Frankreich Rechtsextremist Le Pen zieht sich zurück


Jean-Marie Le Pen, der Gründer der rechtsextremen französischen Partei Front National (FN), will aus dem politischen Geschäft aussteigen. Die nächste Präsidentschaftswahl soll ohne ihn stattfinden, und auch den Partei-Vorsitz will er bald abgegeben. Als Nachfolgerin empfiehlt er seine Tochter Marine.

Der französische Rechtsextremist Jean-Marie Le Pen hat seinen Rückzug aus der Politik angekündigt. Bei der nächsten Präsidentschaftswahl 2012 wolle er nicht wieder antreten, sagte der 80-Jährige der Wochenzeitung "Valeurs actuelles". Bereits in zwei Jahren wolle er den Vorsitz seiner Partei Front National abgeben.

Damit geht eine der umstrittensten politischen Karrieren der jüngeren französischen Geschichte zu Ende. Le Pen ist wegen rassistischer und antisemitischer Äußerungen mehrfach verurteilt worden. Im Jahr 2002 hatte er in Frankreich ein politisches Erdbeben ausgelöst, als er es überraschend in die Stichwahl gegen den damaligen Amtsinhaber Jacques Chirac schaffte. 1972 hatte Le Pen die Partei Front National gegründet, die einflussreichste nationalistische Bewegung der Nachkriegsgeschichte. Insgesamt fünf Mal stellte er sich zur Präsidentschaftswahl.

"Ich habe mich in den 50 Jahren meiner politischen Laufbahn nicht verändert", sagte er vor der letzten Präsidentschaftswahl der Nachrichtenagentur AP. Sein großes Thema ist der Kampf gegen Einwanderung. Auch wegen Verharmlosung der Nazi-Verbrechen wurde er mehrfach verurteilt. 1991 musste er 1,2 Millionen Francs zahlen, weil er die Gaskammern der Nazis als "Detail der Geschichte" bezeichnet hatte. Erst im August erhielt er wegen Rechtfertigung von Kriegsverbrechen drei Monate Haft auf Bewährung.

Tochter Marine als Nachfolgerin vorgeschlagen

In dem Zeitungsinterview sagte Le Pen, er werde die Verantwortung für die FN noch zwei Jahre tragen. Als Nachfolgerin empfahl er seinen Anhängern bereits seine Tochter Marine Le Pen, die seinen letzten Wahlkampf leitete. Sie sei "näher an den Sorgen der Menschen als ihr Hauptkonkurrent Bruno Gollnisch". Sie habe Charisma, sei sympathisch und komme "in den Medien sehr gut rüber", sagte er. Sie werde bei der nächsten Wahl zudem erst 43 Jahre alt sein und damit deutlich jünger als andere mögliche Kandidaten aus seiner Partei.

Die Rücktrittsankündigung kommt nicht nur wegen seines hohen Alters wenig überraschend. Bei der Wahl im April 2007 landete Le Pen mit 10,4 Prozent der Stimmen auf dem für ihn enttäuschenden vierten Platz. Dem konservativen Kandidaten Nicolas Sarkozy war es gelungen, einen Großteil der FN-Wähler für sich zu gewinnen. Wegen massiver Finanzprobleme musste die Partei kürzlich ihre Parteizentrale verkaufen. Seine gepanzerte Limousine versteigerte Le Pen im Internet.

AP/AFP AP

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