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G-8-Gipfel: Demonstration der Normalität

Tauwetter zwischen Bundeskanzler Schröder und US-Präsident Bush: Am Rande des G-8-Gipfels auf Sea Island kam es zwischen Schröder und Bush zu der "wärmsten Zusammenkunft seit 2003".

Bundeskanzler Gerhard Schröder machte nicht den Eindruck, als hätte er einen wichtigen dienstlichen Termin. Statt in einer schwarzen Limousine fuhr er am Dunbar House auf Sea Island in einem schwarz-rot-goldenen Elektromobil vor, das eher für einen Golfplatz als für die Straße geeignet schien. Den Chauffeur sparte er sich und lenkte das Gefährt eigenhändig und sicher auf die Ferienvilla zu, in der die Übernachtung normalerweise 500 US-Dollar kostet.

Dort erwartete ihn jemand, den Schröder nun wieder öfter trifft: George W. Bush. Der US-Präsident erschien den tropischen Temperaturen und der Strandnähe angemessen wie Schröder im lockeren Freizeitlook und empfing seinen Gast herzlich. Für gute Stimmung sorgte diesmal nicht zuletzt ein ganz besonderer Gesprächsteilnehmer, den das Protokoll nicht vorgesehen hatte. Bushs Terrier "Barney" habe "uns beide" zum Lachen gebracht, erzählte Schröder später.

Vor einem Jahr herrschte noch Eiszeit in den deutsch-amerikanischen Beziehungen

Von dem Treffen unmittelbar vor dem G-8-Gipfel auf der exklusiven Ferieninsel an der Ostküste der USA ging vor allem ein Signal aus: Der Ausnahmezustand in den deutsch-amerikanischen Beziehungen hat seinen festen Platz in der Vergangenheit.

Vor einem Jahr war das noch ganz anders. Beim letzten G-8-Gipfel im französischen Evian wurde selbst ein kurzer Small Talk zwischen Schröder und Bush auf der Terrasse des Tagungshotels schon als kleine Sensation gehandelt. Damals - wenige Wochen nach dem Irak-Krieg - herrschte noch Eiszeit in den deutsch-amerikanischen Beziehungen. Das erste bilaterale Gespräch nach eineinhalb Jahren kam erst drei Monate später im New Yorker Traditionshotel Waldorf-Astoria zu Stande. Beim Besuch Schröders im Weißen Haus im Februar wurde die Krise endgültig beigelegt.

"Wärmste Zusammenkunft seit 2003"

"Ich freue mich darauf, unseren Dialog im Geist der Zusammenarbeit und Freundschaft fortzusetzen", begrüßte Bush seinen Gast aus Deutschland auf Sea Island. Ein ranghoher Vertreter der US-Regierung bezeichnete das Gespräch später als "die wärmste Zusammenkunft der beiden seit 2003". Schröder und Bush hätten deutlich länger miteinander gesprochen als die ursprünglich geplanten 30 Minuten. Hätte der US-Präsident anschließend nicht noch einen Termin mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin gehabt, hätten sie noch länger geredet.

Inhaltlich deklinierten die beiden fast alle aktuellen internationalen Themen durch. In Bereichen mit Konfliktpotenzial ging man nicht in die Tiefe. Die mögliche Rolle der NATO bei der Stabilisierung Iraks sei nur allgemein angesprochen worden, hieß es von amerikanischer Seite. Schröder und Bush hätten "gar nicht versucht, zu einer Verständigung zu kommen".

Zeichen für den G-8-Gipfel stehen auf Harmonie

Vorrangig war die Einigung über eine neue Irak-Resolution im UN-Sicherheitsrat. Nur Minuten nach dem Treffen zwischen Schröder und Bush fiel der Beschluss in New York mit 15 zu 0 Stimmen.

Damit standen auch die Zeichen für den Gipfel der sieben führenden Industriestaaten und Russlands, der drei Stunden später mit einem Abendessen begann, auf Harmonie. Ob diese alle drei Konferenztage unbeschadet übersteht, galt allerdings als offen. Auf der Tagesordnung lauerte auch Konfliktstoff.

Dazu zählt vor allem die von Bush gestartete Initiative für Reformen im Nahen und Mittleren Osten, die in der arabischen Welt auf viel Kritik gestoßen war. Am späten Mittwoch will die "Gruppe der Acht" mit Staats- und Regierungschefs aus Jordanien, Algerien, Bahrain, Jemen, Afghanistan und der Türkei über die Initiative beraten. Auch der künftige irakische Präsident Ghasi el Jawar wird dabei sein. Mit Ägypten, Saudi-Arabien und Marokko haben aber einige der wichtigsten Akteure in der Region auf eine Teilnahme verzichtet.

Michael Fischer, AP