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Klimaaktivistin Bolsonaro beschimpft Greta Thunberg. Die schlägt subtil zurück – wie schon bei Trump

Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg
Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg
© Pablo Blazquez Dominguez / Getty Images
Jair Bolsonaro, Präsident von Brasilien, hat die Klimaaktivistin Greta Thunberg mit einem mehrdeutigen Ausdruck beschimpft. Die reagiert auf Twitter, subtil und unaufgeregt. US-Präsident Trump kennt das schon.

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hat Kritik der Klimaaktivistin Greta Thunberg am Tod zweier Indigener mit einem mehrdeutigen Ausdruck zurückgewiesen. Er bezeichnete die 16-Jährige vor Journalisten am Dienstag (Ortszeit) in der Hauptstadt Brasília als "pirralha" – das kann sowohl Göre, Balg oder Rotzlöffel bedeuten als auch Winzling, Racker, Wicht oder Knirps.

Thunberg hatte zuvor in Bezug auf den Tod zweier Ureinwohner im Nordosten Brasiliens vom Samstag auf Twitter geschrieben, in dem Land würden die indigenen Völker "buchstäblich ermordet", weil sie den Regenwald vor dem Abholzen zu schützen versuchten.

Thunberg selbst nahm das Ganze augenscheinlich mit Humor: In ihrem Profil auf Twitter war das Wort "pirralha" zu lesen. Twitter-Nutzer hielten ihre Reaktion, die zeitweise zu lesen war, in Screenshots fest.

Auch auf einen offenbar verhöhnenden Tweet von US-Präsident Donald Trump hatte die Klimaaktivistin auf ähnliche Art reagiert (lesen Sie hier mehr dazu). Nach Thunbergs wutentbrannter Rede beim UN-Klimagipfel hatte Trump über die 16-Jährige auf Twitter geschrieben. "Sie wirkt wie ein sehr glückliches junges Mädchen, das sich auf eine strahlende und wunderbare Zukunft freut. So schön zu sehen!" Dazu postete er Thunbergs emotionale Rede. Daraufhin in Thunbergs Selbstbeschreibung in ihrer Twitter-Biografie zu lesen: "Ein sehr glückliches junges Mädchen, das sich auf eine strahlende und wunderbare Zukunft freut."

Regierungssprecher gerät in Erklärungsnot

Angesichts von Berichten, Bolsonaro habe Thunberg als "Göre" oder "Balg" bezeichnet, war Regierungssprecher Otávio do Rêgo Barros am Abend nach Angaben des Nachrichtenportals Uol um Aufklärung bemüht: Der Präsident sei nicht unhöflich gewesen, als er die Schwedin so nannte: "Pirralha ist ein Kind oder eine Person kleiner Statur", sagte er Uol zufolge. "Unter grammatikalischen Gesichtspunkten war er nicht unhöflich." Auf die Frage, ob Bolsonaro schon einen seiner Minister "pirralho" genannte habe, antwortete er. "Ja, mich". 

Konkret hatte Bolsonaro auf die Frage von Journalisten nach Thunbergs Kritik Medien zufolge geantwortet: "Wie heißt dieses Mädchen da? Von außerhalb? Greta. Die Greta sagte, dass die Indigenen starben, weil sie den Regenwald schützten. Es ist schon erstaunlich, dass die Presse einer solchen 'pirralha' Platz gibt." Bolsonaro ist für seine teils abfälligen Bemerkungen bekannt, seine Regierung steht wegen ihrer Umweltpolitik international in der Kritik.

Greta Thunberg: "Jeder Bruchteil eines Grades zählt"

Derweil hat Thunberg die Regierungen wohlhabender Staaten beim Weltklimagipfel in Madrid für ihre Untätigkeit im Kampf gegen den Klimawandel scharf kritisiert. In einer auf wissenschaftliche Daten zu CO2-Emissionen und die Erderwärmung gestützten Rede legte die 16-Jährige vor dem Plenum eindringlich die Fakten zu den Folgen dar, sollten die Ziele des Pariser Abkommens zur Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad verfehlt werden. "Jeder Bruchteil eines Grades zählt", so Thunberg.

"2050 Treibhausgas-Neutralität zu erreichen bedeutet gar nichts, wenn die Emissionen inzwischen noch für ein paar Jahre weitergehen wie bisher. Denn unser verbleibendes Budget wird dann aufgebraucht sein", erklärte die junge Schwedin unter dem Applaus der Anwesenden. Sie monierte scharf, dass die Verhandlungen in Madrid so schleppend vorankämen. "Es gibt überhaupt kein Gefühl der Dringlichkeit", warf sie den Politikern vor.

Die eigentliche Gefahr, so betonte Thunberg, sei nicht die Untätigkeit der für die Krise verantwortlichen Regierungen und Unternehmen, "sondern die Tatsache, dass Politiker und Konzernchefs es so aussehen lassen, als würden sie etwas tun". Das Jahrzehnt, das in nur drei Wochen beginne, "wird unsere Zukunft definieren", warnte sie. Die Menschen bräuchten jetzt unbedingt ein Zeichen der Hoffnung. "Aber es gibt Hoffnung, ich habe es gesehen – aber sie kommt nicht von Regierungen und Konzernen, sondern vom Volk."  

fs DPA

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