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Frankreich: Krawalle ohne Ende

Trotz Ausnahmezustands wurden in der 13. Krawallnacht Großmärkte, Bibliotheken und Busse angezündet. In Lyon legte die Explosion einer Brandbombe das U-Bahn-System lahm.

Die sozialen Unruhen in Frankreich haben auch nach In-Kraft-Treten des Ausnahmezustands angedauert. Randalierer zündeten die 13. Nacht in Folge Fahrzeuge und Gebäude an. In der zweitgrößten Stadt Lyon legte die Explosion einer Brandbombe in der Nacht das U-Bahn-System lahm.

In Toulouse ging die Polizei mit Tränengas gegen Randalierer vor, die Brandsätze warfen. Bei der Explosion in einer U-Bahn-Station in Lyon wurde laut Behördenangaben niemand verletzt. Die Verkehrsunternehmen wollten am heute entscheiden, wann der Bahn-Betrieb wieder aufgenommen werden soll.

Unruhen noch angeheizt

In Arras im nördlichen Departement Pas-de-Calais setzten Jugendliche zwei benachbarte Großmärkte in Brand, wie Polizeisprecher Patrick Reydy mitteilte. In Grasses im Südosten brannte das Gebäude der lokalen Tageszeitung. In einem Busdepot in Dole im östlichen Departement Jura gingen neun Busse in Flammen auf. Ein weiterer Bus explodierte in Bassens in der Nähe von Bordeaux, nachdem eine Brandbombe hinein geworfen wurde. Der Fahrer habe sich gerettet, sagte Reydy.

Innenminister Nicolas Sarkozy sagte in Toulouse vor Vertretern von Polizei und Feuerwehr: "Wir haben alle keine Wahl. Wir müssen unser Ziel erreichen. Wir werden keinen Zentimeter nachgeben." Sarkozy hatte die jugendlichen Randalierer in den vergangenen Tagen mehrfach als "Gesindel" bezeichnet und damit nach Ansicht von Kritikern die Unruhen noch angeheizt. In einem Einwandererviertel in Nizza wurde ein Mann von einer Hantel getroffen und schwer verletzt, die aus einem Hochhaus fiel. Ob es sich um einen Angriff oder einen Unfall handelte, war nach Angaben der lokalen Behörden zunächst nicht klar. In dem Viertel war es in den vergangenen Tagen zu Ausschreitungen gekommen.

12 Tage Notstand

Der auf zwölf Tage befristete Notstand trat um Mitternacht in Kraft. Staatspräsident Jacques Chirac griff dafür auf ein 50 Jahre altes Gesetz zurück, das die Verhängung von Ausgehverboten ermöglicht und die Befugnisse der Sicherheitskräfte erweitert. Die Städte Orléans und Amiens hatten bereits für den Abend ein Ausgehverbot angekündigt, das allerdings auf Minderjährige unter 16 Jahren beschränkt war.

Die Gemeinde Raincy bei Paris hatte bereits in der Nacht zuvor Jugendliche von den Straßen verbannt und Erfolge gemeldet. Auch insgesamt war die Gewalt in der Nacht zum Dienstag etwas zurückgegangen, vor allem im Großraum Paris.

AP / AP