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Erdbeben: Griechen kommen mit Schrecken davon

Am Sonntag bebte in ganz Griechenland die Erde, Millionen Menschen hatten Angst, es gab Sachschäden und Verletzte. Nun beginnen die Aufräumarbeiten: Am schlimmsten betroffen ist die Insel Kythera.

Einen Tag nach dem schweren Erdbeben der Stärke 6,9 in Griechenland haben Ingenieure der Zivilschutzbehörde mit Kontrollen aller Gebäude in den am schwersten betroffenen Regionen begonnen. Nach einer ersten Bilanz sind nur auf der Insel Kythera, die nahe am Epizentrum lag, Schäden angerichtet worden. Die Kirche im Dorf Mitata ist schwer beschädigt und könnte einstürzen. Zudem wurden zehn alte unbewohnte Häuser vollständig zerstört. Weitere 50 Häuser weisen Risse auf. "Die meisten dieser Häuser waren jedoch unbewohnt. Nur sechs Menschen mussten bei Verwandten einziehen", sagte der Präfekt der Region, Ioannis Michas, im griechischen Fernsehen am Montagmorgen.

Auf Kythera und auf der westlichen Seite der Mittelmeerinsel Kreta blieben am Montag die Schulen geschlossen. "Wir müssen aus Sicherheitsgründen diese Gebäude auf ihre statische Sicherheit prüfen. Wir haben jedoch keine nennenswerten Schäden in der Infrastruktur", sagte der Chef des griechischen Zivilschutzes, Panagiotis Fourlas, im Fernsehen. Die Probleme seien seinen Worten nach "weniger als ursprünglich befürchtet" wurde. Einige kleinere Schäden gab es auch in der kretischen Hafenstadt Chania.

Der Kapitän einer Fähre, die zum Zeitpunkt des Seebebens fast genau über dem Epizentrum fuhr, sagte im Fernsehen, dass er den Eindruck hatte, er sei auf eine Sandbank gelaufen. "Das Schiff bewegte sich eigenartig. Als ob wir auf Grund gelaufen wären", sagte er im Fernsehen. Eine Flutwelle wurde jedoch nicht registriert.

Tiefe des Bebens verhinderte Schlimmeres

Das schwere Erdbeben hatte am Sonntag das gesamte östliche Mittelmeer erschüttert. Nach Seismologenangaben dauerten die von den Menschen gespürten Erschütterungen in der betroffenen Region rund 30 Sekunden und in Athen rund 20 Sekunden lang. Häuser schwankten nicht nur in Griechenland, sondern auch in Ägypten, auf Zypern in Israel und Süditalien. Dass Menschen weitgehend verschont blieben, sei nach übereinstimmenden Aussagen von Seismologen auf die große Tiefe des Bebens zurückzuführen - rund 70 Kilometer - und die Tatsache, dass es sich unter dem Meeresboden und nicht in der Nähe eines dicht bewohnten Gebietes ereignete.

Verletzt wurden nach offiziellen Angaben nur drei Menschen: Auf Kreta hätten sich zwei Menschen an Glassplittern geschnitten. Ein dritter Mensch habe sich beim Sprung von einem Balkon leicht verletzt, berichtete der staatliche Rundfunk.

Millionen in Angst und Schrecken versetzt

Nach Rundfunkberichten versetzte das Beben Millionen Menschen in fast allen Landesteilen in Angst und Schrecken. Tausende liefen auf die Straßen. Die Telefonverbindungen brachen vorübergehend zusammen, da Millionen von Menschen nach dem Erdstoß Kontakt zu Verwandten und Bekannten aufzunehmen versuchten. Am Sonntagabend hatte sich jedoch die Lage in fast allen Landesteilen wieder beruhigt.

Griechenland wird jährlich mehrmals von Erdbeben erschüttert. Deshalb müssen die meisten Häuser erdbebensicher gebaut sein. Der Einhaltung der Bauregeln ist nach Ansicht der Seismologen zu verdanken, dass die Zahl der Opfer im Vergleich zu Nachbarländern in Griechenland gewöhnlich klein bleibt.

Die jetzt betroffene Region zwischen Kreta und der Halbinsel Peloponnes liegt an einem rund 1000 Kilometer langen tektonischen Graben, der im Süden der Türkei beginnt und bis ins Ionische Meer reicht. Entlang dieses Grabens stoßen die afrikanische und die europäische Platte aufeinander. Dadurch kommt es immer wieder zu Erschütterungen. Erst 1999 waren in der Nähe von Athen bei einem Erdbeben der Stärke 5,9 143 Menschen ums Leben gekommen. Etwa 2.000 weitere wurden verletzt und tausende obdachlos.

Reuters/DPA / DPA / Reuters