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Ehrenfriedhof: Zu viele Helden in Arlington

Bis zu 30 Veteranen werden täglich auf dem berühmtesten Heldenfriedhof der Welt bestattet - selbst für das nächste Jahr sind bereits Beisetzungen gebucht. Deshalb wird es langsam eng auf dem US-Nationalfriedhof Arlington. Nun macht die Verwaltung Platz für mehr Grabstätten.

Tote haben alle Zeit der Welt, und das ist gut auf dem US-Nationalfriedhof in Arlington. So viele Menschen werden dort beigesetzt, dass es für die Hinterbliebenen immer schwieriger wird, einen Termin zu bekommen. Bis zu 30 Bestattungen gibt es jeden Tag. Manchmal können Trauernde trotz der sorgfältigen Planung der Friedhofsverwaltung die Gewehrsalven hören, die bei einer anderen Beerdigung abgegeben werden - Dutzende Gräberreihen entfernt.

"Es ist ein schöner Platz"

Schon jetzt sind Urnenbestattungen für das nächste Jahr geplant. Die sterblichen Überreste des teuren Angehörigen in Arlington ruhen zu wissen, ist für viele das Warten wert. "Es ist ein schöner Platz", sagt eine Frau, die ein Blumengebinde auf ein noch frisches Grab legt. Es ist das ihres Sohnes. Im August ist er im Irak-Krieg gefallen.

Arlington ist der berühmteste Friedhof der Welt - spätestens seit 1963, als der ermordete Präsident John F. Kennedy dort beigesetzt wurde. Mehr als 300.000 Menschen sind bisher auf dem landschaftlich schönen Gelände vor den Toren Washingtons bestattet worden: Soldaten, die während ihres aktiven Dienstes gestorben sind, Veteranen, Kriegshelden, Präsidenten, Oberste Richter, Minister, die einst auch Uniform trugen, Ehepartner und minderjährige Kinder. Durchschnittlich 6000 Grabstätten kommen jedes Jahr hinzu, allein im Laufe der vergangenen zwölf Monate gab es fast 6800 Bestattungen.

Die Zahl steigt ständig, denn immer mehr Veteranen des Zweiten Weltkrieges sterben. Etwa tausend sind es jeden Tag, sagt die US-Behörde für Veteranen-Angelegenheiten, mehr als drei Millionen sind noch am Leben. Hinzu kommen die Toten der Kriege im Irak und in Afghanistan. In Arlington wurden bisher mehr als 400 von ihnen zu Grabe getragen.

Platznot auch auf den anderen Nationalfriedhöfen

Kein Wunder, dass es dort und auf den etwa 120 anderen US-Nationalfriedhöfen zunehmend eng wird. Ein anderes Problem ist es, die vielen Bestattungen so zu koordinieren, dass eine Zeremonie nicht durch andere gestört wird. So wird denn der 1864 gegründete und vom Heer verwaltete Friedhof zum ersten Mal seit den 1960er Jahren erweitert. Gut 240 Hektar umfasst er zurzeit einschließlich Verwaltungsgebäuden und dem Gelände des historischen Arlington-Hauses. In dieser Villa lebte einst der Konföderierten-General Robert E. Lee mit seiner Frau Mary Anna Custis Lee, ein Abkömmling von Martha Washington, der Ehefrau des ersten Präsidenten der USA, George Washington. Das Gelände wird nun um fünf Hektar beschnitten, um mehr Toten Platz zum Ruhen zu geben. Weitere Hektar gibt das anliegende Fort Myers ab.

Zusammen mit der Erschließung bisher ungenutzter Friedhofsfläche soll in den kommenden zehn Jahren Raum für etwa 40.000 Gräber und rund 30.000 Urnenbestattungen geschaffen werden. Weitere Ausbauprojekte sind ins Auge gefasst. Zusammen, so zitiert die "Washington Post" Friedhofschefverwalter John Metzler, dürfte der gewonnene Platz ausreichen, den Friedhof bis etwa 2060 für tote Helden offen zu halten. "Wir wollen ihn nicht schließen", sagt Metzler. "Arlington ist wirklich der nationale Friedhof unseres Landes."

Fünf Beisetzungen um neun Uhr, vier um zehn

Aber vorerst heißt es für die Verantwortlichen weiterhin, Bestattungen über Bestattungen sorgfältig zu koordinieren. Fünf gab es neulich an einem Freitag um neun Uhr morgens, dann vier um zehn, sechs um elf und 15 zwischen 13 und 15 Uhr. Das sind mehr, als es eigentlich pro Tag sein sollen. "Aber wenn es sein muss, kriegen wir es hin", sagt Vicki Tanner, Chefin des Friedhofsbestattungsdienstes. Sie studiert nach eigenen Angaben die täglichen Beerdigungsplanungen, Zeitpunkt und Umfang der Zeremonien und wählt dann entsprechend die Grabstätte aus. Mitarbeiter planen die Route der Trauerzüge, um Verkehrsprobleme zu vermeiden, zumal dann, wenn die Särge auf einer von Pferden gezogenen Lafette zu ihrer letzten Ruhestätte gebracht werden.

Seit 30 Jahren arbeitet Tanner mittlerweile auf diesem Friedhof, der auf einer Hügellandschaft hoch über dem Potomac-Fluss im Bundesstaat Virginia liegt. Aber noch immer ist sie von der Schönheit und Würde des Ortes ergriffen wie am ersten Tag, wie sie der "Washington Post" sagte. "Dieser Platz ist ewig."

Gabriele Chwallek/DPA / DPA