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Drogenbanden in Rio de Janeiro: Die Schlacht ist gewonnen, der Krieg geht weiter

Mit Panzern und Hubschraubern hat die brasilianische Polizei das Elendsviertel Vila Cruzeiro in der Millionenmetropole Rio de Janeiro gestürmt.

Auch nach der Einnahme eines von Drogenbanden kontrollierten Elendsviertels in Rio de Janeiro durch brasilianische Sicherheitskräfte kommt die Millionenstadt nicht zur Ruhe. Hunderte weitere Einsatzkräfte wurden am Freitag in den Einsatz geschickt, wie die Behörden mitteilten. Bei den seit Sonntag anhaltenden Auseinandersetzungen wurden bislang mindestens 30 mutmaßliche Drogenhändler getötet.

"Wir haben einen wichtigen Schritt unternommen, aber es ist noch nichts gewonnen", sagte Sicherheitschef José Beltrame am Donnerstag (Ortszeit). Der Einsatz werde am Freitag fortgesetzt. Es sei wichtig, die Drogendealer "aus dem Territorium zu vertreiben". Das Verteidigungsministerium stimmte dem Einsatz von zusätzlichen 800 Soldaten, zehn gepanzerten Fahrzeugen und zwei Hubschraubern der Luftstreitkräfte zu. Zudem wurden 300 Bundespolizisten für den Einsatz abbestellt.

Am Donnerstag hatte die Polizei die Kontrolle über die Favela Vila Cruzeiro im Norden von Rio zurückerobert. Dabei kamen auch sechs mit Maschinengewehren ausgestattete Panzer der Marine zum Transport von Sicherheitskräften zum Einsatz. Es war der erste Einsatz solcher Panzer im Kampf gegen die Drogenbanden. Polizeiangaben zufolge sollten die Maschinegewehre nicht eingesetzt werden, die Panzer könnten aber auch die steilen Hänge erklimmen, auf denen sich die Favelas befinden, und "jedes Hindernis" überfahren.

Die Polizei reagiert mit den Großrazzien in mehreren Armenvierteln eigenen Angaben zufolge auf eine Welle der Gewalt durch die Drogenhändler, bei der seit Sonntag rund 70 Fahrzeuge in Brand gesetzt und mehrere Polizeistationen angegriffen wurden. Mindestens 190 Menschen wurden festgenommen. Mehrere inhaftierte Drogenbosse, die die Gewalt angeordnet haben sollen, wurden inzwischen in Hochsicherheitsgefängnisse tausende Kilometer von Rio entfernt verlegt.

Der Erfolg der Razzien blieb unklar. Fernsehbilder zeigten, wie zahlreiche bewaffnete Drogenkriminelle die Flucht ergriffen und sich in eine benachbarte Favela absetzten. Der regionale Abgeordnete Marcelo Freixo kritisierte das Vorgehen der Polizei als wirkungslos. "Die Polizei kann in Vila Cruzeiro einmarschieren und weitere hundert Menschen töten, das wird das Problem in Rio de Janeiro nicht lösen", sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Die Behörden gingen lediglich gegen die Kriminellen in den Straßen vor; gegen die Hintermänner etwa des Waffenhandels hingegen nicht.

In Rio leben rund zwei Millionen Menschen in den mehr als 1000 Favelas. Die Regierung will die Kontrolle über die hundert gewalttätigsten Armenviertel wiedergewinnen, bevor in dem Land 2014 die Fußball-Weltmeisterschaft ausgerichtet wird und bevor 2016 in Rio die Olympischen Spiele abgehalten werden. In den Favelas kommt es immer wieder zu heftigen Auseinandersetzung zwischen Sicherheitskräften und Kriminellen. Vor einem Jahr schossen Drogendealer über einer Favela einen Polizeihubschrauber ab, drei Beamte starben.

AFP / AFP