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Unruhen in den USA: George W. Bush vs. Donald Trump: Die nächste Watschen vom nächsten Ex-Präsidenten

Dass sich aktuelle und ehemalige US-Präsidenten gegenseitig in Ruhe lassen, gilt seit der Ära Donald Trump nicht mehr. Jetzt wendet sich mit George W. Bush ein Amtsvorgänger gegen Trump, auf den in der gemeinsamen Partei gehört wird.

George W. Bush und Donald Trump

Ex-Präsident George W. Bush (M.) hat kein Verständnis für den "Krieg", den Donald Trump gegen die freie Presse führt.

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Juan Williams' Worte kamen als Was-wäre-wenn-Gedankenspiel daher, aber eigentlich waren sie eine fast flehentliche Aufforderung an Ex-Präsident George W. Bush. Das frühere Staatsoberhaupt möge sich doch bitte öffentlich von Donald Trump distanzieren. Der konservative Kommentator schreibt: "Bushs Stimme ist eine der wenigen, die die Kraft haben, gemäßigte Republikaner und republikanisch-orientierte Unabhängige von der Trump-Partei loseisen zu können." Und: Man stelle sich nur vor, Trumps letzter republikanischer Amtsvorgänger würde den Demokraten Joe Biden unterstützen", so Williams anlässlich der Reaktion des Weißen Hauses auf die Unruhen nach dem Tod von George Floyd. Seine Bitte wurde erhört.

George W. Bush prangert Rassismus an

In einem offenen Brief wandte sich der frühere Staatschef nun an die Bevölkerung und äußerte darin seine Sorge über den Rassismus im Land – und Trumps Politik der (verbalen) harten Kante: Bush schreibt von einem "schockierender Misserfolg", dass Afroamerikaner "in ihrem eigenen Land belästigt und bedroht werden". Dagegen zu protestieren, sei eine Stärke Amerikas. Und "diejenigen, die diese Stimmen zum Schweigen bringen wollten, verstehen die Bedeutung Amerikas nicht", so der Ex-Präsident weiter. Und: "Es gibt einen besseren Weg - den Weg der Empathie, des gemeinsamen Engagements und des mutigen Handelns." Ohne den Namen des Amtsinhabers zu nennen, spricht Bush dem Staatsoberhaupt kurzerhand (und nicht zum ersten Mal), ein Händchen für die Führung de Landes ab.

George W. Bush und Donald Trump gehören zwar offiziell der gleichen Partei an, doch ihr Verhältnis zueinander gilt als arg angespannt. Trumps düstere und umstrittene Amtseinführungsrede hatte Bush noch auf den Stufen des Kapitols mit den Worten "Was für ein kranker Scheiß" kommentiert. Ein Zitat, das der selbst nicht unumstrittene Ex-Staatschef nie dementiert hat. Vor ein paar Jahren wies Bush in einer seiner seltenen Reden auf die immense Bedeutung von Einwanderung hin, was ebenfalls als klarer Seitenhieb auf den Mann im Weißen Haus verstanden worden war. Und wie es die Laune des Schicksals manchmal will, sind George W. Bush und Trumps Erzfeind, Ex-Präsident Barack Obama, mittlerweile miteinander befreundet.

Barack Obama und Donald Trump üben öffentlich Kritik aneinander.

Donald Trump gegen Ex-Präsidenten

Donald Trump selbst arbeitet sich nicht nur seit Jahren an seinem direkten Vorgänger Obama ab, auch Bush bekommt immer wieder den Zorn des Präsidenten zu spüren. So hatte Bush vor kurzem die Amerikaner wegen der Corona-Pandemie schlicht zu Einigkeit aufgerufen – und der Amtsinhaber attackierte den Vorgänger, indem er ihm vorwarf, ihn, Trump, nicht im Impeachment-Verfahren unterstützt zu haben. Was das eine mit dem anderen zu tun hatte, ließ der Chef des Weißen Hauses im Unklaren. Auch nun fühlte sich Trump angesprochen und reagierte auf Bushs Äußerungen pampig: "Meine Regierung hat mehr für die schwarze Gemeinschaft geleistet als jeder Präsident seit Abraham Lincoln." Nicht nur George W. Bush wird diese Worte mit Erstaunen zur Kenntnis nehmen.

Auf Obama hat es Trump abgesehen

Eigentlich ist es eher unüblich, dass sich aktuelle und ehemalige Präsidenten derartig ins Gehege kommen. Kritik an Vorgängern oder Nachfolgern wird meist so subtil geübt, dass sie man sie auch leicht ignorieren kann. Doch seit Trumps Amtsübernahme hat sich der Ton deutlich geändert: Es gibt kaum einen Vorgänger, den der aktuelle Chef des Weißen Hauses nicht bereits harsch kritisiert hätte. Auf Barack Obama hat er es besonders abgesehen. Trump beschuldigt ihn unter dem Schlagwort "Obamagate" sogar, ihn systematisch schädigen zu wollen – allerdings ohne Belege dafür vorzulegen. Der Angegriffene war nur selten auf die Attacken eingegangen. Erst als die Coronakrise in den USA auf ihren Höhepunkt zusteuerte, übte er unverholen offene Kritik: "Alle US-Bürger sollten von der Regierung eine bessere Politik verlangen und im Herbst zur Wahl gehen", schrieb er auf Twitter.

Quellen: "The Hill", Deadline.com, DPA, AFP, George W. Bush auf Twitter, Barack Obama auf Twitter