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Trump vs. Biden Disziplinierte Debatte, harte Kontraste: So lief das letzte TV-Duell um die US-Präsidentschaft

Autos stehen vor eine Leinwand, auf der Trump und Biden gezeigt werden
Menschen verfolgen das letzte TV-Duell vor der Präsidentschaftswahl auf einer Leinwand in San Francisco
© Jeff Chiu / DPA
Nach dem chaotischen ersten TV-Duell hatten US-Präsident Donald Trump und sein Herausforderer Joe Biden in Runde zwei ihre Emotionen deutlich besser im Griff. Dennoch lieferten sie sich in Nashville vor allem bei den Themen Corona und Rassismus heftige Wortgefechte. 

US-Präsident Donald Trump hat in der letzten TV-Debatte vor der Wahl versucht, die Glaubwürdigkeit seines Herausforderers Joe Biden zu untergraben. Er brachte immer wieder Vorwürfe auf, dass Bidens Sohn Hunter in zweifelhafte Geschäfte in der Ukraine verwickelt sei – und das Biden, damals Vizepräsident, angeblich davon profitiert habe. "Ich habe niemals in meinem Leben einen Penny von einer ausländischen Quelle angenommen", konterte Biden. 

Zentrale Themen der Debatte am Donnerstagabend (Ortszeit) in Nashville im US-Bundesstaat Tennessee waren der Kampf gegen die andauernde Corona-Krise, finanzielle Hilfen für Unternehmen und Verbraucher, die Gesundheitsversorgung der Amerikaner und Rassismus.

Biden attackiert Trump: "Die Leute lernen, damit zu sterben" 

Die Debatte verlief gesitteter als das erste Duell Ende September. Die Kandidaten ließen einander ausreden und folgten weitgehend den Fragen der Moderatorin Kristen Welker. Ihre Missbiligung füreinander drückten sie eher mit einem Grinsen oder einem Kopfschütteln aus. Nach rund einer Stunde bröckelte allerdings die Geduld des 74-jährigen Präsidenten – er ließ sich mehrfach nicht von der Moderatorin stoppen, wenn sie ihn zur aktuellen Frage zurückbringen oder zum nächsten Thema übergehen wollte.

Deutlich in der Debatte wurden die unterschiedlichen Ansätze zum Weg aus der Corona-Krise. Trump, der sich selbst infiziert hatte und erkrankt war, betonte auch vor dem Hintergrund wieder steigender Fallzahlen, dass er auf keinen Fall weitere Lockdowns wolle. "Die Medizin darf nicht schlimmer als das Problem selbst sein", sagte der Präsident. Amerika lerne, mit dem Virus zu leben. Das löste eine scharfe Reaktion des 77-jährigen Bidens aus: "Die Leute lernen, damit zu sterben!" Auf den Vorwurf, er übernehme keine Verantwortung für die Krise entgegnete Trump: "Ich übernehme die volle Verantwortung. Es ist nicht meine Schuld, dass es hierher bekommen ist. Es ist nicht Joes Schuld. Es ist Chinas Schuld."

Am wenigsten rassistisch: Trump vergleicht sich mit Lincoln

Der bei Schwarzen populäre Biden bekräftigte, dass es in Amerika in den Institutionen verankerten Rassismus gebe. Trump bezeichnete er als den rassistischsten Präsidenten. "Er gießt in jedes einzelne rassistische Feuer Öl." Der Präsident wiederholte seine Behauptung, dass niemand mehr als er für schwarze Amerikaner getan habe – mit Ausnahme von Präsident Abraham Lincoln mit der Abschaffung der Sklaverei. "Ich bin die am wenigsten rassistische Person in diesem Raum", sagte er – direkt neben der Afroamerikanerin Welker.

Und erneut wühlte Trump in der Vergangenheit der politischen Karriere seines Kontrahenten. Er beschuldigte Biden, in seiner Zeit als Vizepräsident von 2009 bis 2017 keine Fortschritte für das Land erreicht zu haben, unter anderem für Afroamerikaner. "Sie haben nichts geschafft", sagte Trump. "Sie reden nur und tun nichts." Auch hierfür hatte der Beschuldigte nicht viel mehr als ein Kopfschütteln übrig.

Trump wettert gegen Windräder, Biden setzt auf Klimabkommen

Beim Thema Außenpolitik betonte Trump abermals, dass es in seiner Amtszeit entgegen Warnungen seines Vorgängers Barack Obama keinen Krieg mit Nordkorea gegeben habe. Biden entgegnete: "Wir hatten ein gutes Verhältnis zu Hitler, bevor er in Europa einfiel." Trump hielt ihm vor, in seinen acht Jahren als Vizepräsident eine zu schwache Außenpolitik betrieben zu haben.

Biden reagierte mehrfach mit ungläubigem Lachen, unter anderem als Trump davon sprach, dass Windräder "alle Vögel töten". Der Herausforderer betonte: "Der Klimawandel, die Erderwärmung sind die nächste existenzielle Bedrohung für die Menschheit." Er werde deshalb dem Klimaabkommen von Paris wieder Beitreten, aus dem die USA unter Trump ausgetreten waren.

Strengere Regeln: US-Medien loben Trump und Biden

Das erste TV-Duell der beiden Kandidaten Ende September war im Chaos versunken. Vor allem Trump fiel Biden immer wieder ins Wort und ließ ihn nicht ausreden. Biden bezeichnete Trump im Gegenzug unter anderem als "Rassisten", "Lügner", "Putins Welpen" und "den schlechtesten Präsidenten, den Amerika je hatte". Eine ursprünglich für Anfang Oktober geplante zweite Debatte platzte nach der Covid-19-Erkrankung des Präsidenten. Nach dem unwürdigen Duell im September galten in Nashville strengere Regeln für die beiden Kontrahenten. So wurde das Mikrofon des einen Kandidaten zu Beginn eines jedes Themas stummgeschaltet, während der andere Kandidat zwei Minuten sprechen durfte.

Zahlreiche US-Medien lobten im Anschluss den ruhigeren Ton des letzten direkten Duells zwischen Trump und Biden. "Dies war tatsächlich eine echte Debatte", titelte etwa der Sender CNN. "Die Debatte war im Großen und Ganzen eine verhaltenere Angelegenheit als die erste Begegnung zwischen den beiden Kandidaten", schrieb die "New York Times". "Aber selbst wenn der Tenor der Diskussion am Donnerstag ruhiger gewesen ist, so hätte der Widerspruch mit Blick auf Inhalt und Vision nicht dramatischer sein können." 

js DPA AFP

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