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Soldaten am Hindukusch: Frontbesuch in Afghanistan: Kampf in einem verlorenen Krieg

In Afghanistan kämpft der Westen schon 16 Jahre. Noch immer sind 980 deutsche Soldaten am Hindukusch stationiert. Ihr Auftrag: die Ausbildung der afghanischen Armee. Ihre Mission: aussichtslos. Ein Frontbesuch.

Dass dieser Krieg sich gewandelt hat, dass jetzt nur noch die Afghanen kämpfen und sterben und nicht mehr die Deutschen, dass die Deutschen nur noch reden und auf Karten zeigen und hoffen können, dass am Ende nicht alles umsonst gewesen ist, das wurde Martin Kerstens* klar, als er wieder auf dem Parkplatz vor der Kantine stand, im Camp Marmal, östlich von Mazari-Sharif, im Norden Afghanistans.

Kerstens ist schon einmal hier gewesen, vor sechs Jahren. Da haben die Soldaten der Bundeswehr noch geschossen und sind gestorben in ihrem Einsatz. Auf dem Parkplatz standen Dingos und Fenneks, riesige Fahrzeuge mit Maschinengewehren obendrauf, gepanzert und endlos schwer, dicht an dicht, und überall liefen schwer bewaffnete Soldaten herum. Jetzt stehen da ein paar weiße Jeeps und Vans. Es sieht aus, als hätte es in Afghanistan Fortschritte gegeben.

In Afghanistan fiel der erste deutsche Soldat in einem Gefecht seit dem Zweiten Weltkrieg

Kerstens aber sagt: "Wir fangen jeden Morgen wieder bei null an." Mit dem Fortschritt in Afghanistan sei das so eine Sache. Ein Schritt vor, sagt er, und drei Schritte zurück. An einem Mittwochmorgen sitzt Martin Kerstens in einem Helikopter, der ins Camp Shaheen fliegt, in den Stützpunkt der afghanischen Armee im Norden. Der Winter kriecht in diesen Tagen vom Hindukusch runter ins Land, es regnet zum ersten Mal seit sieben Monaten, bald kommt der Schnee.

Kerstens hat seinen Gefechtshelm Typ M92 auf, seine kugelsichere Weste aus Keramik und Aramit, wie ein Kuscheltier liegt das G36 in seinem Schoß, das Standardgewehr der Bundeswehr.

Kerstens ist Soldat bei der Artillerie. Er ist einer von knapp 60 Ausbildern, die von der Bundeswehr im Rahmen der Nato-Mission "Resolute Support" nach Afghanistan geschickt wurden. Zusammen mit mehr als 900 Soldaten, die dafür da sind, dass die Ausbilder ihren Job machen können: Logistiker, Techniker, Bürokräfte.

Zuckerkügelchen gegen Schokopralinen: Kerstens erklärt Oberstleutnant Abdul Latif (M.) ein militärisches Manöver

Zuckerkügelchen gegen Schokopralinen: Kerstens erklärt Oberstleutnant Abdul Latif (M.) ein militärisches Manöver

Es ist die zweite Mission der Nato am Hindukusch. Isaf, die erste, begann 2001, sie dauerte 13 Jahre, knapp 140.000 Soldaten waren zwischenzeitlich im Land. Das Ganze war ein Krieg, den in Deutschland lange Zeit niemand Krieg nennen wollte. Es sollte ums Brunnenbauen gehen, dabei ging es oft ums Töten und ums Sterben. In Afghanistan fiel der erste deutsche Soldat in einem Gefecht seit dem Zweiten Weltkrieg. Einer von 56 toten Deutschen.

Jetzt, bei Resolute Support, sollen Nato-Soldaten ihren afghanischen Kameraden beibringen, wie die den Kampf um ihr Land selbst führen. Die Lage: Direkt nach dem Ende von Isaf waren die Taliban wieder da, oder sie waren immer noch da, jedenfalls sind sie heute überall. Die afghanische Armee zahlt einen dramatisch hohen Blutzoll bei dem Versuch, Afghanistan nicht an die Islamisten zu verlieren. Allein in diesem Jahr sind fast 350.000 Menschen aus ihren Heimatorten geflohen. Neben den Taliban breitet sich die Terrormiliz des "Islamischen Staats" unter den Augen der internationalen Gemeinschaft aus. Das Land ist eines der korruptesten der Welt. Die Anbauflächen für Schlafmohn sind im Vergleich zum vergangenen Jahr um 63 Prozent gestiegen. Die Bundesrepublik hat ihr Konsulat in Mazar-i-Sharif und ihre Botschaft in Kabul nach Anschlägen geschlossen. Um kurz vor neun an diesem Morgen betritt Kerstens einen Raum im "Safe Haven" und ruft: "Zeit für Speeddating!"


Im April sind 140 afghanische Soldaten massakriert worden

Der "Safe Haven" ist ein Lager im Lager der Afghanen, das von der Nato bewacht wird, in das nur Nato-Soldaten gelangen, in dem sie sicher sind vor ihren Verbündeten, den Afghanen. Hunderte internationale Soldaten sind im Laufe der Jahre bei sogenannten Insider Attacks getötet worden, also bei Angriffen von afghanischen Soldaten auf ihre Verbündeten.

Drei Holländer melden sich, sie werden heute Kerstens "Guardian Angels" sein, seine Schutzengel. Sie werden ihn den Rest des Tages nicht aus den Augen lassen und ihre Finger nicht von den Abzügen ihrer Sturmgewehre nehmen.

Als Kerstens und seine Schutzengel in ihrem gepanzerten Konvoi rausfahren aus dem "Safe Haven", erst durch die erste Schleuse, dann durch die zweite, dann durch die dritte, raus in das Lager der Afghanen, als sie dann vorbeifahren an der Camp-Moschee, in der erst im April 140 afghanische Soldaten von Attentätern massakriert wurden, liegt eine Atmosphäre in der Luft, als zögen sie in eine Schlacht.

Blick durchs Panzerglas: Der direkte Kontakt zu den Menschen im Land gilt als zu gefährlich. Die Nato-Soldaten verlassen ihr Lager möglichst selten

Blick durchs Panzerglas: Der direkte Kontakt zu den Menschen im Land gilt als zu gefährlich. Die Nato-Soldaten verlassen ihr Lager möglichst selten

Ein paar Minuten später betritt Kerstens das Büro von Oberstleutnant Abdul Latif, er sagt Salam Alaikum, Friede sei mit dir, und stellt sein Sturmgewehr griffbereit neben sich ab. Es gibt Tee und Süßigkeiten. Das Büro ist ein kleiner Raum, sechs afghanische Soldaten sitzen da und haben die Hände im Schoß gefaltet. Oberstleutnant Latif ist im Norden zuständig für sämtliches "Indirect Fire", also für Mörser und Artillerie. Ein kleiner Mann, der als Double von Danny DeVito arbeiten könnte.

Kerstens hat ein Problem mitgebracht, das er heute gern lösen möchte. Die Afghanen sollen ihre Artillerie auf eine bestimmte Art und Weise einsetzen. "Die wollen an jedem Checkpoint eine Haubitze stehen haben, damit der Taliban da gar nicht erst hinkommt", sagt er. Das ergebe militärisch aber keinen Sinn. "Man will die dort stehen haben, wo sie den Feind treffen können." Man wolle den Feind ja nicht einschüchtern. "Der Feind soll weg."

Seine Hoffnung: dass irgendwo eine Regel steht, die den Afghanen genau seine Art und Weise vorschreibt. Kerstens möchte sagen können: Guck, steht doch hier. "Sonst", sagt er, "hören die nicht."

Als er um kurz vor elf den Raum wieder verlässt, lässt er sein Problem zurück. Ob er eine Lösung im Gepäck hat, weiß er nicht so recht. Er hat lange über dies und das geredet, denn das schreiben die Regeln der afghanischen Gastfreundschaft vor. Die Soldaten im Raum haben nebenbei telefoniert, sind rausgegangen, wieder reingekommen und wieder rausgegangen. Kerstens hat mit Süßigkeiten eine Kriegssituation nachgespielt, Zuckerkügelchen gegen Schokopralinen. Dann hat Oberstleutnant Latif Bücher herausgeholt, in denen vielleicht Vorschriften stehen, aber er wusste das nicht so genau, denn die Bücher hatte offensichtlich noch nie jemand in der Hand.

"Was die Menschen hier nicht wollen: auf einer Frontlinie leben."

Ganz am Ende, als Kerstens gerade gehen wollte, hat Latif gesagt, er wolle die Artillerie auf jeden Fall genau so einsetzen, wie Kerstens ihm das sagt, denn das sei die effektivste Methode. Aber die Chefs in Kabul, die machten ihm das Leben schwer.

Alles, alles, alles, sagt Kerstens, dauere bei den Afghanen länger.

Als Kerstens zurückfährt in den "Safe Haven", kommt er an einem Parkplatz vorbei. Eher ein Autofriedhof. Ford Ranger stehen dort herum, haufenweise, alle kaputt. Die haben die Afghanen von den Amerikanern geschenkt bekommen, und wenn die Bremse kaputt war oder ein Stoßdämpfer, haben die Amerikaner einfach einen neuen geschenkt, und die halb kaputten wurden hier abgestellt. "So führen die Amerikaner hier ihren Krieg, bis heute", sagt Kerstens.

Noch nie wurden so viele amerikanische Bomben über Afghanistan abgeworfen wie in diesem Jahr. 1662 Zivilisten wurden im ersten Halbjahr getötet, mehr als 400 Kinder. Gleichzeitig liefern die Amerikaner 150 Helikopter und 6500 gepanzerte Humvees an die afghanische Armee. Erst lassen sie das Land in Flammen aufgehen, dann fluten sie es mit Geschenken.

Umgang mit Kompass und Karte: Viele afghanische Soldaten sind so schlecht ausgebildet, dass sie erst einmal die militärischen Grundlagen erlernen müssen

Umgang mit Kompass und Karte: Viele afghanische Soldaten sind so schlecht ausgebildet, dass sie erst einmal die militärischen Grundlagen erlernen müssen

Kerstens sagt, einem afghanischen Bauern sei egal, ob in seinem Dorf ein Taliban der Chef sei oder die Regierung in Kabul. Die Taliban sind in der afghanischen Zivilbevölkerung tief verwurzelt, ihr Rückhalt in vielen Regionen ist groß.

"Was die Menschen hier nicht wollen: auf einer Frontlinie leben." US-Präsident Trump wollte seine Truppen eigentlich aus Afghanistan abziehen, jedenfalls hatte er das im Wahlkampf behauptet. Dann stellte er jedoch fest, dass die USA ein gefährliches Vakuum hinterlassen würden. Jetzt will Trump mehr Truppen schicken.

Ob dem ein Plan zugrunde liegt? Kerstens zuckt mit den Schultern. In einer Ecke des Autofriedhofs stehen drei Haubitzen, schweres Gerät, aber leider 60 Jahre alt. "Man kann damit treffen, wenn man ein bisschen Glück hat", sagt Kerstens.

Seit Monaten stehen die Haubitzen hier im Dreck. Erst hat die Sonne die Abdeckplane zerfressen, jetzt zerfrisst der Regen den Stahl.

"Wir machen hier Minitrippelschritte", sagt Kerstens.

Einen vor. Drei zurück.

Die Sicherheit schwindet

Auf der anderen, vom Lager der Afghanen aus gesehen östlichen Seite von Mazar-i-Sharif liegt das Lager der Deutschen. Direkt hinter dem Camp ragt das Marmal-Gebirge in den Himmel, breitschultrig wie ein Leibwächter steht es da. Der Mann, der für den Einsatz der Deutschen in Afghanistan derzeit die Verantwortung trägt, sieht aus, wie er heißt: Brigadegeneral Stahl.

Stahl sitzt am Ende eines langen Tages in seinem Büro im Camp Marmal, von der Wand schauen der Bundespräsident und die Verteidigungsministerin freundlich herab. Stahl guckt ernst und sagt: "Es gibt hier keine einfache Lösung."

Wolf-Jürgen Stahl ist seit Anfang Oktober im Land, es ist sein zweiter Einsatz in Afghanistan. Der erste war 2006, als die Nato gerade entschied, "in die Fläche zu gehen". Danach fing das große Sterben an.

Endloser Einsatz: Brigadegeneral Wolf-Jürgen Stahl ist der Oberkommandierende der Deutschen in Afghanistan. Er sagt: "Wir brauchen hier mehr Soldaten. Und wir brauchen mehr Zeit"

Endloser Einsatz: Brigadegeneral Wolf-Jürgen Stahl ist der Oberkommandierende der Deutschen in Afghanistan. Er sagt: "Wir brauchen hier mehr Soldaten. Und wir brauchen mehr Zeit"

General Stahl drückt sich gern in Bildern aus. In seiner Sprache ist Afghanistan ein Patient. "Sehen Sie, das Ziel ist ein gesunder Patient. Nur: Welche Therapie führt zu diesem Ziel?" Eine interessante Frage in einem Krieg, der ins 17. Jahr geht.

Stahl sagt, der erste Therapieansatz, in der Hauptstadt Kabul für Ordnung zu sorgen, habe nicht gereicht. Dann habe man ganz Afghanistan Wohlstand und Sicherheit geben wollen. Das habe nicht funktioniert wie erhofft. Und nun? Im Prinzip, sagt Stahl, bleibe nichts, als dass der Patient sich selbst heilt. Er klingt dramatisch hilflos. Der Patient liege aber nun mal auf dem Tisch. "Überlasse ich ihn jetzt sich selbst, oder sehe ich mich in der Pflicht, ihm zu helfen?"

Militär kann immer nur Zeit kaufen, indem es eine Sicherheit schafft, in der staatliche Institutionen handeln können – als Justiz, die Ordnung schafft, als Politik, die Gesetze macht, als Medien, die informieren. Und es gab ja Erfolge: Krankenhäuser, Schulen, Straßen, gebaut von den Deutschen. Nur: Wenn die Sicherheit im Land nicht hält, bringt das alles nichts. Und die Sicherheit schwindet. In all den Jahren des Einsatzes, so scheint es, haben die Militärs ihre Strategien nicht der Realität angepasst. Sie wollten der Realität ihre Strategien überstülpen. Es war zum Scheitern verdammt. Wenn es nach Stahl geht, sind zwei Dinge klar: Es braucht hier mehr Soldaten. Und mehr Zeit. "Die Amerikaner reden hier auch nicht von Jahren. Sie reden von Dekaden." Da sollten wir in Deutschland auch endlich ehrlich machen, sagt er, und eine Debatte darüber führen, ob wir das wollen oder nicht.

Als am nächsten Morgen der erste Helikopter in das Tal geflogen kommt und seine Zwölf-Millimeter-Geschosse in die Zielscheibe jagt, als mit kurzer Verzögerung der Schall an das Trommelfell dringt, sagt Kerstens: "Geil, oder?"

Vor ihm hocken ein paar afghanische Soldaten im Dreck, sie starren auf Karten und Kompasse. Es zieht, es regnet, es ist kalt.

Einsatzgebiet Die Deutschen, stationiert in Camp Marmal, sind zuständig für den Norden, eine Fläche fast halb so groß wie Deutschland

Einsatzgebiet Die Deutschen, stationiert in Camp Marmal, sind zuständig für den Norden, eine Fläche fast halb so groß wie Deutschland

Eine Übung. Die Afghanen werden zu sogenannten JTACs ausgebildet: Joint Terminal Attack Controllers, Soldaten, die im Gefecht die Koordinaten des Feindes an die Luftwaffe funken. Eine Fähigkeit, deren Ausbildung bei der Nato mehrere Monate dauert. Für die Afghanen hatten sie einen Drei-Wochen-Kurs eingeführt. Aber einmal, erzählt Kerstens, wurden die Koordinaten der Zielscheibe mit denen des JTACs verwechselt. Der Übungsaufseher konnte das Ganze gerade noch abbrechen, sonst wären sie weggesprengt worden. Sie haben aus dem Drei-Wochen-Kurs dann einen Sechs-Wochen-Kurs gemacht.

Ein Schritt vor. Drei zurück.

"Ich habe in meinem Leben noch nie so glückliche Augen gesehen"

Am Abend sitzt Kerstens mit Kameraden zusammen, er raucht Zigarillos, ihm gegenüber sitzt ein Schwede mit einem Schnauzbart, der Zigarren raucht, sie trinken Dosenbier und sehen aus wie Männer, die den Krieg kennen und manchmal darüber reden müssen.

Mit diesem Einsatz drängt der Krieg nicht das erste Mal in Kerstens Leben. 2011, beim ersten Einsatz, war er auch in Mazar-i-Sharif. 2012, beim zweiten, in Kundus. Beide Male sind furchtbare Dinge passiert. Eines Tages, erzählt Kerstens, habe ein Vater seine kleine Tochter vor einen Dingo von Kerstens Konvoi geschubst, Fahrzeuge, mehr als zehn Tonnen schwer. Das Mädchen starb. Der Vater streckte den Soldaten die Hand entgegen und wollte 200 Dollar Entschädigung haben.

Einige deutsche Soldaten dürfen bald nach Hause. Beim Abschiedsfest gibt es Bier

Einige deutsche Soldaten dürfen bald nach Hause. Beim Abschiedsfest gibt es Bier

Ein anderes Mal hat ein Kamerad eine Puppe gekauft für ein kleines afghanisches Mädchen, das ihnen am Straßenrand immer zugewinkt hatte. Er schenkte ihr die Puppe. "Ich habe in meinem Leben noch nie so glückliche Augen gesehen", sagt Kerstens. Aber dann, als die Jungs im Dorf erfuhren, dass das Mädchen ein Geschenk bekommen hatte, hätten sie erst die Puppe kaputt gemacht und dann das Mädchen verprügelt und im Dreck liegen lassen.

So sei dieser Einsatz oft gewesen, sagt Kerstens. Man wolle etwas geben, aber dann komme jemand dahergelaufen und mache es kaputt. "Und du stehst da und fragst dich, wieso du überhaupt noch etwas gibst."

Die Wut, die sie in diesem Moment gespürt haben, auf diese Jungs, auf das Land, auf den Einsatz, diese Wut, sagt Kerstens, könne sich niemand vorstellen. "Der Kamerad hatte schon entsichert und den Finger am Abzug. Hätte ich dem nicht die Waffe abgenommen, dann hätte der noch kleine Kinder erschossen, so verzweifelt war er."

Das Nato-Lager ist durch mehrere Verteidigungsringe geschützt

Das Nato-Lager ist durch mehrere Verteidigungsringe geschützt

Kerstens erzählt diese Geschichten und kämpft gegen die Bilder und die Tränen. Der erste Einsatz, sagt er, sei einfach nur scheiße gewesen. Der zweite scheiße und einsam.

In ein paar Tagen endlich, endlich, endlich nach Hause

Trotzdem hatte Kerstens immer wieder das Gefühl, dass er wieder zurückmuss nach Afghanistan. Vielleicht, weil es sein Job ist. Wahrscheinlich, damit nicht alles umsonst gewesen ist.

Dann erzählt Kerstens von seinen Söhnen, Zwillinge, sieben Jahre alt. Dass er aufgehört habe, mit ihnen zu skypen, weil sie immer nur weinten und das niemandem etwas bringe. Er erzählt davon, dass die beiden jedes Mal fremdelten, wenn er vom Einsatz nach Hause komme. Dass er sich manchmal frage, was seine Söhne oder irgendjemand sonst zu Hause davon habe, dass ausgerechnet er ausgerechnet hier in Afghanistan sei. Der Schwede nickt und sagt, er dürfe in ein paar Tagen endlich, endlich, endlich nach Hause.

"Ich habe noch zwei Monate hier", sagt Kerstens.

Dann schweigen sie.

* Name von der Redaktion geändert

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