VG-Wort Pixel

Foltervorwürfe gegen den Iran Wurde Aschtianis TV-Geständnis erzwungen?


Vor dem ganzen Land hat die Iranerin Sakineh Mohammadi-Aschtiani in einem TV-Interview ihre Mitschuld am Tod ihre Ehemannes eingestanden. Nun droht ihr der Tod durch den Strick. Alles gelogen, sagt hingegen ihr Anwalt: Das Geständnis soll durch Folter erzwungen worden sein.

Nach einem TV-Geständnis der zum Tod durch Steinigung verurteilten Iranerin Sakine Mohammadi Aschtiani hat ihr Anwalt Teheran Folter vorgeworfen. Seine Mandantin sei "schwer geschlagen und gefoltert" worden, um sie zu dem Geständnis vor laufender Kamera zu zwingen, sagte ihr Anwalt Hutan Kian der britischen Zeitung "The Guardian" am Donnerstag. Es sei zu fürchten, dass die iranischen Behörden das Todesurteil jetzt schnell vollstreckten.

Das Steinigungsurteil gegen die 43-jährige Mohammadi Aschtiani hatte weltweit Proteste ausgelöst. In einer Sendung des staatlichen iranischen Fernsehens hatte eine als Mohammadi Aschtiani vorgestellte Frau am Mittwochabend zugegeben, dass ihr Liebhaber ihr vorgeschlagen habe, ihren Ehemann zu töten. Sie sei dann bei dem Mord selbst zugegen gewesen. Die Frau, die sich in Aseri - einer Turksprache - äußerte, war nicht zu erkennen. Sie trug einen schwarzen Tschador, der nur ihre Nase und ein Auge frei ließ.

Der 22-jährige Sohn und die 17-jährige Tochter der Iranerin seien "vollkommen traumatisiert", nachdem sie die Sendung gesehen hätten. Es sei zu fürchten, dass Mohammadi Aschtiani bald getötet werde. Nach Medienberichten ist die Steinigung nach den internationalen Protesten inzwischen in eine Hinrichtung durch Erhängen umgewandelt worden.

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International wurde Mohammadi Aschtiani 2006 oder 2007 verurteilt und hat bereits 99 Peitschenhiebe als Strafe erhalten. Unter anderem aus den USA und aus Großbritannien kamen lautstarke Proteste gegen die als "mittelalterlich" und "barbarisch" kritisierte Hinrichtung durch Steinigung.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker