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Corona-Interview: Drängelnder US-Präsident: Für Trump öffnen sich die Bundesstaaten nicht "schnell genug"

Kämpferischer Zweckoptimismus: Die Coronakrise schlägt in den USA heftig zu, doch Donald Trump glaubt, die Wirtschaft werde sich schnell erholen. Im TV drängte der US-Präsident auf eine schnellere Öffnung des Landes.

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Ein Corona-Impfstoff bis Jahresende und eine beeindruckende Erholung der Wirtschaft – mit solchen Beteuerungen will US-Präsident Donald Trump offenbar die Gunst der Wähler zurückgewinnen. Er sei "zuversichtlich", dass sein Land bis Jahresende über einen Corona-Impfstoff verfüge, sagte Trump am Sonntag (Ortszeit) in einen Fernsehinterview an einem symbolträchtigen Ort: Vom Lincoln Memorial aus eröffnet sich ein herrschaftlicher Blick über das Herz Washingtons bis zum US-Kongress. Am überlebensgroßen Denkmal für den 16. US-Präsidenten ließ sich der aktuelle Amtsinhaber zwei Stunden lang von zwei Moderatoren des konservativen Senders Fox News sowie von per Video zugeschalteten Bürgern befragen. Das Motto des zur Show inszenierten Interviews: "Amerika zusammen – Zurück zur Arbeit". Große Kritik musste der Präsident bei der ihm freundlichen gesinnten TV-Station nicht erwarten und entsprechend selbstbewusst fielen seine Ankündigungen aus: 2021 werde der Aufschwung nach der Corona-Krise den US-Bürgern ein "unglaubliches Jahr" bescheren.

Öffnung geht Trump nicht schnell genug

Über die umstrittene Teil-Öffnung einiger Bundesstaaten sagte er: "Ab einem gewissen Punkt müssen wir das Land öffnen. Wir haben keine Wahl. Wir können als Land nicht geschlossen bleiben", so Trump über die Pläne einiger Bundesstaaten die Corona-Maßnahmen wieder zu lockern. Das müsse auf eine sichere Art und Weise geschehen, "aber so schnell wie möglich", drängelte er. Die Maßnahmen lägen in der Verantwortung der Gouverneure der 50 Bundesstaaten. "Ich denke ehrlich, dass einige Staaten nicht schnell genug voranschreiten." Trump verlangt, dass Schulen und Universitäten spätestens nach den Sommerferien wieder öffneten.

An diesem Montag wollten mehrere weitere Bundesstaaten Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus lockern. Die Richtlinien des Weißen Hauses sehen als Bedingung einen Rückgang der Fallzahlen über 14 Tage vor - das ist noch nicht überall der Fall. Die Proteste gegen die Corona-Maßnahmen in mehreren Bundesstaaten verteidigte Trump: "Das sind bedeutsame Demonstrationen", sagte er und räumte ein, dass es zugleich Menschen gebe, denen die Lockerungen Angst machten.

Donald Trump

Große Symbolik bei Fox-News: Donald Trump wählte für ein TV-Interview eine herrschaftliche Kulisse

AFP

Mehr Corona-Tote als befürchtet?

Die Prognosen der befürchteten Todesopfer musste der US-Präsident korrigieren. Statt von 65.000 gehe er jetzt von 80.000 oder 90.000 Toten aus, sagte er. Nach einer Übersicht der Johns-Hopkins-Universität sind in den USA derzeit rund 1,2 Millionen Infektionen bestätigt - knapp ein Drittel aller bekannten Infektionen weltweit. Die Wissenschaftler der Universität haben in den USA bislang mehr als 67.000 Todesfälle registriert.

Auch über den Zeitpunkt, wann und wie genau Trump über den Coronavirus informiert worden sei, äußerte er sich und dementierte einen Bericht der "Washington Post". Demnach hätten ihn Geheimdienste frühzeitig und regelmäßig vor der Gefahr durch das Virus gewarnt. " Am 23. Januar wurde mir gesagt, dass ein Virus reinkommen könnte, dass das aber nicht von großer Bedeutung sei. Mit anderen Worten, es war nicht: "Oh, wir müssen etwas unternehmen. Es war eine kurze Konversation", erklärte Trump. Kurz danach habe er Einreisen von Ausländern aus China in die USA gestoppt. "Ich habe Hunderttausende Menschenleben gerettet." Seine Regierung habe "einen großartigen Job" gemacht.

Welche Schuld trifft China?

Der US-Präsident wiederholte auch die mittlerweile wohl offizielle US-Sicht, wonach China maßgeblich an der Verbreitung des Virus Schuld sei. Der Präsident sagte auf eine entsprechende Frage, dass er davon ausgehe, dass China die Welt in die Irre geführt habe. "Ich denke, dass sie einen furchtbaren Fehler gemacht haben und ihn nicht zugeben wollten." China hätte die Ausbreitung des Coronavirus über die ganze Welt stoppen müssen. Womöglich sei das aus "Inkompetenz" nicht geschehen. Die USA untersuchten den Ursprung des Virus.

Chinesische Staatsmedien weisen die Vorwürfe der US-Regierung zurück. Es sei eine Strategie, von der eigenen "Unfähigkeit" im Kampf gegen die Pandemie abzulenken, kommentierte die Zeitung "Global Times", die vom kommunistischen Parteiorgan "Volkszeitung" herausgegeben wird. Die Äußerungen von US-Außenminister Mike Pompeo, Geheimdienste gingen "signifikanten" Belegen nach, dass das Virus aus einem Labor in der chinesischen Stadt Wuhan stamme, nannte das Blatt einen "Bluff". Die Wahrheit sei, dass Pompeo keinerlei Beweise hat.

Trump äußerte erneut Kritik an der Weltgesundheitsorganisation WHO, der er vorgeworfen hat, eine "PR-Agentur für China" zu sein. Die finanziellen Beiträge der USA für die WHO hatte er deswegen auf Eis gelegt. Die USA sind der wichtigste Zahler. Nun sagte er: "Die WHO ist eine Katastrophe gewesen. Alles, was sie gesagt haben, war falsch." Kritiker werfen Trump vor, in der Corona-Krise Sündenböcke zu suchen, um von eigenen Versäumnissen abzulenken.

"Wir werden ein unglaubliches Jahr haben"

Der US-Präsident kündigte auch weitere Hilfen für die inzwischen mehr als 30 Millionen Amerikaner an, die wegen der Krise ihre Arbeit verloren haben. "Wir werden mehr unternehmen." Einer arbeitslosen alleinerziehenden Mutter aus Alabama antwortete er, sie werde nach der Krise einen besser bezahlten Job finden. Die Wirtschaft werde sich schnell erholen. "Wir werden ein unglaubliches folgendes Jahr haben", prognostizierte Trump.

Anders als die meisten Experten ist Donald Trump zudem optimistisch was einen Corona-Schutz betrifft: "Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir bis zum Ende des Jahres einen Impfstoff haben werden", sagte er, räumte aber auch ein, dass Ärzte ihm von einer solchen Aussage abraten würden. Seine Regierung habe allerdings trotz der Warnungen eine "Operation Warp-Geschwindigkeit" für die beschleunigte Entwicklung eines Impfstoffes ins Leben gerufen. Auf die Frage, ob es ihn stören würde, wenn andere Staaten schneller einen Impfstoff entwickeln sollten als die USA: "Wenn es ein anderes Land ist, werde ich meinen Hut vor ihnen ziehen."

nik / AFP / DPA