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Geheimer Nato-Bericht: Pakistan unterstützt die Taliban

Die Vorwürfe wiegen schwer: Pakistan soll für beide Seiten "nützliche" Kontakte zu den Taliban in Afghanistan haben, berichten britsche Medien unter Berufung auf einen geheimen Nato-Bericht. Die Regierung wisse sogar, wo sich ranghohe Taliban-Kämpfer aufhalten.

Die pakistanischen Sicherheitskräfte sollen einem geheimen Nato-Bericht zufolge im Verborgenen die Taliban in Afghanistan unterstützen. Die Regierung in Islamabad sei über den pakistanischen Geheimdienst ISI nach wie vor mit den Aufständischen "eng verknüpft", berichten die britische Zeitung "The Times" und der Rundfunksender BBC unter Berufung auf das Dokument. Pakistan verfüge über ein Netz von Mittelsmännern und Spionen, über die strategische Hinweise über die ausländischen Soldaten an die Taliban weitergeleitet werden können.

Der Nato-Bericht basiert laut BBC auf Daten aus 27.000 Verhören von mehr als 4000 Kämpfern des Terrornetzwerks al-Kaida und der Taliban. Den Angaben zufolge wurde er im vergangenen Monat der Führung des Militärbündnisses in Afghanistan übergeben. Zuvor waren bereits französische Geheimdienstberichte bekannt geworden, die zu ähnlichen Ergebnissen gekommen waren.

"Der ISI ist über die Taliban-Aktivitäten und den Verbleib von ranghohen Taliban-Kämpfern vollständig im Bilde", heißt es den Medienberichten zufolge in dem Nato-Dokument. Demnach kommen ranghohe Taliban regelmäßig mit Vertretern des pakistanischen Geheimdienstes zusammen. Aus den Verhören gehe hervor, dass die Taliban weiter aggressiv seien und auf die Unterstützung großer Teile der afghanischen Bevölkerung bauen könnten. Laut BBC ist aber nicht bekannt, ob Pakistan die Taliban mit Geldern oder Waffen unterstützt. Vielmehr heiße es, die Beziehungen seien für beide Seiten "nützlich", aber wenig vertrauensvoll.

Pakistan spricht von "gezielt lancierten Informationen"

Pakistanische Regierungsvertreter wiesen die Berichte scharf zurück. Diese seien "belanglos, um es noch milde auszudrücken", sagte der Sprecher des Außenministeriums. Islamabad verfolge eine strikte Politik der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten. Ein ranghoher Angehöriger der Sicherheitskräfte verwies darauf, dass der Nato-Bericht nie veröffentlicht worden sei. Die BBC und die "Times" gäben nur gezielt lancierte Informationen weiter, die es nicht "wert sind sie zu kommentieren".

Die afghanische Regierung wirft Islamabad regelmäßig vor, für die Gewalt im Land verantwortlich zu sein. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern liegen auf Eis, seit im September der mit den Taliban-Friedensgesprächen betraute afghanische Ex-Präsident Burhanuddin Rabbani von einem Selbstmordattentäter getötet wurde. Ein afghanischer Abgeordneter machte für dessen Tod pakistanische Spione verantwortlich.

Der nun bekanntgewordene mutmaßliche Nato-Bericht droht einen Annäherungsversuch beider Länder zu überschatten: Der afghanische Präsident Hamid Karsai kommt am Mittwoch in Kabul mit Pakistans Außenministerin Hina Rabbani Khar zusammen.

mad/AFP/DPA / DPA