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Gewaltausbruch im Kosovo: UN-Polizei unter Beschuss

Die Lage im Norden des Kosovo eskaliert: UN-Polizisten und Nato-Soldaten lieferten sich mit aufgebrachten Serben heftige Straßenschlachten. Autos brannten, es gibt mehrere Verletzte. Inzwischen hat die internationale Schutztruppe KFOR die Lage in der Stadt Mitrovica unter Kontrolle gebracht.

Bei den schwersten Zusammenstößen zwischen UN-Polizisten und serbischen Demonstranten seit der Ausrufung der Unabhängigkeit des Kosovos sind im Norden des Landes mehrere Menschen verletzt worden. Die UN-Polizei hat das Feld geräumt. Die Polizisten seien angewiesen worden, Mitrovica zu verlassen, teilte ein Sprecher der Weltorganisation mit. Mittlerweile hat die internationale Schutztruppe KFOR die Lage in Mitrovica unter Kontrolle gebracht. Alle Straßen in Richtung Mitrovica seien geschlossen und würden von KFOR-Verbänden kontrolliert.

Ein französischer Nato-Sprecher berichtete, Soldaten des Bündnisses seien im Norden mit automatischen Waffen beschossen worden. Auslöser war die Räumung eines UN-Gerichtsgebäudes in Kosovska Mitrovica, das seit Freitag von serbischen Demonstranten besetzt gehalten wurde. Die Lage sei gespannt, sagte ein Polizeisprecher. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) verurteilte die gewalttätigen Ausschreitungen in Mitrovica scharf. Die Gewaltakte serbischer Demonstranten gegen die Polizei der UN-Verwaltung (UNMIK) und der internationalen KFOR-Schutztruppe seien "inakzeptabel und durch nichts zu rechtfertigen", sagte er nach Angaben des Auswärtigen Amtes am Rande der deutsch- israelischen Regierungskonsultationen in Jerusalem.

Starke Polizeiverbände der UN-Verwaltung (UNMIK) und Soldaten der internationalen Schutztruppe KFOR hatten am Morgen das von Serben besetzte Kreisgericht in der Kosovo-Stadt Mitrovica gestürmt. 53 Serben seien verhaftet worden, sagte Polizeisprecher Besim Hoti in Pristina. Rund 20 von ihnen konnten von Demonstranten wieder befreit werden, berichteten serbische Medien in Belgrad unter Berufung auf Augenzeugen.

"Rote Linie" überschritten

Mehr als 1000 aufgebrachte Serben hätten die UNMIK- und KFOR-Verbände angegriffen, beschrieb die Polizei in Pristina die Auseinandersetzungen weiter. Dabei wurden nach Behördenangaben mindestens 22 polnische UN-Polizisten verwundet. Auch mehrere KFOR-Soldaten und etwa 20 Demonstranten sollen verletzt worden sein. Die Menge habe vier Einsatzfahrzeuge demoliert. Auf serbischer Seite habe es zehn Verletzte gegeben, berichtete das örtliche Krankenhaus. Die Polizei habe unter anderem Tränengas eingesetzt. Acht französische Soldaten hätten durch Granaten, Steine und Brandsätze Verletzungen erlitten, sagte ein Sprecher. Sie seien aber nicht in Lebensgefahr.

Die Serben hatten das Gerichtsgebäude am Freitag besetzt, dies war Teil der serbischen Proteste gegen die Unabhängigkeitserklärung des Kosovos vom 17. Februar. UNMIK-Chef Joachim Rücker hatte diese Gewaltaktion scharf verurteilt und vom Überschreiten einer "roten Linie" gesprochen. Die serbische Bevölkerungsmehrheit versucht seit der Unabhängigkeitserklärung des Kosovos vor einem Monat, den Norden des neuen Staates abzuspalten und an die benachbarte "Mutterrepublik" Serbien anzuschließen.

Der stellvertretende Ministerpräsident Hajredin Kuqi verteidigte das Vorgehen der UN-Einsatzkräfte. Seine Regierung habe von Anfang an gefordert, dass UN und KFOR im nördlichen Mitrovica Recht und Gesetz herstellten und die Institutionen dort schützten. "Es war eine gerechte Aktion und die richtige", sagte Kuqi.

DPA/AP/Reuters / AP / DPA / Reuters