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Geiseldrama im Irak: Verstoß gegen Koran-Prinzipien

Während die Entführer der beiden französischen Journalisten im Irak ihr Ultimatum verlängert haben, stößt die Geiselnahme in arabischen Ländern auf Ablehnung. Wie etwa im Iran.

Im Geiseldrama um die zwei im Irak entführten französischen Journalisten hat Premierminister Jean-Pierre Raffarin am Dienstag eine Krisensitzung einberufen. Die Regierung werde zur Rettung der beiden Männer alle Hebel in Bewegung setzen, sagte Kulturminister Renaud Donnedieu dem Fernsehsender LCI. Die Entführer verlängerten ihr Ultimatum für die Rücknahme des Kopftuchverbots an staatlichen Schulen bis zum Dienstagabend, wie der Fernsehsenders al Dschasira berichtete.

Eine der Geiseln appellierte an Präsident Jacques Chirac, sich den Forderungen der Kidnapper zu beugen. Das Verbot von Kopftüchern solle aufgehoben werden, sagte Christian Chesnot in einem al-Dschasira-Video, das in der Nacht zum Dienstag ausgestrahlt wurde. Sein Kollege Georges Malbrunot sagte: "Ich appelliere an das französische Volk, auf die Straße zu gehen, weil unser Leben in Gefahr ist." Paris hat jedoch betont, das Kopftuchverbot werde wie vorgesehen zum neuen Schuljahr in Kraft treten. Der französische Außenminister bemühte sich am zweiten Tag seiner Nahostreise in Jordanien um die Freilassung der Geiseln.

Palästina und Ägypten verurteilen die Tat

Die Entführung der Journalisten wurde auch von Politikern und Religionsvertretern im Nahen Osten kritisiert. In einem von al Dschasira ausgestrahlten Bericht äußerten sich unter anderem der palästinensische Präsident Jassir Arafat und der ägyptische Außenminister Ahmed Abul Gheit. Auch ein Vertrauter des radikalen schiitischen Geistlichen Muktaka al Sadr, Ali al Jasiri, verurteilte die Entführung als "unmenschlich und unmoralisch". Er forderte die sofortige Freilassung der beiden Journalisten. Der oberste schiitische Geistliche im Libanon verurteilte die Geiselnahme als Verstoß gegen die Prinzipien des Korans. Die Geiselnahme mit dem Kopftuchverbot in Frankreich in Zusammenhang zu bringen, schade dem Ansehen des Islams, sagte Großayatollah Mohammed Hussein Fadlallah.

Die Freilassung der Geiseln fordert auch die iranische Regierung "Diese Form des politischen Kampfes ist mit internationalen und islamischen Regeln unvereinbar", sagte der Sprecher des Teheraner Außenministeriums am Dienstag nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA. Anfang des Monats war ein iranischer Diplomat im Irak von der selben Extremistengruppe entführt worden, die auch die beiden Franzosen in ihrer Gewalt haben. Er ist weiterhin verschwunden.

Entsetzt über die Entführung haben sich auch 160 Abgeordnete des Europäischen Parlaments gezeigt und die unverzügliche Freilassung der Journalisten gefordert. In einer am Dienstag in Brüssel veröffentlichten Petition erklärten die Parlamentarier, die Geiselnahme sei "ein Verbrechen gegen unschuldige Menschen". Den Geiselnehmern müsse deutlich gemacht werden, dass die Berichterstattung unabhängiger Journalisten in Irak auch in Sinne des irakischen Volkes sei. Auch Parlamentspräsident Josep Borrell mahnte die sofortige Freilassung der Journalisten an.