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Geheimakten zum Afghanistan-Krieg Wikileaks-Gründer Assange verteidigt Veröffentlichung


Der Gründer der auf Enthüllungsgeschichten spezialisierten Internetseite Wikileaks, Julian Assange, hat die Veröffentlichung zehntausender teils geheimer US-Dokumente zum Afghanistan-Krieg verteidigt. Guter Journalismus sei "von Natur aus" kontrovers, sagte Assange der britischen Tageszeitung "The Guardian" vom Montag.

Assange begrüßte die Debatte, die die Veröffentlichung der Dokumente auslöste. Guter Journalismus müsse den Missbrauch der Mächtigen aufdecken. Wenn dies geschehe, gebe es immer Gegenreaktionen. Diese "Kontroverse" sei gut, sagte der 39 Jahre alte Australier. Das Weiße Haus hatte die Enthüllungen scharf kritisierst.

Die brisanten Unterlagen waren Wikileaks von bisher unbekannter Seite zugespielt worden. Wikileaks wiederum gab das Material vor wenigen Wochen an das Hamburger Nachrichtenmagazin "Spiegel" sowie die "New York Times" und "The Guardian" weiter. Die drei Medien kamen laut "Spiegel" nach eingehender Prüfung zu dem Schluss, dass die Dokumente authentisch seien, und berichteten am Sonntag auf ihren Internetseiten zeitgleich über die Enthüllungen. Die rund 92.000 Unterlagen von 2004 bis 2010 zeichnen dem "Spiegel" zufolge ein "düsteres Bild" von der Lage in Afghanistan.

Wikileaks-Gründer Assange sagte dem "Spiegel": "Das Material wirft ein Schlaglicht auf die alltägliche Brutalität und das Elend des Krieges. Es wird die öffentliche Meinung verändern und auch die von Menschen mit politischem und diplomatischem Einfluss." In der Fülle stelle das Material alles in den Schatten, was über den Krieg in Afghanistan gesagt worden sei. "Diese Daten sind die umfassendste Beschreibung eines Krieges, die es jemals während eines laufenden bewaffneten Konflikts gegeben hat (...)."

Assange stellte klar, dass das gesamte Material vor der Veröffentlichung daraufhin überprüft worden sei, ob durch Details tatsächlich Soldaten im Afghanistan-Einsatz oder deren Verbündete in Gefahr geraten könnten.

Der "Spiegel" arbeitet vor allem die Lage der deutschen Truppen im Norden des Landes heraus. Diese sei bedrohlich, die Zahl der Kampfhandlungen habe ebenso drastisch zugenommen wie die Zahl der Anschläge. Auch der Einsatz von Spezialeinheiten der US-Streitkräfte helfe nur bedingt. Rund 300 Soldaten einer dieser Einheiten - jener Task Force 373 - seien abgeschirmt auch im deutschen Lager Masar-i-Scharif untergebracht.

Aufgabe dieser Spezialeinheiten sei auch die gezielte Tötung ranghoher Taliban. Bei solchen Operationen gebe es zahlreiche zivile Opfer - auch Kinder, so der "Spiegel". Auftraggeber der Kommandos für die Task Force 373 sei direkt das US-Verteidigungsministerium.

Der "Spiegel" schreibt, dass es in den Dokumenten keine Hinweise auf weitere, bislang nicht bekannte Übergriffe deutscher Soldaten auf die Zivilbevölkerung gebe. Allerdings lasse sich aus den Unterlagen schließen, dass deutsche Truppen unvorbereitet in den Krieg gezogen seien.

Die im Dezember 2006 gegründete Internetplattform Wikileaks will mit der Veröffentlichung von geheimen Dokumenten aus anonymen Quellen Missstände öffentlich machen. Im April hatte ein von Wikileaks veröffentlichtes armeeinternes Video der US-Streitkräfte weltweit für Bestürzung gesorgt, das den tödlichen Beschuss irakischer Zivilisten durch einen US-Kampfhubschrauber zeigte. Anfang Juni wurde ein US-Soldat festgenommen, der das Video an Wikileaks weitergereicht haben soll.

AFP/DPA DPA

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