GESCHICHTE Der lange Schatten der Kolonialzeit


In Simbabwe haben Tausende schwarze Bürgerkriegsveteranen in den vergangenen Monaten rund 1700 Farmen der weißen Minderheit besetzt und dies mit der gewaltsamen Landnahme während der Kolonialzeit begründet.

In Simbabwe haben Tausende schwarze Bürgerkriegsveteranen in den vergangenen Monaten rund 1700 Farmen der weißen Minderheit besetzt und dies mit der gewaltsamen Landnahme während der Kolonialzeit begründet. Simbabwe - was in der einheimischen Shona-Sprache »großes Haus aus Stein« bedeutet - hat seinen Ursprung in Siedlungen aus der Eisenzeit. Seine jüngere Geschichte ist vor allem von der Gier eines Mannes geprägt worden - dem britischen Abenteurer und Imperialisten Cecil Rhodes (1853-1902), nach dem das frühere Rhodesien benannt war.

Von Rhodes ermuntert und getrieben von Gerüchten über Gold und Reichtum, zogen 1890 weiße afrikanische Siedler vom Süden Afrikas weiter in Richtung Norden. Auf ihrem langen Trek vertrieben sie - teils mit Betrug, teils mit Gewalt - die einheimischen Völker der Matabele und Mashona. Die Siedler handelten im Auftrag von Rhodes? British South Africa Company. In der Tat fanden die Pioniere Gold, doch lange nicht soviel, wie sie erhofft hatten. Stattdessen entdeckten sie andere Reichtümer: Mineralien und fruchtbaren Boden.

Rhodes? Traum von der Gründung eines riesigen Südafrika, das sich vom Kap im Süden bis zur Quelle des Sambesi im Norden erstrecken sollte, wurde vom Burenkrieg 1899 zunichte gemacht. Zuvor kam es jedoch zur Gründung der 1897 nach ihm benannten Staaten Nord- und Süd-Rhodesien. »Ein bisschen Land nach sich selbst benannt zu haben ist eines der Dinge, auf die ein Mann stolz sein könnte«, schrieb Rhodes damals.

Rhodes war ein reicher Geschäftsmann und Politiker. Die Politik und Herrschaftsform, die er in Südafrika vorantrieb, wurde 1948 offiziell als »Apartheid« bezeichnet. Rhodes zögerte nicht, diese auch in das nach ihm benannte Land zu exportieren. Mit allen Mitteln rissen Rhodes? weiße Anhänger das Land, das ihnen gefiel, an sich. Ihr Vorgehen rechtfertigten sie mit der damals in Europa weit verbreiteten Ansicht, dass Weiße den Schwarzen einfach moralisch und kulturell überlegen seien. Die weißen Farmer erschlossen und bearbeiteten fortan riesige Flächen und bildeten damit die Grundlage für die Wirtschaft des Landes.

Sambia und Simbabwe

1964 wurde Nord-Rhodesien, das heutige Sambia, von der Kolonialmacht Großbritannien unabhängig. Süd-Rhodesien hieß von nun an »Rhodesien«. Nachdem Verhandlungen mit Großbritannien über die Gleichberechtigung der schwarzen Bevölkerungsmehrheit gescheitert waren, rief die weiße Regierung unter Ian Smith 1965 einseitig die Unabhängigkeit aus. Großbritannien und die UNO verhängten daraufhin Sanktionen, die aber vor allem von Rhodesiens benachbartem Apartheidsstaat Südafrika nicht beachtet wurden. In Rhodesien entbrannte schließlich ein Befreiungskrieg der schwarzen Bevölkerungsmehrheit, die von Robert Mugabe und Joshua Nkomo angeführt wurde.

1979 sah sich Smith zur Rückkehr an den Verhandlungstisch mit Großbritannien gezwungen. Die Gespräche führten schließlich am 18. April 1980 zur Bildung einer Regierung der schwarzen Bevölkerungsmehrheit und zur Unabhängigkeit Staates, der nun Simbabwe hieß. Viele weiße Gutsbesitzer verließen danach das Land und trennten sich von ihren Ländereien, während andere bis heute geblieben sind. Auch 21 Jahre nach der Unabhängigkeit Simbabwes ist die Landfrage insgesamt weiter ungelöst.


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