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Fariñas beendet Hungerstreik: Kuba will über 50 politische Häftlinge freilassen

Bei einer der größten Freilassungsaktionen seit Jahren sollen auf Kuba mehr als 50 Dissidenten aus der Haft entlassen werden. Der bekannte Oppositionelle Guillermo Fariñas beendete nach der Mitteilung seinen monatelangen Hungerstreik.

Nach Verhandlungen mit Spanien und der katholischen Kirche hat Kuba überraschend die Freilassung von 52 politischen Häftlingen angekündigt. Fünf von ihnen sollten direkt freigelassen werden, die anderen in den kommenden Monaten, teilte die katholische Kirche am Mittwoch (Ortszeit) mit. Der inhaftierte Regierungskritiker Guillermo Fariñas beendete daraufhin am Donnerstag nach mehr als vier Monaten seinen Hungerstreik.

Fünf der 52 ausgewählten politischen Häftlinge würden "in den kommenden Stunden" freigelassen und könnten in Begleitung ihrer Familien nach Spanien reisen, erklärte das Erzbistum Havanna. Die anderen 47 Gefangenen sollten in einem Zeitraum von "drei oder vier Monaten" freikommen. Kurz vor dieser Ankündigung hatte sich Spaniens Außenminister Miguel Angel Moratinos mit Kubas Staatschef Raúl Castro und dem Erzbischof von Havanna, Kardinal Jaime Ortega, getroffen, der in der Angelegenheit als Vermittler diente. Es ist die erste umfangreiche Gefangenenfreilassung, seit Raúl Castro 2008 offiziell die Macht von seinem kranken Bruder Fidel übernahm.

In einer ersten Reaktion sagte Moratinos, der Schritt sei der Beginn einer "neuen Ära", in der der Wille herrsche, die Angelegenheit der politischen Häftlinge "ein für allemal" zu klären. Spanien sei bereit, alle 52 Häftlinge aufzunehmen, "so diese es wünschen". Moratinos hatte am Dienstag angedeutet, dass sich Kubas Beziehungen zur EU wieder bessern könnten, sofern Gefangene freigelassen würden.

Über die Identität der 52 Häftlinge wurde zunächst nichts bekannt. Sie gehören zu einer Gruppe von insgesamt 75 kubanischen Regierungsgegnern, die im März 2003 festgenommen und zu Haftstrafen zwischen sechs und 28 Jahren verurteilt worden waren. Die Opposition hatte die Aktion zum "Schwarzen Frühling" erklärt.

Nach der Ankündigung beendete der Dissident Fariñas seinen Hungerstreik, wie die Oppositionelle Gisela Delgado nach einem Besuch bei dem 48-Jährigen auf einer Intensivstation im zentralkubanischen Santa Clara mitteilte. Etwa 30 Regierungskritiker waren dorthin gereist, um den in Lebensgefahr schwebenden Dissidenten zu überzeugen, seinen seit 135 Tagen dauernden Hungerstreik für die Freilassung von 26 kranken politischen Gefangenen zu beenden.

EU-Außenministerin Catherine Ashton begrüßte die Ankündigung der Freilassungen und äußerte die Hoffnung, dass Kuba die Vereinbarung "schnell" umsetze. US-Außenministerin Hillary Clinton nannte die Zusage aus Havanna "ein positives Zeichen". Der Schritt sei "überfällig" und "sehr willkommen", fügte sie vor Journalisten in Washington hinzu. Amnesty International begrüßte die Ankündigung ebenfalls, forderte jedoch, alle 52 politischen Gefangenen sofort freizulassen.

AFP/DPA / DPA