El Baradei Spuren hochangereicherten Urans in iranischer Nuklearanlage gefunden


IAEA-Generaldierektor El Baradei im stern-Interview: Spuren hochangereicherten Urans in iranischer Nuklearanlage gefunden

Hamburg - Der Iran ist bei der Entwicklung von Atomwaffen möglicherweise weiter, als bislang vermutet. UN-Inspektoren haben "Spuren hochangereicherten Urans" in der iranischen Nuklearanlage Natanz gefunden. Dies sagte der Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA Mohamed El Baradei in einem Interview mit dem stern:

"Natanz ist der kritischste Punkt unserer Kontrollen. Wir haben Proben genommen und Spuren hochangereicherten Urans gefunden." Das Material fand sich an Gas-Ultra-Zentrifugen. "Dies beunruhigt uns sehr. Sollte sich herausstellen, dass der Iran sein Atomprogramm nicht für friedliche Zwecke nutzt, könnte dies fürchterliche Folgen haben", so El Baradei. Seine iranischen Gesprächspartner hätten erklärt, "es handle sich um Maschinen, die bereits bei der Lieferung verschmutzt waren. Das überprüfen wir. Der Iran muss alles offenlegen", so El Baradei.

Die geheime Uran-Aufbreitungsanlage in Natanz etwa 300 Kilometer südlich von Teheran wurde erst vor knapp einem Jahr entdeckt. Es handle sich um eine Anlage für zivile Zwecke, heißt es in Teheran. Experten bezweifeln dies. In dieser Woche legt die IAEA einen Bericht über den Stand des iranischen Nuklearprogramms vor.

Der Direktor der Atom-Energiebehörde und damit oberster Atom-Kontrolleur der Vereinten Nationen warnt im stern vor einem neuen nuklearen Wettrüsten: "Atomwaffen sind begehrter denn je. Heute wird bereits ernsthaft darüber diskutiert, dass man Atomwaffen einsetzen kann. Auch Diktatoren wollen überleben."

In diesem Zusammenhang wirft El Baradei den USA vor, mit der Forschung an so genannten "Mini-Atombomben" faktisch den Atomwaffensperrvertrag zu brechen: "Hier wird mit zweierlei Maß gemessen. Die US-Regierung verlangt von anderen Staaten, keine Atomwaffen zu besitzen. Andererseits perfektioniert man das eigene Arsenal. Ich glaube, es entspricht nicht dem Vertrag, den sie unterzeichnet haben."

Im Hinblick auf die in dieser Woche beginnenden Atom-Gespräche mit Nordkorea sagt El Baradei: "Zur Zeit stellt Nordkorea die größte Bedrohung dar." Man wisse nicht genau, ob Diktator Kim Jong Il die Atombombe bereits besitze: "Doch wir wissen, das Land besitzt waffenfähiges Plutonium. Damit kann es innerhalb weniger Monate Atombomben bauen." Nordkorea verfolge eine Politik der "nuklearen Erpressung". "Gegen Irak wurden wegen angeblicher Massenvernichtungswaffen Krieg geführt. Aber mit Nordkorea gibt es Gespräche wegen ihres Atomprogramms. Das fordert geradezu zur Nachahmung auf."

Nachrichtenredaktion

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker