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Gaza-Streifen: UN stoppen Hilfslieferungen

Die UN setzen ihre humanitäre Hilfe im Gaza-Streifen vorerst aus. Der Grund: Israelische Soldaten haben einen ihrer Hilfskonvois beschossen, mindestens ein Mensch ist dabei gestorben. Auch das Rote Kreuz wurde beschossen. Unterdessen wurde bekannt, dass ein dritter israelischer Soldat innerhalb von 24 Stunden getötet wurde.

Die palästinensische Bevölkerung im Gaza-Streifen kann vorerst nicht mehr auf Hilfslieferungen der Vereinten Nationen hoffen. Die Unterstützung werde erst fortgesetzt, wenn die Sicherheit der UN-Mitarbeiter garantiert sei, erklärte Sprecher Chris Gunness am Donnerstag. Zuvor war bei einem israelischen Angriff der Fahrer eines UN-Fahrzeugs getötet worden. Das Rote Kreuz erklärte nach einem ähnlichen Zwischenfall mit einem verletzten Fahrer, es werde seine Hilfe reduzieren.

Die israelischen Streitkräfte setzten den zweiten Tag in Folge ihre Angriffe für drei Stunden aus, damit die Bewohner des Gaza-Streifens mit Nahrung, Wasser und Lebensmitteln versorgt werden konnten. Während dieser kurzen Waffenruhe wurde nach UN-Angaben aber ein gekennzeichneter Lastwagen für Hilfsgüter beschossen. Israel erklärte, der Vorfall werde untersucht.

Bei Kämpfen im Gaza-Streifen wurde am Donnerstag ein dritter israelischer Soldat innerhalb von 24 Stunden getötet. Dies teilte ein Armeesprecher in Tel Aviv mit. Zuvor war ein israelischer Offizier bei einem Angriff mit einer Panzerabwehrrakete getötet worden, ein weiterer Soldat starb, nachdem er vom Feuer eines palästinensischen Heckenschützen getroffen wurde. Seit Beginn der Bodenoffensive am vergangenen Samstagabend sind damit insgesamt neun israelische Soldaten ums Leben gekommen. Außerdem wurden seit der Eskalation des Konflikts drei weitere Israelis geötet.

Die palästinenische Seite beziffert die Zahl der Toten seit Beginn der israelischen Offensive vor zwölf Tagen auf rund 750, das teilte das Gesundheitsministerium in Gaza mit. Am Dienstag waren bei einem Angriff auf eine Schule der Vereinten Nationen nach palästinensischen Angaben 39 Menschen ums Leben gekommen.

Nach Angaben des israelischen Armeesprechers flog die Luftwaffe am Donnerstag 25 Angriffe auf Ziele der radikalislamischen Hamas und weitere Palästinensergruppen. Dabei seien drei Kämpfer der radikalen Organisation Islamischer Dschihad getötet. Bei den Luftschlägen wurden unter anderem auch neun Waffenlager, zwei Hamas-Posten sowie mehrere Schmugglertunnels zerstört, hieß es. Unterdessen feuerten militante Palästinenser am Donnerstag nach Armeeangaben mehr als 20 Raketen und Mörsergranaten auf Israel ab.

Raketen aus dem Libanon

Unterdessen weckte der Einschlag von mindestens drei Katjuscha-Raketen aus dem Libanon im Norden Israels die Befürchtung, dass eine zweite Front im Kampf gegen Raketenangriffe militanter Gruppen entstehen könnte. Ein Geschoss explodierte in der Küche eines Altersheims. Dabei wurden zwei Menschen leicht verletzt. Der libanesische Ministerpräsident Fuad Siniora verurteilte die Angriffe als Verstoß gegen das Waffenstillstandsabkommen von 2006. Die israelischen Streitkräfte reagierten mit Artilleriebeschuss.

Im Gaza-Streifen setzte die israelische Luftwaffe ihre Angriffe fort. Schwerpunkte waren Ziele der Hamas in der Stadt Gaza und im Nordosten des Küstenstreifens. Im Südwesten kam es auch zu direkten Gefechten israelischer Bodentruppen mit Hamas-Kämpfern. Radikale Palästinenser feuerten wieder insgesamt 24 Raketen auf den Süden Israels ab. Dabei wurden vier Menschen verletzt, einer davon schwer.

Sicherheitsrat weiter uneinig

Bei Beratungen im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zeichnete sich weiter kein Konsens für eine Resolution ab. Die arabischen Staaten erklärten daraufhin bereit, auch alternative Vorschläge von Großbritannien, Frankreich und den USA zu berücksichtigen, um eine Waffenruhe im Gazastreifen zu erreichen. Deutschland und Frankreich wollen bei der Sicherung der ägyptischen Grenze zum Gaza-Streifen mitarbeiten, um eine Waffenruhe zu ermöglichen. Dies erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel nach einem Treffen mit dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy in Paris.

AP / AP