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DSCHENIN: UNO-Delegation ist schockiert

Im Flüchtlingslager Dschenin herrschen katastrophale Zustände. Beobachter der Vereinten Nationen zeigten sich schockiert über das Ausmaß der Verwüstungen.

»Geruch des Todes«

Eine Delegation der Vereinten Nationen zeigte sich entsetzt über die im Flüchtlingslager Dschenin angerichteten Zerstörungen. Der norwegische Delegationsleiter Terje Roed-Larsen sagte am Donnerstag: »Wir sind schockiert.« Die ehedem von 14.000 Menschen bewohnte Siedlung sehe aus wie nach einem Erdbeben. »Der Geruch des Todes liegt über vielen Plätzen.« Er habe die verbrannte Leiche eines etwa zwölfjährigen Jungen gesehen, sagte Roed-Larsen. Israel müsse internationalen Hilforganisationen den sofortigen Zutritt in das Lager erlauben. Nach palästinensischen Angaben kamen in Dschenin mehrere hundert Menschen ums Leben - die israelische Armee bezeichnet diese Angaben als übertrieben und hat erklärt, dass vor allem bewaffnete Kämpfer getötet worden seien.

Jordaniens Außenminister bei Arafat

Unterdessen hat der von israelischen Truppen bedrängte Jassir Arafat den zweiten Tag in Folge internationalen Besuch bekommen: Der jordanische Außenminister Marwan Muascher sprach am Donnerstag in Ramallah mit dem Präsidenten der palästinensischen Autonomiebehörde. Er wurde von einem Arzt begleitet, der Arafat untersuchte. Am Mittwoch war US-Außenminister Colin Powell in Ramallah gewesen; seine zehntägige Vermittlungsmission im Nahen Osten blieb jedoch ohne konkretes Ergebnis.

Stillstand in der Geburtskirche

Verhandlungen über eine Lösung des seit 2. April andauernden Nervenkriegs um die Geburtskirche von Bethlehem wurden am Donnerstag kurzfristig von israelischer Seite abgesagt, wie der Bürgermeister von Bethlehem, Hana Nasser, mitteilte. In der Kirche halten sich mehr als 200 bewaffnete Palästinenser verschanzt. Sie wollen ihren freien Abzug unter dem Schutz internationaler Diplomaten erreichen. Israel fordert hingegen ihre Kapitulation und will anschließend entscheiden, welche Personen vor Gericht gestellt und welche ins Exil geschickt werden sollen.

Der Papst soll helfen

Bürgermeister Nasser rief Papst Johannes Paul II. auf, nach Bethlehem zu kommen und bei der Beilegung der Krise zu helfen. Der Papst war während seiner Pilgerfahrt im Heiligen Land 2000 in Bethlehem gewesen. Von der israelischen Belagerung der Kirchen- und Klosteranlage sind auch rund 50 franziskanische Mönche und Nonnen betroffen.