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"Ukraine – die Lage" Militärexperte Masala: Putin nutzt Atomkraftwerk als Drohpotenzial

Podcast Ukraine - die Lage AKW Saporischschja
Ein Reaktor des von den russischen Truppen besetzen Atomkraftwerks Saporischschja
© Olexander Prokopenko/AP / DPA
Der Militärexperte Carlo Masala analysiert die Situation an der umkämpften Nuklearanlage Saporischschja sowie die Kalküle Russlands und der Ukraine.

Für den Militärexperten Carlo Masala wird die umkämpfte Nuklearanlage Saporischschja immer mehr zum Teil von Machtspielen Russlands, aber auch der Ukraine. 42 Staaten und die europäische Union hatten am Wochenende den Abzug der russischen Besatzungstruppen von dem Atomkraftwerk gefordert. "Putin wird so etwas überhaupt nicht beeindrucken", vermutet Masala. Russland wolle die Ukraine von der Nuklearanlage abschneiden und den Strom in die besetzte Krim umleiten. "Das ist ein strategisch wichtiges Ziel für Putin."

Gleichzeitig habe der russische Präsident mit dem besetzten Atomkraftwerk die Möglichkeit einer sehr massiven nuklearen Drohung in der Hand. Das verschaffe ihm nach seiner Logik Verhandlungsmacht. Die seit Tagen andauernde Verwirrung um den Kontrollbesuch der Internationalen Atomenergiebehörde wäre danach kein Zufall, sondern Methode. "Wir sehen, dass die Situation von Putin bewusst ausgenutzt wird, um Angst zu schüren", analysiert der Politikprofessor von der Bundeswehruniversität München. Es sei das typische russische Spiel: Zusagen machen und dann Forderungen stellen, die die gemachten Zusagen ins Gegenteil verkehrten. Das zeige alles: "Putin nutzt dieses Kernkraftwerk als Drohpotenzial."

Prof. Dr. Carlo Masala, Professor für Internationale Politik an der Universität der Bundeswehr München
© Imago Images

Dr. Carlo Masala ist Professor für Internationale Politik an der Bundeswehruniversität München. 

Masala: AKW ist "Teil eines Machtspiels in diesem Krieg"

Allerdings hat auch der ukrainische Präsident in dramatischen Worten vor einer nuklearen Katastrophe gewarnt, die auch die Staaten der Europäische Union treffen könne. Nach Masalas Analyse ist es das Ziel von Selenskyj, die Front der 42 Staaten zu stärken und zu erweitern. Der internationale Druck solle Russland dazu bringen, die Anlage zu räumen und an die Ukraine zurückzugeben. Während aber etwa für die Deutschen die Bedrohung durch das Atomkraftwerk eine zentrale Frage sei, sei es für die Akteure vor Ort nur "Teil eines Machtspiels in diesem Krieg".

kng

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