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Geiseldrama: "Tony Blair, ich bitte Sie um mein Leben"

Von dem im Irak verschleppten Kenneth Bigley sendete der arabische Fernsehsender Al-Dschasira ein neues Video aus. Darin fleht er den britischen Premier Tony Blair um sein Leben an.

Der arabische Sender Al Dschasira hat am Mittwoch ein Video der britischen Geisel Kenneth Bigley veröffentlicht. Darin bittet Bigley den britischen Premierminister Tony Blair verzweifelt, die Forderungen seiner Kidnapper zu erfüllen. Die Bilder zeigen Bigley in einem Gitterkäfig, seine Hände sind mit Ketten gefesselt und um seinen Hals hängt ebenfalls eine Kette. Er kniet auf dem Boden und trägt einen orangefarbenen Overall. Während seines Appells an Blair bricht er mehrmals schluchzend zusammen.

"Tony Blair, ich bitte Sie um mein Leben", sagt Bigley, der am 16. September zusammen mit zwei inzwischen enthaupteten Amerikanern in Bagdad entführt worden war. "Haben sie Mitleid mit mir. Ich will nach Hause, ich will nach Hause. Bitte, Mr. Blair, lassen Sie mich nicht hier." Seine Geiselnehmer, die Gruppe Tauhid und Dschihad des jordanischen Extremisten Abu Mussab al Sarkawi, fordern die Freilassung aller irakischen Frauen aus den Gefängnissen. Das schwarz-gelbe Banner der Organisation hängt hinter Bigley an der Gefängniswand.

Weiter sagt Bigley, dessen Stimmen deutlich zu verstehen ist: "Tony Blair ist ein Lügner. Er verhandelt nicht. Mein Leben ist billig." Die Geiselnehmer wollten ihn nicht umbringen, sondern nur die Freilassung der Irakerinnen erreichen. Blair hatte zuvor erklärt, seine Regierung versuche, mit den Kidnappern Kontakt aufzunehmen. Dies sei schwierig, weil es sich nicht um eine irakische Gruppe handele sondern um Außenseiter. "Unsere Gedanken sind bei der Familie von Bigley", sagte Blair dem Sender ITV.

Bekleidet wie die Guantanamo-Häftlinge

Bigley war mit einem orangefarbenen Overall bekleidet, wie ihn moslemische Häftlinge im US-Militärgefängnis Guantanamo Bay auf Kuba tragen. Um seinen Hals war eine Metallkette gelegt. Seine Hände und Füße waren gefesselt. Er wirkte ausgezehrt und verstört.

"Er drängte den Premierminister, darauf hin zu arbeiten, die weiblichen irakischen Gefangenen freizulassen, um sein Leben zu retten", zitierte al Dschasira Bigley. Hinter ihm war ein schwarzes Banner der Gruppe Tauhid und Dschihad zu sehen.

Kein erneutes Ultimatum

Die Geiselnehmer verlangen die Freilassung aller Irakerinnen aus zwei Gefängnissen im Irak. Zwei gemeinsam mit Bigley verschleppte US-Bürger hatten die Extremisten bereits enthauptet. Die Geiselnehmer haben gedroht, auch Bigley zu töten, aber kein neues Ultimatum gestellt. Zuletzt war am 22. September ein Video ausgestrahlt worden, auf dem Bigley Blair um Hilfe anflehte.

Nachricht aus der arabischen Welt

Bigleys Bruder Paul erklärte am Mittwoch, er habe eine Nachricht aus der arabischen Welt erhalten, wonach Kenneth verschont werden solle. Zugleich enthalte die Botschaft aber eine Warnung, dass Großbritannien künftig auf der Hut sein müsse. Das Außenministerium in London erklärte, es überprüfe Berichte dieser Art. Blair sagte dem Fernsehsender ITV, die britische Regierung bemühe sich um eine Kontaktaufnahme mit den Geiselnehmern, was jedoch nicht einfach sei.

Hoffnung für die französischen Geiseln

Der französische Abgeordnete Diedier Julia erklärte im Fernsehsender LCI, die Journalisten Christian Chesnot und Georges Malbrunot könnten schon bald freikommen, wenn die USA einen Sicherheitskorridor einrichteten. Der inoffizielle Vermittler Philippe Brett habe schon entsprechende Zusagen von den Entführern erhalten. Brett sei an der Freilassung der beiden Italienerinnen beteiligt gewesen und habe dabei auch die französischen Geiseln getroffen.

In einer Erklärung, die der Nachrichtenagentur AP vorliegt, sprachen die Entführer von "positiven Schritten" Frankreichs gegenüber dem irakischen Volk. Die französischen Journalisten waren am 19. August verschleppt worden. Ihre Entführer, die Gruppe Islamische Armee im Irak, forderten die Aufhebung des Kopftuchverbots an französischen Schulen.

Reuters/AP / AP / Reuters