Breitbart.

"The Donald" vertritt ab sofort alle Amerikaner

Denn "the Donald" mag der erste Reality-TV-Star sein, der im Weißen Haus wohnen darf - er vertritt aber mit seiner Show ab sofort auch alle Amerikaner und damit einen beträchtlichen Teil der Bevölkerung der westlichen Welt. Viele von uns werden sich deshalb an ihre Schulzeit erinnert fühlen, als sie diesem einen dreisten, inkompetenten Lehrer scheinbar hilflos ausgesetzt waren – mit dem Unterschied, dass "Lehrer" Trump von seinen eigenen Schülern ins Amt gewählt wurde. Streng genommen wird also nicht der künftige US-Präsident seinen Job verfehlen, vielmehr haben die amerikanischen Bürger ihren Job als Wähler verfehlt.

Nach vier Jahren können Schüler in den USA ihren Highschool-Abschluss machen. Das passt, denn genau so lange werden die Amerikaner Trump ausgesetzt sein, mindestens. Hoffentlich lassen sich die Aufmüpfigen unter ihnen noch weniger gefallen als pubertierende Neuntklässler.