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Ernährungsgipfel: UN wollen mit neuer Strategie Hunger bekämpfen

Die Lage ist dramatisch: Mehr als eine Milliarde Menschen auf der Welt leiden Hunger. Täglich sterben mehr als 24.000 Männer, Frauen und Kinder, weil sie nicht genug zu essen haben. Ein Kurswechsel in der Agrarpolitik der UN soll diesen Teufelskreis durchbrechen.

Investitionen in die Landwirtschaft der Entwicklungsländer statt Lebensmittelhilfen lautet die neue Strategie der internationalen Gemeinschaft im Kampf gegen den Hunger. Der Welternährungsgipfel in Rom beschloss am Montag den Kurswechsel, die Teilnehmer verpflichteten sich aber nicht zu einer bestimmten Investitionssumme. Die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) hatte 44 Milliarden Dollar pro Jahr gefordert, um die 1,02 Milliarden Hungernden auf der Welt nachhaltig zu unterstützen.

Papst Benedikt XVI. betonte in einer Ansprache vor den Delegierten aus fast 200 Ländern, es sei ein Grundrecht des Menschen, ausreichende und gesunde Nahrungsmittel sowie genug Trinkwasser zur Verfügung zu haben. Solange der Hunger in der Welt existiere, gebe es keinen Platz für Überfluss und Verschwendung. Der Papst appellierte an die Gipfelteilnehmer, ihre Märkte für Produkte aus Entwicklungsländern zu öffnen.

Ban Ki Moon: Eine Milliarde Hungernde inakzeptabel

Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon nannte die Zahl von mehr als eine Milliarde Hungernden inakzeptabel. Nach wie vor sterben rund 8,8 Millionen Menschen pro Jahr an den Folgen von Hunger, mehr als 24.000 Männer, Frauen und Kinder pro Tag. Dabei gebe es genug Lebensmittel auf der Welt, sie müssten nur sinnvoll verteilt werden. Von der direkten Lebensmittelhilfe will man nun allerdings wegkommen, wie die FAO betonte. Stattdessen soll den Entwicklungsländern moderne Agrartechnologie einschließlich Bewässerungssystemen, Düngemittel und Düngevorrichtungen zur Verfügung gestellt werden. "Unsere Aufgabe ist es nicht nur, die Hungernden zu versorgen, sondern den Hungernden zu ermöglichen, sich selbst zu versorgen", erklärte Ban. Die internationale Gemeinschaft begreife, dass sie die Landwirtschaft lange vernachlässigt habe, betonte die FAO. Nachhaltige Investitionen in den Agrarsektor seien der Schlüssel zur Lebensmittelsicherheit.

Keine Zielvorgaben zur Ausmerzung des Hungers

Die Welthungerhilfe in Bonn begrüßte die schnelle Einigung auf eine Abschlusserklärung, kritisierte aber die mangelnde Verbindlichkeit. "Jetzt müssen der Deklaration auch schnell Taten folgen, bei einer Milliarde Hungernden darf nicht länger Zeit mit Absichtserklärungen verloren gehen", sagte Rafael Schneider, Welternährungsexperte der Organisation. Kritisiert wurde unter anderem, dass es keine klare Verpflichtung gebe, den Anteil für ländliche Entwicklung an der internationalen staatlichen Entwicklungshilfe zu erhöhen. Derzeit liege der Anteil bei nur 5 Prozent, müsste aber bei rund 20 Prozent liegen, sagte Schneider.

Die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesentwicklungsministerium, Gudrun Kopp, erklärte: "Der nächste Schritt muss eine bessere Kohärenz der Entwicklungs-, Agrar- und Handelspolitik sein sowie die Abschaffung der Agrarexportsubventionen."

Die Schlussdeklaration wurde bereits in den ersten Stunden des Gipfels beschlossen. Nach dem Wunsch der FAO hätten sich die Delegierten auch das Ziel setzen sollen, den Hunger in der Welt bis 2025 auszumerzen. Es wurde aber lediglich das Millenniumsziel bekräftigt, wonach der Hunger bis 2015 halbiert werden soll. Dies ist allerdings kaum absehbar, da die Zahl der Hungernden seit 2000 ständig gewachsen ist und inzwischen die Milliardengrenze überschritten hat.

AP / AP