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Ex-NFL-Star unter Druck Er tritt als strikter Abtreibungsgegner an: US-Senatskandidat Walker soll weiterer Frau Schwangerschaftsabbruch bezahlt haben

Herschel Walker kandidiert für einen Sitz im US-Senat und gibt sich als Hardliner beim Thema Abtreibung
Herschel Walker kandidiert für die US-Republikaner für einen wichtigen Sitz im Senat und gibt sich als Hardliner beim Thema Abtreibung
© Megan Varner / AFP
Herschel Walker kämpft für die US-Republikaner um einen sehr wichtigen Sitz im Senat – und gibt sich dabei als kategorischer Abtreibungsgegner. Doch nun bringt bereits eine zweite Frau den früheren Footballstar in Bedrängnis.

Im Kampf um einen Sitz im US-Senat, der über die Kontrolle der Parlamentskammer entscheiden könnte, gerät der republikanische Kandidat Herschel Walker weiter in Bedrängnis. Am Mittwoch (Ortszeit) trat eine zweite Frau an die Öffentlichkeit, der zufolge der ehemalige Footballspieler sie zu einer Abtreibung gedrängt habe. Walker tritt als kategorischer Abtreibungsgegner an und die Enthüllungen könnten seine Glaubwürdigkeit untergraben.

"Herschel Walker ist ein Heuchler"

Die Frau, die anonym blieb, sagte bei einer Online-Pressekonferenz, der damalige NFL-Star habe ihr 1993 Geld für den Schwangerschaftsabbruch gegeben. Er habe sie sogar zu der Abtreibungsklinik in der texanischen Stadt Dallas gefahren, auf dem Parkplatz auf sie gewartet und ihr danach Medikamente gekauft.

"Herschel Walker ist ein Heuchler, und er ist nicht geeignet, US-Senator zu werden", erklärte die Frau mit dem Pseudonym Jane Doe. "Herschel Walker sagt, dass er gegen Abtreibungen ist. Aber er hat mich dazu gedrängt, eine vorzunehmen." Die Frau hatte nach eigenen Angaben ab 1987 eine mehrjährige Affäre mit dem verheirateten Athleten.

Die Anwältin der Frau, die prominente Juristin Gloria Allred, zeigte bei der Pressekonferenz mehrere Karten, die Walker der Frau geschrieben haben soll. Zudem präsentierte sie ein Foto, das Walker in einem Hotelzimmer der Frau zeigen soll. Allred lieferte aber keine Beweise für einen Schwangerschaftsabbruch oder eine Zahlung durch den republikanischen Kandidaten.

Walker wies die Angaben der Frau bei einem Wahlkampfauftritt zurück, wie der US-Fernsehsender NBC berichtete.

Erst Anfang Oktober hatten die Website "The Daily Beast" und die "Washington Post" berichtet, der konservative Senatskandidat und Anhänger von Ex-Präsident Donald Trump habe 2009 seiner damaligen Freundin eine Abtreibung bezahlt. Die Frau zeigte demnach eine Rechnung für den Schwangerschaftsabbruch und das Bild eines Schecks über 700 Dollar, den ihr Walker fünf Tage nach der Abtreibung schickte. Beide Frauen wollten anonym bleiben, um sich und ihre Familien zu schützen.

Walker hat auch die Vorwürfe der ersten Frau wiederholt als "Lüge" bezeichnet. Der 60-Jährige bewirbt sich bei den anstehenden Kongresswahlen im Südstaat Georgia um einen Sitz im US-Senat in Washington. Das Rennen gegen den derzeitigen Senatoren Raphael Warnock von der Demokratischen Partei ist eines der landesweit engsten Senatsrennen – und könnte darüber entscheiden, ob die Demokraten von Präsident Joe Biden ihre hauchdünne Mehrheit in der Kongresskammer verteidigen oder sie an die Republikaner verlieren.

Abtreibung zentrales Wahlkampfthema der Demokraten

Walkers Wahlkampf ist äußerst holprig verlaufen und wird geprägt von Vorwürfen der häuslichen Gewalt, falschen Angaben zu seinem Lebenslauf und rhetorischen Schwächen. Durch den "Daily Beast"-Bericht über die mutmaßliche Abtreibung 2009 geriet er stark unter Druck, zumal viele konservative Wähler strikt gegen Abtreibungen sind. In den Umfragen hat sich die Affäre aber nicht niedergeschlagen. Führende Republikaner einschließlich Trump stellten sich hinter Walker.

Schwangerschaftsabbruch: Betroffene erzählen von ihren Erfahrungen

Das Abtreibungsrecht ist eines der umstrittensten gesellschaftspolitischen Themen in den USA. Der Oberste Gerichtshof des Landes sorgte im Juni für ein politisches Erdbeben, als er das seit fast 50 verankerte landesweite Grundrecht auf Schwangerschaftsabbrüche aufhob. Zahlreiche konservativ regierte Bundesstaaten verboten in der Folge Abtreibungen oder schränkten den Zugang stark ein. 

Die Demokraten machten das Recht auf Abtreibungen deswegen zu einem zentralen Wahlkampfthema. Präsident Biden versprach, ein landesweites Recht auf Schwangerschaftsabbrüche per Gesetz festschreiben zu wollen, wenn er nach der Wahl die dafür notwendigen Kongressmehrheiten hat.

Die Demokraten hoffen, damit Wähler mobilisieren zu können. Allerdings zeigen Umfragen, dass den Wählern andere Themen wie die hohe Inflation deutlich wichtiger sind. Meinungsforschern zufolge dürften die Demokraten bei den sogenannten Midterms ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus an die Republikaner verlieren. Das Rennen um die Senatsmehrheit wird aller Voraussicht nach extrem eng.

mad AFP DPA

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