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Französische Geiseln: Fünf Millionen Dollar für zwei Leben

Neue Hoffnung für die im Irak verschleppten französischen Reporter: Die Entführer haben ein Lösegeld in Höhe von fünf Millionen Dollar gefordert und ein neues Ultimatum gesetzt. Zeit: 48 Stunden.

Die beiden im Irak verschleppten Franzosen Christian Chesnot und Georges Malbrunot stecken weiter im Dschungel Aufständischer fest. Hoffnungen, die Reporter könnten noch am Wochenende aus der Widerstandshochburg Falludscha freikommen, haben sich zerschlagen. Auch französischen Trumpfkarten - der Widerstand gegen den Irak-Krieg der USA und gute Kontakte in die arabische Welt - haben das Blatt zunächst nicht wenden können.

Jetzt haben die mutmaßlichen irakischen Entführer zweier französischer Journalisten offenbar ein Lösegeld in Höhe von fünf Millionen Dollar gefordert und Frankreich ein neuerliches Ultimatum von 48 Stunden gesetzt. Ein früheres Ultimatum der Entführer war vergangene Woche verstrichen.

Das Geld müsse in diesem Zeitraum gezahlt werden, damit die Geiseln freikämen, hieß es am Montag in einer Erklärung, die von der radikalen Moslem-Gruppe "Islamische Armee im Irak" stammen soll. Diese Gruppe hatte zuvor Videos an den arabischen Fernsehsender Al-Dschasira geschickt, die die zwei am 20. August entführten Franzosen zeigen. Die Echtheit der im Internet verbreiteten Erklärung war zunächst nicht zu überprüfen.

"Frühere Studenten von uns"

"Frankreich ist der beste Freund der Araber", hatte ein französischer Muslimvertreter an die Entführer der selbst ernannten Islamischen Armee im Irak appelliert. Die Franzosen verhandelten in der Umm-el-Kura-Moschee am Rande Bagdads mit dem sunnitischen Rat der Religionsgelehrten. Der mächtige Bau ist das Hauptquartier des Rates. Vier blaue Türme ragen martialisch wie Raketen in den Himmel, vier Türme sind den mit Griffstücken versehen Läufen von Kalaschnikow- Sturmgewehren nachempfunden. Der Religionsgelehrte Kachar el Ani will nicht sagen, wie Verhandlungen mit Geiselnehmern in der Praxis ablaufen. "Unser Kanal zu ihnen ist, dass sie uns als islamische Gelehrte respektieren. Einige sind frühere Studenten von uns."

Ein europäischer Diplomat in Bagdad ist aber überzeugt, der Arm der Gelehrten reiche lange nicht mehr bis in alle militanten Splittergruppen. In Falludscha stehen irakische Nationalisten islamistischen Kämpfern und auf Profit ausgerichteten Banden gegenüber. Einem Bericht der Zeitung "Al-Hayat" zufolge sollen sich dort mehr als 2000 arabische Kämpfer aufhalten. Überwiegend folgten sie Befehlen des jordanischen Terroristen Abu Mussab el Sarkawi.

Von der Islamischen Armee im Irak ist bisher nur wenig bekannt. Geheimdienste und irakische Behörden tragen Information zusammen. So wird davon ausgegangen, dass radikale Sunniten die Gruppe, die sich irakischen Nationalismus und einen Glaubenskrieg auf die Fahnen geschrieben hat, dominieren. Obwohl die Franzosen südlich von Bagdad verschleppt wurden, soll die Basis der Islamisten in der Provinz Anbar liegen, westlich von Bagdad.

"Sie haben euch nichts getan"

Ein Prediger in der Umm-el-Kura-Moschee warnt, dass Morde an Zivilisten im Irak, zu denen sich die Islamische Armee in mindestens drei Fällen bekannt hat, nicht von den Glaubensgesetzen gedeckt seien. Vergeblich habe er sich aber gegen den Mord an zwölf Nepalesen ausgesprochen, rügt er in seiner Freitagspredigt. "Gott wird uns nach der Auferstehung nach diesen Leuten fragen", ruft er ins Mikrofon. "Sie waren unschuldig und haben euch nichts getan."

Carsten Hoffmann/DPA / DPA