Gefährliche Mission Deutsche in Afghanistan verletzt


Die Sicherheitslage in Afganistan ist derzeit so angespannt wie direkt nach dem Sturz der Taliban. Auch die deutschen Soldaten bekommen dies zu spüren. In der Nacht zu Mittwoch sind sie wieder unter Beschuss genommen worden.

Beim zweiten Anschlag auf die Bundeswehr im nordafghanischen Kundus binnen weniger Stunden sind in der Nacht zum Mittwoch drei deutsche Soldaten leicht verletzt worden. Zunächst sei ein Bombenanschlag auf eine Patrouille südlich der Stadt verübt worden, sagte ein Sprecher der Bundeswehr im nordafghanischen Masar-i-Scharif. Verstärkungskräfte seien dann kurz vor ihrer Ankunft am Anschlagsort von "bewaffneten militanten Kräften" mit Panzerfäusten und Schusswaffen unter Feuer genommen worden. Seit dem 10. Juni sind fünf Angriffe auf die Bundeswehr in Nordafghanistan verübt worden. Insgesamt wurden dabei fünf deutsche Soldaten verletzt.

Angriff auf gepanzerte Patrouille

Die drei Bundeswehrsoldaten seien verletzt worden, als die Bombe gegen 01.30 Uhr afghanischer Zeit (23.00 hiesiger Zeit) nahe der Stadt Kundus detoniert sei, sagte der Sprecher. Die Männer würden im Feldkrankenhaus der Bundeswehr in Kundus behandelt. Die Patrouille und die Verstärkungskräfte seien in gepanzerten Fahrzeugen unterwegs gewesen. Der Anschlag habe sich in der Nähe des Ortes ereignet, an dem ein gepanzertes Bundeswehr-Fahrzeug am Dienstag Ziel eines Selbstmordanschlags geworden war. Dabei waren der Attentäter und zwei Zivilisten getötet und acht weitere Afghanen verletzt worden. Bundeswehrsoldaten waren nicht zu Schaden gekommen.

"Wir werden nicht ermüden"

US-Außenministerin Condoleezza Rice sagte am Mittwoch einen Sieg über die wieder erstarkten radikal-islamischen Taliban in Afghanistan voraus. "Wir werden nicht ermüden, wir werden nicht weggehen", sage sie nach einem Treffen mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karsai in Kabul. An die Adresse der Rebellen sagte Rice: "Sie sollten wissen, dass wir diesen Kampf kämpfen werden, bis er siegreich beendet ist." Die Sicherheitslage in Afghanistan gilt inzwischen als die schlechteste seit dem Sturz der Taliban Ende 2001.

Größte US-Offensive seit 2001

Bei Kämpfen und Anschlägen sind in den vergangenen drei Monaten mehr als 1100 Menschen ums Leben gekommen, darunter hunderte radikal-islamische Rebellen und über 30 ausländische Soldaten. Derzeit läuft in Afghanistan die größte Offensive der US-geführten Koalitionstruppen seit dem Sturz der Taliban Ende 2001. Angesichts der eskalierenden Gewalt hatte Karsai die Internationale Gemeinschaft vor wenigen Tagen eindringlich dazu aufgefordert, ihre Vorgehensweise im Kampf gegen den Terrorismus zu überdenken.

Die US-Streitkräfte wollen ihre Truppenstärke in Afghanistan von derzeit rund 19 000 auf 16 500 verringern. Die NATO-geführte internationale Schutztruppe ISAF soll dafür im instabilen Süden 6000 Soldaten aus Großbritannien, Kanada und den Niederlanden stationieren. Derzeit sind im Rahmen der ISAF rund 2750 deutsche Soldaten in Afghanistan und im usbekischen Termes stationiert. Deutsche Soldaten sollen nicht in den Süden. Die Bundeswehr hat am 1. Juni das ISAF-Regionalkommando für Nordafghanistan übernommen.

Hehre Versprechen an Rice

Am Dienstag hatte Rice Pakistan besucht und die Regierungen in Islamabad und Kabul zu besserer Zusammenarbeit im Anti-Terror-Kampf aufgefordert. Die pakistanische Regierung sagte zu, die Truppen im Grenzgebiet zu Afghanistan um 10 000 auf 90 000 Soldaten aufzustocken. Die Soldaten sollen Taliban-Anhänger in der schwer zugänglichen Region bekämpfen. Im Grenzgebiet werden auch der Chef des Terrornetzes El Kaida, Osama bin Laden, und Taliban-Führer Mullah Omar vermutet. Afghanistan wirft Pakistan vor, Terroristen zu unterstützen. Islamabad weist das vehement zurück.

DPA DPA

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