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Nach UN-Rede Gelächter, Hohn und offene Worte - wie die Staatschefs sich gegen Trump vereinen

Nach UN-Rede : Gelächter, Hohn und offene Worte - wie die Staatschefs sich gegen Trump vereinen
Im Atomstreit mit dem Iran bestätigte Trump seine harte Haltung und rief alle Staaten auf, die iranische Führung so lange zu isolieren, wie deren aggressives Verhalten andauere. US-Präsident Donald Trump hat in seiner mit Spannung erwarteten Rede am Dienstag am UN-Hauptsitz in New York vor der Vollversammlung mit Nachdruck seine "America First"-Politik vertreten. Zudem hat er die Erfolge seiner bisherigen Amtszeit seit Januar 2017 betont. Die USA stünden wirtschaftlich stärker da als jemals zuvor, sagte er. Und überraschend kam es in diesem Abschnitt seiner Rede zu Lachern in der UN-Vollversammlung.
Trump sprach unter anderem auch von einer "Ideologie der Globalisierung", die von den USA abgelehnt werde. Sein Land werde in Zukunft nur noch Auslandshilfe an die Staaten gewähren, die die USA respektierten und deren Freunde seien. Im Atomstreit mit dem Iran bestätigte Trump seine harte Haltung und rief alle Staaten auf, die iranische Führung so lange zu isolieren, wie deren aggressives Verhalten andauere. Zudem nutzte Trump den Auftritt, um sich auch an die Regierung in Berlin zu wenden:
"Deutschland wird vollkommen abhängig von russischer Energie werden, wenn es nicht sofort seinen Kurs ändert", sagte er.
Damit bekräftigte er seine massive Kritik wegen Deutschlands Festhalten an der Pipeline Nord Stream 2. Die Leitung soll von Ende 2019 an russisches Gas durch die Ostsee nach Deutschland transportieren. Der Auftritt des US-Präsidenten vor der UN-Vollversammlung dauerte etwa 45 Minuten.
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Damit hat Donald Trump nicht gerechnet: Was ein triumphaler Auftritt werden sollte, geriet zu einer Lachnummer. Ob Macron, Erdogan oder Maas, nach Trumps UN-Rede ziehen sie alle gegen den US-Präsidenten ins Feld.

"Als ich zum ersten Mal hierher kam, war es ein fremdes Gebiet für mich, auch wenn ich in New York gelebt habe", erzählte Donald Trump bei einem Mittagessen mit Vertretern der UN-Mitgliedsstaaten am Dienstag. "Aber jetzt fühlt es sich wie ein Zuhause an", prahlte er selbstzufrieden. Viele der anwesenden Staats- und Regierungschefs seien nun seine Freunde geworden. Wer das genau sein soll, weiß aber wohl nur Trump selbst. Denn sein Auftritt vor der UN-Vollversammlung stieß auf offenes Gelächter, spitze Kommentare und offene Beleidigungen in Richtung des US-Präsidenten. 

Noch während Trump seine pathetische Ansprache hielt, konnten sich die versammelten Staatschefs und Vertreter nicht zurückhalten. "In weniger als zwei Jahren hat meine Regierung mehr als jede andere Regierung in der Geschichte unseres Landes erreicht", behauptete der nie um Eigenlob verlegene Trump und erntete Gekicher. "Das ist wahr", reagierte der Präsident verdutzt. Bei diesem Worten erklang im Plenarsaal eine regelrechte Lachsalve.

Donald Trump sitzt nach seiner Rede vor den Vereinten Nationen neben dem Rednerpult
Donald Trump sitzt nach seiner Rede vor den Vereinten Nationen neben dem Rednerpult
© Evan Vucci / DPA

Iran bescheinigt Donald Trump eine "Schwäche des Intellekts"

Was die Mächtigen dieser Welt von Trumps Darbietung hielten, machten sie im Anschluss mehr als deutlich. Irans Präsident Hassan Ruhani wählte besonders harte Worte: "Dem Multilateralismus entgegentreten ist kein Zeichen der Stärke, sondern ein Symbol der Schwäche des Intellekts", sagte er und unterstellte Trump damit schlichtweg Dummheit. Trump trampele auf den globalen Regeln herum und handele "absurd und abnormal". Die Wirtschaftssanktionen, die von den USA gegenüber dem Iran ausgesprochen wurden, seien eine Form von "Wirtschaftsterrorismus".

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wandte sich direkt gegen die USA. Lasst uns nicht länger Handelsabkommen mit Ländern abschließen, die das Pariser Abkommen nicht respektieren", sagte er in einer leidenschaftlichen Rede. "Wie diejenigen, die die Realität anfechten, werden auch alle anderen die Konsequenzen tragen müssen", so Macron. Die USA haben unter Trump das Pariser Klimaabkommen verlassen. Mit Blick auf die neuen US-Sanktionen gegen den Iran fügte Macron hinzu: "Es wäre gut für den Preis des Öls, wenn der Iran es verkaufen könnte."

Heiko Maas und sein Mienenspiel 

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan kritisierte die "willkürliche Kündigung von Handelsabkommen, den sich ausbreitenden Protektionismus und die Anwendung von Wirtschaftssanktionen als Waffen". Zwar erwähnte Erdogan die USA nicht namentlich, aber wen er mit den Ländern, "die ständig versuchen, Chaos zu stiften", gemeint hat, war für alle Anwesenden eindeutig. 

Deutschlands Außenminister Heiko Maas hatte am Dienstag zwar noch keine Gelegenheit das Wort zu ergreifen. Seine Rede wird er am kommenden Freitag halten. Doch um seine Haltung zum Ausdruck zu bringen, bedurfte Maas keiner Worte. Sein Mienenspiel sprach Bände. Als Trump nämlich mal die geplante deutsch-russische Gaspipeline "Nord Stream 2" in die Kritik nimmt, kann Maas nur den Kopf schütteln, ungläubig die Augenbrauen zusammenziehen und lachen - ebenso wie der Rest der deutschen Delegation. 

Am heutigen Nachmittag dürfte es deutlich ernster zur Sache gehen. Um 16 Uhr MESZ kommt es zum Treffen des UN-Sicherheitsrats unter Vorsitz von Donald Trump. Im Mittelpunkt auch hier der Konflikt mit dem Iran. Ob die offene Ablehnung im Plenum Spuren beim US-Präsidenten hinterlassen hat, kann man dann um 23 Uhr besichtigen - für die Zeit ist die offizielle Pressekonferenz mit Trump vorgesehen.

Im Video: "Das sollte so" – Trump redet sich aus Lachnummer bei Vereinten Nationen raus

Trump wird bei der UN-Vollversammlung ausgelacht
ivi

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