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Wahlkampf in Dänemark: Mit diesem Facebook-Post schießen die dänischen Rechtspopulisten ein Eigentor

In Dänemark läuft der Wahlkampf schon, obwohl es noch keinen Wahltermin gibt. Die rechtspopulistische Dänische Volkspartei wollte mit einem Beitrag auf Facebook gegen ihre linken Kontrahenten wettern – blamiert sich aber stattdessen.

Der Post der Dänischen Volkspartei bei Facebook

Der Post der Dänischen Volkspartei bei Facebook

Das haben sie sich wohl ganz anders vorgestellt: Die dänische rechtspopulistische Partei "Dansk Folkeparti", zu Deutsch Dänische Volkspartei, wollte mit einem Post auf ihrer Facebookseite den schon anlaufenden Wahlkampf ein wenig anheizen. Bis zum Sommer muss in Dänemark ein neues Parlament gewählt werden, allerdings gibt es noch keinen Wahltermin. Das hindert aber die Parteien nicht daran, schon fleißig um Stimmen zu kämpfen — so auch die "Dansk Folkeparti", die meist nur mit DF abgekürzt wird.

In einem Facebook-Beitrag fragen die Rechtspopulisten die Wähler: "Würdet ihr es wagen, Dänemarks Ausländerpolitik in deren Hände zu legen? Ja oder nein?". Darunter ist ein Bild zu sehen, auf dem vier Politiker des linken Spektrums abgebildet sind: Morten Østergaard von der links-liberalen Partei "Radikale Venstre", Uffe Elbæk von der grünen Partei Alternative, Pernille Skipper von der linksalternativen Einheitsliste Rot-Grün und Pia Olsen Dyhr von der Sozialistischen Volkspartei. Das Ziel der Dänischen Volkspartei liegt auf der Hand: die Migrations- und Ausländerpolitik der politischen Gegner zu diskreditieren und dazu aufzurufen, doch lieber die eigene Politik zu wählen.

User antworten nicht so, wie erwartet

Doch das ging für die Rechten deutlich nach hinten los. Der Beitrag wurde zwar über 30.000 Mal kommentiert und über 1900 Mal geteilt - was auf der Facebookseite der Partei deutlich heraussticht - allerdings fallen die Kommentare der Facebook-User und Wähler nicht so aus, wie DF es wohl gerne gehabt hätte. Zwar schreiben einige, dass sie die politischen Geschicke beim Thema Ausländer und Migration lieber in den Händen von der DF sehen würden. Doch ein deutlicher Großteil kommentiert mit einem "Ja" und möchte, dass sich die Kandidaten des linken Parteienblocks mit dieser Thematik befassen.

So schreibt ein User zum Beispiel: "Ganz klar! Empathie gehört zu den dänischen Werten, die DF versucht von der Landkarte zu streichen." Andere Userinnen schreiben: "Ja, natürlich, das sind ja Menschen mit Respekt gegenüber anderen Menschen." oder "Ja, natürlich! Das ist humaner, als die Aussagen, die von DF kommen!"

Es wird aber auch deutliche Kritik an der rechtspopulistischen Partei in den Kommentaren laut. Eine Userin schreibt: "Ich habe eure Hasspredigten sowohl in den Medien als auch auf den Plakaten in der Stadt satt. Einen ordentlichen Umgang, Sachlichkeit und Humanismus bitte!" Und eine andere schreibt: "Glaubt ihr wirklich, dass die gesamte Bevölkerung Dänemarks so paranoid und bösartig ist wie die DF? Ich könnte nicht damit leben, wenn ich nicht alles dafür tun würde, um euch aus der Bahn zu schubsen."

Bei der Dänischen Volkspartei sorgt man sich nicht

Laut der Medienberaterin Astrid Haug sei der misslungene Facebook-Beitrag nicht sehr gut für die Partei, wie sie dem Sender TV2 erklärt: "Ich glaube nicht, dass sie mit einer solchen Reaktion gerechnet haben. Das gibt schlechte PR und die Menschen machen sich in den sozialen Netzwerken darüber lustig." Laut einem dänischen Beraterbüro seien die vielen Kommentare allerdings gut für die Dänische Volkspartei, da dadurch der Facebook-Algorithmus die DF noch mehr Usern präsentiert, so TV2. Kostenlose Wahlwerbung für die Partei also.

Bei der Dänischen Volkspartei selbst will man trotz der vielen negativen Kommentare nichts ändern, sagt der migrationspolitische Sprecher der DF, Martin Henriksen, der Zeitung "BT": "Das, was ich daraus mitnehme ist, dass wir den Wählern besser erklären müssen, dass unsere Politik die richtige Medizin für Dänemark ist. (…) Ich kann denen, die immer noch an die Positionen von DF festhalten, versichern, dass wir den Kurs nicht geändert haben."

In Dänemark muss im Juni ein neues Parlament gewählt werden. Traditionell ruft der Ministerpräsident allerdings schon vorher Neuwahlen aus, drei Wochen später wird dann immer gewählt. In den Umfragen verliert die DF deutlich: Laut einer Umfrage von "Greens" würde die DF knapp sieben Prozentpunkte und elf Mandate im Vergleich zur Wahl 2015 verlieren. Gut sieht es hingegen für die Sozialdemokraten und die anderen linken Parteien wie die Sozialistische Volkspartei oder "Radikale Venstre" aus. Zusammen würden sie mit ihrem politischen Block auf über 55 Prozent der Mandate kommen, womit die Sozialdemokraten einen Regierungsauftrag erhalten könnten.

Quellen: Facebook-Beitrag von Dansk FolkepartiTV2, "BT", "Børsen"

Zahlreiche Flüchtlinge laufen am 09.09.2015 bei Kliplev über die Fahrbahn der dänischen Autobahn E 45 in Richtung Norden. Die Flüchtlinge wollen sich nicht in Dänemark registrieren lassen, sondern zu Fuß weiter nach Schweden reisen
tkr