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16-jährige Klimaaktivistin: "Mehr Eier als die Nato": Warum Greta Thunberg für eine bessere Zukunft kämpft

Genau wie die Schwedin Greta Thunberg kämpfen Schüler in aller Welt für eine bessere Zukunft. Und gegen die Gleichgültigkeit von uns allen. Was treibt sie an?

Von Marc Goergen

Greta Thunberg protestiert immer freitags gegen den Klimawandel

Ein Blick, ein Händedruck: Klima-Aktivistin Greta Thunberg trifft die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde. Im Hintergrund lacht eine Managerin des Weltwirtschaftsforums. Den Delegierten in Davos hatte Greta zuvor gesagt, dass viele von ihnen zu den Verantwortlichen für den Klimawandel gehörten.

Ein paar Stunden nachdem Greta Thunberg mal wieder den mächtigsten Menschen der Welt ins Gesicht gesagt hat, was sie für Versager sind, sitzt sie in einer Bimmelbahn irgendwo in den Schweizer Alpen und denkt über ihre Hausaufgaben nach. Bis sie zurück in ihrer Schule in Stockholm ist, muss sie noch Mathe und Ethik erledigen. Greta dreht ihre geflochtenen Zöpfe in den Fingern und schaut aus dem Fenster. Draußen ziehen Postkartenmotive vorbei. Greta kneift die Augen zusammen. Als hätte sie erst mal genug von allem. Von den glänzenden Bergen. Den verschneiten Hütten. Vor allem aber: dem Theater der vergangenen drei Tage.

In Ethik sei sie ganz gut, da habe sie natürlich ein bisschen Erfahrung gesammelt, sagt Greta dem stern-Reporter, und für einen Moment meint der, dass gleich ein Lächeln in ihrem Kindergesicht aufblitzen müsste. Doch das ist Lektion eins zum Thema Greta Thunberg, jenem Mädchen, das sich vorgenommen hat, die Welt zu retten, das Zehntausende Schüler auf der ganzen Welt dazu bringt, freitags die Schulbank mit der Straße zu tauschen und gegen die Klimazerstörung zu demonstrieren – Lektion eins also ist: Greta Thunberg lächelt so gut wie nie.

Phänomen Greta Thunberg

Zuständig für das Lächeln in der Runde ist der Mann neben ihr, Svante Thunberg, der Vater. Er ist ein freundlicher Mann mit Zopf und Bart. Am Nachbartisch des Bordrestaurants ist er gerade in ein Gespräch mit der Chefin von Greenpeace vertieft. Greta und er haben in den vergangenen Monaten viele wichtige Leute getroffen, zum Beispiel Al Gore und heute morgen erst Christine Lagarde. Jetzt sind sie auf dem Weg vom Weltwirtschaftsforum in Davos zurück nach Stockholm. 24 Stunden Bahnfahrt liegen vor ihnen, weil Greta das Fliegen aus Klimagründen ablehnt. Greta hat einen starken Willen. Seit einiger Zeit lebt ihre ganze Familie deshalb vegan und fährt nur noch Bahn.

Tony Chung, 17, Hongkong  Du kämpfst mit anderen Jugendlichen für ein unabhängiges Hongkong. Warum?  Weil Hongkong sonst nicht Hongkong bleiben kann. Die Sprache, die Politik, das Geld aus China sickern durch jede Ritze zu uns hinein. Die einzige Lösung ist Unabhängigkeit.  Eure Proteste sind nicht ungefährlich. Kannst du noch nach China fahren?  Natürlich nicht! Darum war ich ja auch schon seit Jahren nicht mehr dort. Im Herbst waren die Eltern von zweien aus unserer Gruppe in China – und wurden gleich verhaftet. Als Warnung. Sie sollten ihre Kinder dazu bringen, endlich mit dem "Quatsch" aufzuhören.  Steht ihr auch in Hongkong unter Druck?  Vor ein paar Wochen bin ich niedergeschlagen worden. Ich war gerade aus dem Haus, da merkte ich, dass mich zwei Typen verfolgten. Ich habe mich umgedreht und – rumms. Die sind dann weggelaufen, die Polizei konnte die natürlich nicht mehr finden. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die bezahlt waren.  Machen sich deine Eltern Sorgen um dich?  Meine Eltern interessieren sich nicht für Politik. Was ich politisch mache, ist ihnen egal, solange ich gut in der Schule bin.  Wie kamst du eigentlich dazu, dich zu engagieren?  Ich habe 2016 bei den Wahlen in Hongkong einen Kandidaten unterstützt, der sich für Autonomie einsetzt. Den fand ich ziemlich toll. Und dann waren wir alle natürlich inspiriert von der Regenschirm-Revolution …  … als 2014 Demonstranten wochenlang die Innenstadt besetzten, um freie Wahlen zu erzwingen …  … ja, genau. Der Anführer Joshua Wong war damals auch erst 18. Da dachten wir, wenn Joshua das kann, warum eigentlich nicht wir?

Tony Chung, 17, Hongkong

Du kämpfst mit anderen Jugendlichen für ein unabhängiges Hongkong. Warum?

Weil Hongkong sonst nicht Hongkong bleiben kann. Die Sprache, die Politik, das Geld aus China sickern durch jede Ritze zu uns hinein. Die einzige Lösung ist Unabhängigkeit.

Eure Proteste sind nicht ungefährlich. Kannst du noch nach China fahren?

Natürlich nicht! Darum war ich ja auch schon seit Jahren nicht mehr dort. Im Herbst waren die Eltern von zweien aus unserer Gruppe in China – und wurden gleich verhaftet. Als Warnung. Sie sollten ihre Kinder dazu bringen, endlich mit dem "Quatsch" aufzuhören.

Steht ihr auch in Hongkong unter Druck?

Vor ein paar Wochen bin ich niedergeschlagen worden. Ich war gerade aus dem Haus, da merkte ich, dass mich zwei Typen verfolgten. Ich habe mich umgedreht und – rumms. Die sind dann weggelaufen, die Polizei konnte die natürlich nicht mehr finden. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die bezahlt waren.

Machen sich deine Eltern Sorgen um dich?

Meine Eltern interessieren sich nicht für Politik. Was ich politisch mache, ist ihnen egal, solange ich gut in der Schule bin.

Wie kamst du eigentlich dazu, dich zu engagieren?

Ich habe 2016 bei den Wahlen in Hongkong einen Kandidaten unterstützt, der sich für Autonomie einsetzt. Den fand ich ziemlich toll. Und dann waren wir alle natürlich inspiriert von der Regenschirm-Revolution …

… als 2014 Demonstranten wochenlang die Innenstadt besetzten, um freie Wahlen zu erzwingen …

… ja, genau. Der Anführer Joshua Wong war damals auch erst 18. Da dachten wir, wenn Joshua das kann, warum eigentlich nicht wir?

Doch die vergangenen drei Tage, das kann man im Gesicht des Vaters sehen, haben Kraft gekostet – Greta selbst wirkt stoisch und ruhig wie so häufig. Auf dem Höhepunkt des Wahnsinns saß Greta auf einer Kreuzung in Davos im Schnee und hielt ihr Protestschild hoch. Um sie herum standen ein paar pickelige Schweizer Schüler und 50 Journalisten aus der ganzen Welt, die alle das beste Bild von ihr haben wollten.

Um das Phänomen und den Einfluss von Greta Thunberg zu verstehen, muss man ein paar Sachen über sie wissen. Sie ist 16 Jahre alt, sieht aber wegen ihrer 1,50 Meter und der Pippi-Langstrumpf-Zöpfe eher aus wie elf. Sie hat das Asperger-Syndrom, eine bestimmte Form des Autismus. Menschen mit Asperger sind oft hochintelligent, doch sie haben Schwierigkeiten mit sozialen Beziehungen und verarbeiten Sinnesreize anders. Manche neigen dazu, sich beinah obsessiv für einzelne Themen zu begeistern.

Die Geschichte, wie für Greta alles begann, hat sie oft erzählt. Sie war knapp zehn Jahre alt, als sie im Unterricht das erste Mal vom Klimawandel erfuhr. Sie konnte nicht verstehen, warum die Menschen etwas taten, das für sie selbst so schlecht war. Sie las Buch um Buch, bis das Ganze sie in eine Depression stürzte. Greta hörte auf zu sprechen, ging nicht mehr raus und aß immer weniger. Ihre Eltern machten sich Sorgen, sprachen mit ihr und veränderten danach ihr Leben. Inspiriert von der Kraft, dass sie es geschafft hatte, das Leben ihrer Familie zu verändern, malte Greta Thunberg im August 2018 ein Schild, auf dem stand: "Schulstreik für das Klima". Damit zog sie vor das schwedische Parlament, wo sie seitdem jeden Freitag demonstriert. Ihre Eltern und Lehrer wollten sie zunächst davon abhalten, aber Greta machte weiter. Heute ist ihr Protest zum Vorbild für Schüler in der ganzen Welt geworden, in Australien, in Kanada oder der Schweiz, auch in Deutschland.

Florian Fischer ist einer von denen, die sich von Thunberg begeistern lassen. Am selben Tag, als Greta mit dem Zug zurück nach Stockholm fährt, steht er in Berlin vor dem Kanzleramt. Fischer, Zehntagebart, Dutt und Teenieschwarmgrinsen, fällt auf mit seinen 19 Jahren. Er ist größer als die meisten um ihn herum, seine Stimme ist tiefer, sein Bart existiert. Fischer ist nach Berlin gekommen, um mit Tausenden gegen die Klimazerstörung zu demonstrieren.

"Fridays for Future"

Florian Fischer ist "eigentlich so reingestolpert" in das alles, sagt er. In diese Organisation, die jetzt sein Lebensmittelpunkt ist: "Fridays for Future". In diese Demos in Erlangen, zu denen Hunderte Jugendliche kommen und die er jetzt selbst organisiert.

Fischer war schon lange frustriert davon, wie es läuft auf dieser Welt. Wenn es mal eine Demo gab zu Hause in Erlangen, wenn das Wetter gut war, dann ging er hin, das schon. Aber ihm fehlte der Bezug.

Tanya Arackal, 19, Leeds  Du kämpfst gegen den Brexit. Wie kam es dazu? Was treibt dich an?  Ich studiere gerade im eher ärmeren Norden Englands, und die Organisation, die eine erneute Abstimmung will, suchte Leute genau von dort. Sie wollen nicht länger nur als Londoner Elite gelten. Aber sozial engagiert bin ich schon sehr lange. Ich besuche regelmäßig Jugendliche in sozial schwachen Regionen. Die fühlen sich häufig total entmündigt. Deswegen sind ja von ihnen auch so viele für den Brexit.  Du hast indische Wurzeln. Spielt das eine Rolle?  Natürlich. Ich kämpfe seit Jahren für die Rechte von Frauen aus Minderheiten. Aber der Brexit betrifft ja jetzt alle Jugendlichen.  Man hat den Eindruck: Großbritannien hat sich vollkommen verrannt. Da ist ein riesiger Riss im Land.  Und so viel Wut! Neulich war ich Gast bei einer Debatte auf Channel 4, am Ende ging es nur darum, wer am lautesten schreien konnte. Und dann ist da der Rassismus. Vor zwei Wochen hab ich auf einer Demo gesprochen, am nächsten Tag bekam ich auf Twitter zu hören, ich soll "zurück nach Hause" gehen – aber mein Zuhause ist doch hier!  Bist du von den Politikern enttäuscht?  Die Konservativen bedienen nur ihre eigenen Egos. Auf der Linken wiederum gibt es Jeremy Corbyn, der immer gegen die EU war und nun glaubt, auf dem Rücken dieser Krise Neuwahlen erzwingen zu können. Ich hab Corbyn mal gut gefunden, wie viele von uns Jungen. Aber er hat uns längst verloren – weil er unsere Sorgen ignoriert.  Aber glaubst du tatsächlich, dass es ein neues Referendum geben könnte?  Es gibt doch gar keine andere Option mehr. Es ist Zeit, die Entscheidung dem nun hoffentlich besser informierten Volk zurückzugeben.  Und wenn die Mehrheit wieder für den EU-Austritt stimmt?  Dann müssen wir eben damit leben.

Tanya Arackal, 19, Leeds

Du kämpfst gegen den Brexit. Wie kam es dazu? Was treibt dich an?

Ich studiere gerade im eher ärmeren Norden Englands, und die Organisation, die eine erneute Abstimmung will, suchte Leute genau von dort. Sie wollen nicht länger nur als Londoner Elite gelten. Aber sozial engagiert bin ich schon sehr lange. Ich besuche regelmäßig Jugendliche in sozial schwachen Regionen. Die fühlen sich häufig total entmündigt. Deswegen sind ja von ihnen auch so viele für den Brexit.

Du hast indische Wurzeln. Spielt das eine Rolle?

Natürlich. Ich kämpfe seit Jahren für die Rechte von Frauen aus Minderheiten. Aber der Brexit betrifft ja jetzt alle Jugendlichen.

Man hat den Eindruck: Großbritannien hat sich vollkommen verrannt. Da ist ein riesiger Riss im Land.

Und so viel Wut! Neulich war ich Gast bei einer Debatte auf Channel 4, am Ende ging es nur darum, wer am lautesten schreien konnte. Und dann ist da der Rassismus. Vor zwei Wochen hab ich auf einer Demo gesprochen, am nächsten Tag bekam ich auf Twitter zu hören, ich soll "zurück nach Hause" gehen – aber mein Zuhause ist doch hier!

Bist du von den Politikern enttäuscht?

Die Konservativen bedienen nur ihre eigenen Egos. Auf der Linken wiederum gibt es Jeremy Corbyn, der immer gegen die EU war und nun glaubt, auf dem Rücken dieser Krise Neuwahlen erzwingen zu können. Ich hab Corbyn mal gut gefunden, wie viele von uns Jungen. Aber er hat uns längst verloren – weil er unsere Sorgen ignoriert.

Aber glaubst du tatsächlich, dass es ein neues Referendum geben könnte?

Es gibt doch gar keine andere Option mehr. Es ist Zeit, die Entscheidung dem nun hoffentlich besser informierten Volk zurückzugeben.

Und wenn die Mehrheit wieder für den EU-Austritt stimmt?

Dann müssen wir eben damit leben.

Irgendwann sah er Greta Thunberg im Internet und dachte sich: "Genau so ist es!" Und als ihm Freunde davon erzählten, dass die Bewegung nach Deutschland schwappte: "Ich will dabei sein!" Fischer trommelte Leute zusammen, telefonierte, schrieb, telefonierte, schrieb. Wenig später standen 700 Menschen an einem Freitag auf dem Hugenottenplatz in Erlangen und pfiffen.

Eine Woche danach stehen wieder Menschen auf einem Platz und pfeifen und brüllen und klatschen. Dieses Mal sind es Tausende, und sie stehen vor dem Kanzleramt in Berlin. Viele sind Hunderte Kilometer durch Deutschland gefahren, 70 von ihnen kamen mit Fischer aus Erlangen. Am 15. März soll es den nächsten großen Marsch geben auf das Kanzleramt. Auch Florian Fischer wird wieder kommen: "Es kann doch nicht sein, dass alte Menschen darüber entscheiden, was vor allem die Jungen betrifft."

Politisch desinteressiert – das ist das Klischee der heutigen Teenager, doch überdeckt dieses Bild, dass Jugendliche wie Florian Fischer, dass die Generation der etwa ab 1996 Geborenen oft politischer denkt, weniger ichbezogen als frühere. Dabei profitiert diese "Generation Z", wie sie von Soziologen in Abgrenzung zu den Vorgängern der "Generation Y" schon mal getauft wurde, auch von den Umbrüchen auf dem Arbeitsmarkt. Heute suchen viele Branchen händeringend Nachwuchs. Die Optimierung des Lebenslaufs ist nicht mehr das alleinige Ziel, sondern auch: die Welt zu verbessern. Dank Facebook und Whatsapp sind zumindest Demonstrationen dafür binnen weniger Stunden organisiert.

Die Klimaretter von Berlin reihen sich in eine lange historische Reihe protestierender Kinder und Teenager. Schon 1903 gingen Kinderarbeiter in Philadelphia auf die Straße. Ihre Forderung: "Wir wollen in die Schule, nicht in den Bergbau". Fünf Jahrzehnte später wagten sich neun afroamerikanische Teenager in eine bis dahin rein weiße Highschool in Little Rock, Arkansas. Obwohl der Oberste Gerichtshof die Rassentrennung untersagt hatte, mussten Soldaten die neun ins Gebäude eskortieren. Mehrere Hundert weiße Schüler schrien sie hasserfüllt an. Ihr Kampf um den Schulbesuch wurde zu einem Meilenstein der Bürgerrechtsbewegung.

"Propaganda-Instrument"

Die tragischsten Schüleraufstände erlebte Südafrika. Als das rassistische Regime Mitte der 70er Jahre die afrikanischen Sprachen aus dem Unterricht verdrängen wollte, ließ das die Stimmung im Land explodieren. Am 16. Juni 1976 formierten sich 20.000 Schüler zu einem Protestzug durch das Township Soweto bei Johannesburg. Polizisten schossen auf die Kinder, doch die Aufstände griffen immer weiter um sich – am Ende waren nach offiziellen Angaben 575 Menschen ums Leben gekommen. Die Regierung hatte militärisch gesiegt. Für das Ansehen Südafrikas allerdings war Soweto ein Desaster, von dem sich das Regime nie wirklich erholte. "Macht der Unschuld" – so haben Soziologen das dahinterliegende Prinzip umschrieben. Kinder und Jugendliche wirken unverbraucht, ihre Wut authentisch. Ihre Ziele mögen utopisch sein – doch der Glaube daran ist ehrlich.

Graciela Gorez, 11, Ghana  "Ich nenne mich 'Childpresident', Kinderpräsidentin, weil ich glaube, dass wir Kinder für die erwachsenen Politiker überhaupt keine Rolle spielen. Ich kämpfe vor allem gegen Korruption. Das ist bei uns in Ghana wie in einigen anderen Ländern in Afrika ein sehr großes Problem. Jeden Montag nehme ich eine Sendung auf, die auf Facebook und Youtube gesendet wird. Eine Organisation, die gegen Korruption kämpft, hilft mir dabei. Darin spreche ich zum Beispiel Politiker an, die mehr an sich als an unser Land denken. Mittlerweile berichten sogar schon Zeitungen über meine Sendungen. Selbst will ich aber keine Politikerin werden. Ich träume davon, als Pilotin zu arbeiten, davon gibt es bei uns in Ghana nicht so viele. Aber mich einmischen will ich natürlich auch dann noch."

Graciela Gorez, 11, Ghana

"Ich nenne mich 'Childpresident', Kinderpräsidentin, weil ich glaube, dass wir Kinder für die erwachsenen Politiker überhaupt keine Rolle spielen. Ich kämpfe vor allem gegen Korruption. Das ist bei uns in Ghana wie in einigen anderen Ländern in Afrika ein sehr großes Problem. Jeden Montag nehme ich eine Sendung auf, die auf Facebook und Youtube gesendet wird. Eine Organisation, die gegen Korruption kämpft, hilft mir dabei. Darin spreche ich zum Beispiel Politiker an, die mehr an sich als an unser Land denken. Mittlerweile berichten sogar schon Zeitungen über meine Sendungen. Selbst will ich aber keine Politikerin werden. Ich träume davon, als Pilotin zu arbeiten, davon gibt es bei uns in Ghana nicht so viele. Aber mich einmischen will ich natürlich auch dann noch."

So mochte es utopisch erscheinen, als sich im vergangenen Jahr ein Dutzend Schüler nach dem Amoklauf von Parkland mit der Waffenlobby anlegte – aber nur wenige zweifelten daran, dass es diesen Jugendlichen ernst war. Und mag auch Greta Thunbergs 50-stündige Zugfahrt nach Davos belächelt werden – kaum jemand stellt infrage, dass sie authentisch ist in ihrer Sorge.

Umso befremdeter reagiert die Öffentlichkeit, wenn der Eindruck entsteht, Kinder seien gesteuert. Kritiker nutzen diese Flanke geschickt aus, auch bei Greta Thunberg. Das rechte Webportal "Tichys Einblick" etwa, das auch unverbesserlichen Klimawandel-Leugnern ein Forum bietet, schreibt, sie werde von den Medien als "Propaganda-Instrument" benutzt.

So absurd das im Fall der kaum steuerbaren Thunberg sein mag – die Gefahr, dass der Idealismus von Kindern zum Teil auch instrumentalisiert wird, ist real, auch wenn es dabei um die gute Sache geht. Das zeigt das Beispiel der wohl bekanntesten Teenager-Ikone unserer Zeit, Malala Yousafzai. Seit frühester Kindheit baute ihr Vater, ein Lehrer, sie zur Symbolfigur seines Kampfes für Schulbildung für Mädchen auf. Er initiierte erste Kontakte mit Journalisten. 2009 sagt die Zwölfjährige in einem Dokumentarfilm: "Ich muss Politikerin werden, um dieses Land zu retten. Es ist der Traum meines Vaters." Eigentlich wolle sie aber lieber Ärztin werden. Drei Jahre später – Malala hatte inzwischen ein eigenes Blog bei der BBC – schießen ihr die Taliban in den Kopf. Eine Schädel-OP in Großbritannien rettet ihr Leben.

Ein klirrend kalter Morgen in Berlin. Viele junge Leute sind unterwegs, sie wollen zur Freitags-Demo. Im stern-Büro nicht weit vom Reichstag treffen sich einige von ihnen zum Gespräch. Sie haben wenig Zeit, Ragna Diederichs, 18 (M.), muss noch eine Rede halten, Linus Steinmetz, 15 (r.), wurde von der Kohlekommission eingeladen. Was sie alle eint: das Gefühl, dass sich endlich etwas bewegt in Deutschland. Und der Stolz, Teil dieser Bewegung zu sein. Lesen Sie das Interview hier.

Ein klirrend kalter Morgen in Berlin. Viele junge Leute sind unterwegs, sie wollen zur Freitags-Demo. Im stern-Büro nicht weit vom Reichstag treffen sich einige von ihnen zum Gespräch. Sie haben wenig Zeit, Ragna Diederichs, 18 (M.), muss noch eine Rede halten, Linus Steinmetz, 15 (r.), wurde von der Kohlekommission eingeladen. Was sie alle eint: das Gefühl, dass sich endlich etwas bewegt in Deutschland. Und der Stolz, Teil dieser Bewegung zu sein. Lesen Sie das Interview hier.

Noch während sie in Birmingham im Krankenhaus liegt, nimmt eine der exklusivsten PR-Agenturen – Edelman – sie als Klientin auf, ohne Honorar. An die Stelle ihres Vaters treten nun Profis der Imagepflege, die sich sonst um Kunden wie "Starbucks" kümmern. Sie bauen die Schülerin noch vom Krankenbett aus zur Ikone auf. Als sie 2014 den Friedensnobelpreis erhält, ist die 17-jährige Malala längst zu einer globalen Marke geworden. Malala steht hinter den Anliegen, die sie vertritt, sie ist eine starke junge Frau, die Besucher und Zuhörer oft tief beeindruckt, keinesfalls eine Marionette. Und doch: Das schüchterne Mädchen aus dem Swat-Tal, das gern Ärztin werden wollte, gibt es nicht mehr.

"Mehr Eier als die Nato"

Auch im Glanz von Greta Thunberg sonnt sich inzwischen die Prominenz, was allerdings schon mal zu entlarvenden Szenen führt, auch in Davos vergangene Woche. An ihrem zweiten Tag dort sitzt Greta in exklusiver Runde bei einem Lunch. Teure Anzüge, Wein, gegrillter Lachs. Sie trinkt aus ihrer Metallflasche und sieht ohne Gefühlsregung zu, wie sich auf der Bühne Bono, Will.i.am von den Black Eyed Peas und die Primatenforscherin Jane Goodall über die Zukunft der Menschheit unterhalten.

Zum Abschluss der Veranstaltung kommt der Moderator auf sie zu. Greta nimmt sich das Mikrofon und kneift die Augen zusammen. "Manche Leuten sagen, dass die Klimakrise etwas ist, das wir alle erschaffen haben. Doch wenn jeder schuldig ist, ist niemand verantwortlich. Aber es gibt Verantwortliche: Unternehmen und Entscheidungsträger, die genau wussten, welche unbezahlbaren Dinge sie opfern, um unvorstellbaren Reichtum anzuhäufen. Ich glaube, viele von Ihnen, die heute hier sind, gehören zu dieser Gruppe", sagt Thunberg mit klarer und unaufgeregter Stimme. Das Publikum stutzt kurz, dann gibt es Applaus.

Am Eingang steht eine Frau mit Perlenkette. "Gott, dieses Mädchen", sagt sie. "Die hat mehr Eier als die Nato."

Junge Aktivistin in Davos: Greta Thunberg: "Ich möchte, dass ihr in Panik geratet"
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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.