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Erste Parlamentswahl nach Truppenabzug: Terroristen greifen Wahllokale im Irak an

Bei der Wahl im Irak ist es zu mehreren Anschlägen gekommen. Erstmals seit dem US-Truppenabzug 2011 dürfen die Menschen ihre Stimme abgeben. Doch schon jetzt erscheint die Regierungsbildung schwierig.

Erstmals seit dem Abzug der US-Truppen Ende 2011 wird im Irak ein neues Parlament gewählt. Doch schon zu Beginn haben Extremisten versucht, die Wahl mit Anschlägen zu verhindern. Im Bezirk Al-Dibs nordwestlich von Kirkuk starben zwei Frauen, als ein Sprengsatz neben einer Gruppe von Wählern detonierte. Wie die Nachrichtenagentur Sumeria News meldete, schlugen in den Städten Ramadi und Samarra ebenfalls Granaten neben Wahllokalen ein. Bei Sprengstoffanschlägen vor Wahllokalen in den nördlichen Bezirken Kirkuk, Samarra und Mossul wurden nach Angaben von lokalen Medien und Sicherheitsbeamten insgesamt fünf Soldaten, zwei Polizisten und ein Zivilist verletzt.

Zu Beginn hat sich Regierungschef Nuri al-Maliki siegessicher gezeigt. "Unser Wahlsieg steht fest", sagte er nach der Stimmabgabe in Bagdad. Offen sei, wie hoch er ausfallen werde. Der Schiit steht seit acht Jahren an der Spitze der Regierung und strebt eine dritte Amtszeit an. Er rief seine Landsleute auf, trotz der angespannten Sicherheitslage zur Wahl zu gehen.

Fahrverbot auf den Straßen Bagdads

In Bagdad war die Wahlbeteiligung am Morgen bereits relativ hoch. In der Hauptstadt und in einigen Provinzen gilt ein Fahrverbot. Auch die Flughäfen sind gesperrt. Damit sollten Terroranschläge militanter Islamisten verhindert werden.

Die mehr als 20 Millionen Wähler sollen 328 Abgeordnete für das Parlament bestimmen. Die meisten der 9032 Kandidaten gehören Parteien an, die bestimmte ethnische oder religiöse Gruppen vertreten. Das Land ist zerrissen zwischen den islamischen Religionsgruppen der Schiiten, die die Mehrheit stellen, und der Sunniten, die unter dem früheren Machthaber Saddam Hussein die Vorherrschaft hatten.

Wahlergebnis frühestens am Freitag

Experten zufolge wird wohl keine Partei die Mehrheit der 328 Sitze im Parlament erlangen. Eine Regierungsbildung dürfte daher schwierig werden, selbst wenn Al-Malikis Allianz "Rechtsstaat" stärkste Kraft werden sollte. Nach der Wahl 2010 dauerte es neun Monate, bis eine Regierung stand. Al-Maliki sagte: "Wir werden eine Koalition mit jedem bilden, der einen vereinigten Irak will."

Wegen der jüngsten Eskalation der Gewalt zwischen Schiiten und Sunniten steht Al-Maliki inzwischen auch bei einigen schiitischen Politikern in der Kritik. Sie bemängeln, er pflege einen autoritären Führungsstil. Sunniten werfen ihm vor, er wolle ihre Gemeinschaft zerstören. Das Wahlergebnis wird frühestens am Freitag erwartet.

nck/DPA/Reuters / DPA / Reuters