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Geschlossene US-Botschaften: Al Kaida plant offenbar "etwas Großes"

Abgefangene Nachrichten deuten auf einen geplanten Terroranschlag durch al Kaida. Westliche Botschaften bleiben vorerst geschlossen. Vier Verdächtige wurden im Jemen durch eine US-Drohne getötet.

Die Schließung von westlichen Botschaften im Nahen Osten und Afrika geht US-Kreisen zufolge nicht nur auf Nachrichten zwischen führenden Mitgliedern der al Kaida zurück. Es gebe ein breites Spektrum an Berichten, die auf eine akute Terrorgefahr hindeuteten, sagte ein US-Vertreter am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Zahlreiche diplomatische Vertretungen bleiben weiterhin geschlossen. "In der Gefahreneinschätzung gibt es keinen eindeutigen Beweis", hieß es. Unterdessen wurden bei einem US-Drohnenangriff im Jemen, der Zentrum des aktuellen Terrorverdachts ist, vier mutmaßliche Extremisten getötet.

Nach einem Bericht der "New York Times" geht die Schließung von Botschaften und Konsulaten auf abgefangene Nachrichten zwischen dem neuen al-Kaida-Chef Aiman al Sawahiri und Nasser al Wuhaischi zurück, der die Gruppe auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) führt. Die "Los Angeles Times" und der Sender CBS News berichteten unter Berufung auf Regierungsbeamte übereinstimmend, es habe sich um ein Telefonat zwischen al Sawahiri und al Wahischi gehandelt, das abgehört worden sei. In diesem Gespräch habe al Wahischi den Befehl erhalten, vom vergangenen Sonntag an Angriffe gegen US-Einrichtungen zu führen. Es sei um "etwas Großes" gegangen, berichtete CBS.

Botschaften bleiben geschlossen

Informationen über ein konkretes Ziel oder den Ort eines mutmaßlichen Anschlages habe man noch keine, hieß es weiter aus US-Kreisen. Die Gefahr für westliche Ziele sei aber nicht geringer geworden. Das US-Außenministerium hatte in der vergangenen Woche eine Reisewarnung herausgegeben. Wegen der Anschlagsgefahr bleiben viele Botschaften und Konsulate vor allem in muslimischen Ländern in den kommenden Tagen geschlossen. 19 US-Botschaften und -Konsulate sollen noch die ganze Woche geschlossen bleiben.

Auch die deutsche Botschaft in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa bleibt wegen Terrorgefahr bis auf weiteres geschlossen. Das habe Außenminister Guido Westerwelle (FDP) verfügt, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts. Am Montag hatte es noch geheißen, die diplomatische Vertretung in Sanaa solle am heutigen Dienstag wieder die normale Arbeit aufnehmen. Der Grund für diesen mit wichtigen Partnern ergriffenen Schritt sei eine weiterhin kritische Einschätzung der Sicherheitslage.

US-Drohne tötet vier mutmaßliche Extremisten

Unterdessen tötete eine US-Drohne bei einem Angriff am Dienstag vier mutmaßliche Extremisten im Jemen. Die von dem unbemannten Flugkörper abgeschossene Rakete traf das Fahrzeug der vier Männer in der Provinz Marib, das danach völlig ausbrannte. Das berichtete das jemenitische Webportal "Mareb Press" am Dienstag. In der zentralen Provinz Marib, die rund 200 Kilometer von der Hauptstadt Sanaa entfernt liegt, sowie im Süden und Osten des Landes sind Kampfverbände der jemenitischen al Kaida aktiv.

Einer der Getöteten steht auf einer Liste mit 25 gesuchten Terrorverdächtigen, die die jemenitischen Behörden in der Nacht zum Dienstag veröffentlicht hatten. Bei diesen Personen soll es sich um al-Kaida-Mitglieder handeln, die wegen mutmaßlicher Anschlagspläne gesucht würden, teilte das Verteidigungsministerium mit. Sie hätten "Terrorattacken während der letzten Tage des Fastenmonats Ramadan" sowie zum islamischen Fastenbrechen Eid al-Fitr Ende dieser Woche geplant. Die Regierung lobte eine Belohnung von 23.000 Dollar (umgerechnet 17.300 Euro) für Hinweise aus, die zu ihrer Ergreifung führen.

sas/dho/DPA/Reuters / DPA / Reuters