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Gewalt in Nigeria: Christen vergelten Terror mit Terror

Aus Rache für Terroranschläge auf Kirchen haben Christen mindestens fünf Muslime getötet. Motorrad-Taxifahrer waren das Ziel der Attacken. Außenminister Guido Westerwelle verurteilte die Attentaten.

Nach den tödlichen Anschlägen auf zwei christliche Kirchen in Nigeria haben christliche Jugendliche Rache geübt. Mindestens fünf Muslime wurden getötet. Dies bestätigte der Sprecher der Spezialeinheit der nigerianischen Armee (STF), Markus Mdahyelya, am Montag. Bei den Opfern der Vergeltungsaktion handele es sich um Motorrad-Taxifahrer aus der Stadt Jos, hieß es. Die Attentäter reagierten mit dem Racheakt auf zwei Attacken auf Kirchen, bei denen am Wochenende mehrere Menschen getötet und Dutzende verletzt worden waren.

"Wir rufen die Menschen dazu auf, das Gesetz nicht in die eigene Hand zu nehmen. Die Sicherheitsbehörden werden solche Verbrechen nicht tolerieren", sagte Mdahyelya. Unterdessen bekannte sich die radikalislamische Sekte Boko Haram zu den Anschlägen am Sonntag. Die Gruppe erklärte, sie habe durch die Angriffe beweisen wollen, dass die nigerianischen Einsatzkräfte nicht in der Lage sind, die Operationen der Sekte in Nord-Nigeria zu stoppen.

Deutschland verurteilte die Anschläge. "Dieser religiöse Terror ist durch nichts zu rechtfertigen", sagte Außenminister Guido Westerwelle in Berlin. Die Behörden in Nigeria müssten gegen solchen Terror "konsequent" vorgehen.

Anschläge auf christliche Kirchen

Ein Selbstmordattentäter hatte am Sonntag während eines Gottesdienstes in der Christ Chosen Church in Jos einen Sprengsatz gezündet. Mehrere Menschen wurden in den Tod gerissen. Die Kirche wurde völlig zerstört. Bei einem zweiten Anschlag in der Stadt Biu im Bundesstaat Borno eröffneten Angreifer aus automatischen Waffen das Feuer auf die Mitglieder einer Kirchengemeinde. Dabei seien eine Frau getötet und viele weitere Gläubige verletzt worden, teilte die Polizei mit.

Der anglikanische Erzbischof von Jos, Ben Kwashi, verurteilte im britischen Sender BBC die Anschläge der Muslime und die Racheaktionen der Christen. Er erklärte, dieser "Terrorismus" zerstöre die Beziehungen zwischen den beiden wichtigsten religiösen Gruppen im bevölkerungsreichsten Land Afrikas.

Die Boko Haram hat seit vergangenem Jahr zahlreiche Anschläge auf christliche Einrichtungen und Polizeistationen verübt und Hunderte Menschen getötet. Der Name bedeutet so viel wie "Westliche Erziehung ist Sünde".

ivi/DPA / DPA